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Wo einst Neil Armstrong dinierte

Illnauer Rössli: Pächter-Paar geht 2022 in Pension

Nach 16 Jahren bereiten Vreni und René Kaufmann ihren Ruhestand vor: Im Sommer 2022 übergeben sie das Illnauer Rössli an neue Pächter.

Mirja
Keller
Mittwoch, 14. Juli 2021, 10:13 Uhr Wo einst Neil Armstrong dinierte

Neil Armstrong war nicht nur der erste Mann auf dem Mond, er war auch der berühmteste Gast, der im Illnauer Gastroflaggschiff Rössli diniert und übernachtet hat. «Ich durfte ihn persönlich in Empfang nehmen», erinnert sich Wirt René Kaufmann.

Vor nicht allzu langer Zeit gab sich zudem Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz die Ehre – er weihte den neuen Boden im Rössli-Saal ein. «Solche Begegnungen gab es oft», sagt Kaufmann. Die schönsten für den langjährigen Küchenchef waren jedoch jene «ohne Rang und Titel», wie er sagt.

Seine Frau Vreni Kaufmann stimmt zu. «Wir durften in all den Jahren auf einen grossen und treuen Kundenstamm zählen. Bei einigen sind wir Teil ihrer Geschichte geworden.» In manchen Fällen hätten sie von der Taufe über die Hochzeit jedes Familienfest ausrichten dürfen.

Pension und Umbau

Doch nun neigt sich die Zeit der Kaufmanns als Pächter des Rösslis ihrem Ende zu. Am Montag gab das Paar bekannt, auf Ende Juli 2022 in den Ruhestand zu gehen. Eine Absicht, welche die beiden schon länger hegen. «Im Januar werde ich 64 Jahre alt», sagt Vreni Kaufmann. Da die Stadt, der das Restaurant gehört, zudem einen grösseren Umbau plane, biete es sich an, den Betrieb im nächsten Sommer zu übergeben (siehe Box).

Nach einer kurzen Pause, die für die Renovationsarbeiten genutzt würde, soll das Rössli im Dezember 2022 unter neuer Führung seine Wiedereröffnung feiern.

«Ich will bis zum Schluss die Kraft haben, um gute Gespräche zu führen und für die Gäste da zu sein.»
Vreni Kaufmann

Mit dem Ruhestand der Kaufmanns geht eine Ära zu Ende. Vor 33 Jahren hat René Kaufmann im Rössli als Koch begonnen, davon kocht er seit 30 Jahren mit Gault-Millau-Punkten. «Das ist ein grosses Highlight für mich», sagt Kaufmann. Dazu kommen Auszeichnungen wie der Gastrostern oder Lehrmeister des Jahres. Auch an die Auftritte im Fernsehen, etwa bei «Mini Beiz, dini Beiz»“ erinnern sich beide gerne zurück.

Tag und Nacht auf den Beinen

Wie viel Energie und Herzblut die Kaufmanns ins Rössli stecken, wird deutlich, wenn man ihre Arbeitszeiten kennt. Sieben Tage die Woche sei er auf den Beinen, sagt René Kaufmann. Besonders Grossanlässe wie Hochzeiten oder Vereinsfeste, die im Rössli-Saal ausgerichtet werden, halten das Pächterpaar auf Trab. An solchen Abenden sei sie die Letzte, die zu Bett gehe, sagt Vreni Kaufmann: «Oft wird es dann 3 oder 4 Uhr morgens.»

Über die langen Tage beklagen, wollen sich die beiden aber nicht. «Ich arbeite gerne in der Nacht», sagt etwa Vreni Kaufmann. Und ihr Mann: «Kochen ist mein Hobby, ich arbeite demnach eigentlich nicht, ausser am Tag der Arbeit.»

Gastro-Berater hilft bei Suche

Nach den 16 Jahren, in denen die beiden das Rössli als Pächter geführt haben, sei die Anerkennung von Gästen und Bekannten der wahre Lohn. «Es wird eine grosse Herausforderung eine Nachfolge für Vreni und René Kaufmann zu finden, die Messlate ist hoch angesetzt», sagt Stadtrat Marco Nuzzi (FDP). Im Herbst will die Stadt die Suche nach neuen Pächtern aufnehmen. Ein Gastro-Berater soll der Vermieterin dabei unterstützend zur Seite stehen. Bislang gebe es noch keine konkreten Interessenten, wie Nuzzi auf Anfrage sagt.

«Die Hoffnung ist aber natürlich da, dass jemand übernehmen kann, der das Rössli bereits gut kennt.» Wie die Chancen stehen, dass dies jemand aus dem bestehenden Team von Vreni und René Kaufmann sein könnte, wage er nicht zu beurteilen.

«Wir haben miteinander das Leben geteilt, wir sind wie eine grosse Familie.»
René Kaufmann

Bisher habe noch niemand aus der Belegschaft den Wunsch geäussert, die Nachfolge anzutreten, sagt auch Vreni Kaufmann. Jedoch würde es sich bei den meisten um langjährige und erfahrene Mitarbeiter handeln. «Sie kennen unsere Gäste genau so gut wie wir.»

Auf sein Team angesprochen, kämpft Küchenchef René Kaufmann mit den Tränen. «Wir haben miteinander das Leben geteilt, wir sind wie eine grosse Familie.»

Zeit für Familie und Freunde

Dennoch hält Vreni Kaufmann den Entscheid aufzuhören, für richtig: «Ich will bis zum Schluss die Kraft haben, um gute Gespräche zu führen und für die Gäste da zu sein.» Die Energie sei noch da, und dies soll auch im letzten Jahr noch so bleiben.

All die Jahre sei die eigene Familie ob der betrieblichen Verpflichtung etwas zu kurz gekommen. «Jetzt freuen wir uns darauf, wieder mehr Zeit miteinander zu verbringen», sagt Vreni Kaufmann. Das gilt auch für all die Kontakte, die sie sich in ihrer Zeit im Rössli erarbeitet haben. 

Renovationen im Rössli

Von August bis November 2022 will die Stadt weitere Renovationsarbeiten im Gasthaus Rössli durchführen.
Erneuert und behindertengerecht eingerichtet werden sollen unter anderem der Eingangs- und Foyerbereich, das Buffet, sämtliche WC-Anlagen sowie die Beleuchtung. Für die Renovationen, die seit 2020 im Gang sind, hat das Parlament einen Rahmenkredit von insgesamt zwei Millionen Franken gesprochen.

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