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Abtretender Illnau-Effretiker Ratspräsident

«Es ist ganz klar schwierig, aufs Maul zu sitzen»

Ein Jahr lang agierte Gemeinderat Daniel Huber (SVP) als Ratspräsident des Illnau-Effretiker Parlaments. Im Interview spricht er über Highlights und schwierige Momente seines Amtsjahrs.

Mirja
Keller
Mittwoch, 14. Juli 2021, 18:00 Uhr Abtretender Illnau-Effretiker Ratspräsident
Daniel Huber durfte sich ein Jahr lang höchster Illnau-Effretiker nennen.
Archivfoto: Christian Merz

Sie haben Ihr Amtsjahr als Ratspräsident unter das Motto «Erfolgsfaktor Regionalität» gestellt. Inwiefern konnten Sie diesem Credo in Zeiten einer Pandemie gerecht werden?
Daniel Huber: Die Pandemie hat mir in dieser Hinsicht in die Karten gespielt. Auf einmal begannen die Leute wieder regionaler zu denken und einzukaufen. Ich hoffe, das bleibt so. Gerade was Lebensmittel angeht, sollte die Qualität im Mittelpunkt stehen und um diese zu bekommen, braucht man nicht ins Ausland zu fahren.

Der regionale Gedanke sollte auch in ihrem Ratsausflug eine grosse Rolle spielen, doch fiel dieser ins Wasser.
Meine Idee war, lokale Gewerbetreibende zu besuchen und selbst Hand anzulegen. Wir hätten selbst gewurstet oder gebacken. Ein gemeinsames Nachtessen hätte den Tag abgerundet. Leider musste ich den Ausflug pandemiebedingt immer wieder herausschieben. Als Ersatz werde ich nun wohl gemeinsam mit meinem Nachfolger einen umfangreicheren Ratsausflug organisieren, jedoch dann zu einem anderen Thema.

Ein wichtiger Teil Ihres Amtes ist es, die Stadt an Veranstaltungen zu repräsentieren. Doch lagen im vergangenen Jahr sämtliche Anlässe brach. Wie sehr haben Sie diese Tätigkeit vermisst?
Sehr, denn auf diese Aufgabe habe ich mich nebst der ganzen Organisation des Ratsbetriebs am meisten gefreut. Ich bin ein Gesellschaftsmensch, kenne die Stadt und bin gut vernetzt. Insbesondere die 1. August-Feier in Ottikon wäre sicher ein Highlight gewesen. Da bin ich aufgewachsen und kenne alle Leute. Die Stadt an solchen Anlässen zu vertreten, ist gewissermassen der Lohn des Ratspräsidenten.

«Es gab wenige persönliche Angriffe.»
Daniel Huber

An einem einzigen Anlass konnten Sie jedoch teilnehmen.
Ich durfte Stadtpräsident Ueli Müller an der 100-Jahr-Feier des Armbrustschützen-Vereins Ottikon vertreten. Doch auch dieser Anlass war wegen Schutzmassnahmen auf 50 Personen beschränkt. Wir sind an Vierertischen gesessen und es galt Maskenpflicht. Dennoch war es eine gemütliche Runde. Als ehemaliger Jugendschütze, der selbst zwei Jahre Teil des Vereins war, habe ich mich sehr gefreut, ein Grusswort der Stadt zu überbringen und einen symbolischen Check zu überreichen.

Erstmals in der Geschichte des Grossen Gemeinderates galt auch im Ratssaal eine Maskenpflicht. Parlamentarier wurden dazu angehalten, sich vor der Sitzung testen zu lassen. Inwiefern haben diese Massnahmen den Ratsbetrieb beeinflusst?
Als Ratspräsident war es eine Herausforderung zu klären, wie weit unsere Schutzmassnahmen gehen sollen. Halten wir uns an die Mindestmassnahmen oder verhängen wir im Sinne der Vorbildfunktion strengere Restriktionen? Letztlich gingen unsere Vorgaben mit dem Testing über diejenigen des Bundes hinaus. Es hat mich positiv überrascht, wie die Leute mitgezogen haben. Diskussionen gibt es immer und Gemeinderäte, die anecken, ebenfalls.

Hat sich in Ihren Augen die Stimmung im Rat während der Pandemie verändert?
Nein, das denke ich nicht. Letztlich hatten wir ja alle dasselbe Problem. Ich muss sogar sagen, es ist extrem anständig zu und her gegangen. Es gab wenige persönliche Angriffe.

«Seit der Handelsschule habe ich keinen Vortrag mehr gehalten. Am Anfang war ich sehr nervös, am Ende war es dann schon fast Routine.»
Daniel Huber

Haben Sie das anders erwartet?
Es war schon anders. In meinen Anfangszeiten im Rat ging es rauer zu, was nicht schlechter ist, aber da wir dieses Amt alle freiwillig machen, soll es auch fair ablaufen. Mir ist zudem aufgefallen, dass sich der Zusammenhalt unter den Parteien verbessert hat. Man trifft sich auch mal nach den Sitzungen. Besonders unter den jungen Gemeinderäten herrscht eine gute Stimmung.

Die Debattierfreude der Räte hat auf jeden Fall nicht gelitten. So sorgte etwa die Jahresrechnung 2020 oder die Girhalden-Brücke für regen Gesprächsstoff. Bei welchem Geschäft hätten Sie gerne mitdiskutiert, wenn Sie gekonnt hätten?
Es ist ganz klar schwierig, aufs Maul zu sitzen und einfach nur zuzuhören. Ab und zu hätte ich gerne interveniert.

Wann?
Gerade im Fall Girhalden-Brücke: Ich bin ein klarer Gegner und hätte mich bei den fachtechnischen Diskussionen gerne eingebracht. Etwa in Bezug auf die Materialwahl oder die Behindertengerechtigkeit des Baus. Häufig wird man von schönen Visualisierungen geblendet und kann sich schlecht vorstellen, wie dominant ein Bau wirklich wirkt.

Was ist Ihr persönliches Highlight nach einem Jahr auf dem «Bock» ?
Persönlich war es eine gute Erfahrung, einmal eine Sitzung zu leiten, da ich als Landschaftsgärtner nicht in einem Büro arbeite. Seit der Handelsschule habe ich keinen Vortrag mehr gehalten. Am Anfang war ich sehr nervös, am Ende war es dann schon fast Routine. Ratssekretär Marco Steiner war für mich als Berater und persönlicher Mentor jedoch Gold wert. Im Allgemeinen habe ich mit den Ratsbürokollegen sehr gut zusammengearbeitet, was ich enorm geschätzt habe.

Wie geht es jetzt weiter? Setzen Sie Ihre Ambitionen für den Stadtrat in die Tat um und lassen sich für die Exekutivwahlen aufstellen?
Ich kann mir immer noch gut vorstellen für den Stadtrat zu kandidieren. Letztlich fällt diesen Entscheid aber die Partei. Nach der ausserordentlichen Generalversammlung im Herbst wissen wir mehr.

Neukonstituierung 

An seiner Sitzung von heute Donnerstag wählt der Grosse Gemeinderat ein neues Ratsbüro für das Amtsjahr 2021/22. 
Die Interfraktionelle Konferenz (Zusammenschluss aller Fraktionspräsidien) schlägt dem Rat folgende Personen zur Wahl vor: Kilian Meier (Mitte) für das Ratspräsidium, Maxim Morskoi (SP) für das 1. Vizepräsidium und Michael Käppeli (FDP) für das 2. Vizepräsidium. 

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