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Nasse Badisaison

Badmeister machen gute Miene zum bösen Spiel

Das miese Wetter drückt in den Schwimmbädern der Region auf die Gästezahlen. Noch haben die Badmeister aber die Hoffnung auf trockene Tage nicht verloren.

Patrizia
Legnini
Montag, 12. Juli 2021, 08:30 Uhr Nasse Badisaison

Seit Wochen bestimmen Gewitter, Regen und Hagel das Wetter im Lande. Der massive Niederschlag der letzten Tage hat die Pegel zahlreicher Gewässer anschwellen lassen. Am Donnerstagabend trat auch in Pfäffikon die Luppmen über die Ufer und flutete die angrenzende Strasse.

Das miese Wetter macht nicht zuletzt den Schwimmbädern zu schaffen: Es drückt auch auf die Gästezahlen. Von der «schlechtesten Badisaison aller Zeiten» redete jüngst ein Badmeister im «Blick». In den Schwimmbädern in der Region will man sich von diesem Sommer, der schon jetzt als einer der nässesten gilt, aber nicht die Stimmung vermiesen lassen. Noch nicht zumindest.

«Die schlechteste Saison ist das wahrscheinlich nicht», sagt Urs Gander, Chefbadmeister im Schwimmbad Steg. «Aber schade ist es schon, dass das Wetter an vielen Tagen unbeständig und gewitterhaft war. Einmal lässt man die Badi zu, und dann zeigt sich doch die Sonne. Oder man ist da, und es kommen nur wenige Badegäste.» Auch an schlechten Tagen zählt Gander allerdings schnell 25 Eintritte. «Den Kindern ist das Wetter egal: Sobald die Badi offen ist, gehen sie ins Wasser.»

Der Steger Badmeister Urs Gander hofft auf trockenere Zeiten. (Video: Paulo Pereira)

Tatsächlich sitzen an diesem trüben Freitagmorgen unter dem neuen Dach, das der gelernte Schreiner Anfang Juni bei der Cafeteria gebaut hat, 17 Fünft- und Sechstklässler aus Fischenthal. Sie sind seit zehn Uhr da, haben Fussball gespielt, sich nass gespritzt und sich am Buffet schliesslich mit Gipfeli, Orangensaft und heisser Schoggi eingedeckt. Die nassen Haare der Mädchen trocknen auf den Handtüchern, die sie sich über die Schultern gelegt haben. «Wir feiern gerade unsere Abschlusstage», sagt ihre Lehrerin, Andrea Erni-Brüngger. «Es ist toll, alle sind zufrieden.»

Nicht alle Kinder haben sich allerdings ins Wasser getraut. Zwar macht der Regen gerade eine Pause, doch das Thermometer, das am Schwimmbadeingang hängt, zeigt eine Lufttemperatur von nur gerade 15 Grad Celsius an. Nur wenig wärmer ist mit 20 Grad das Wasser in den Schwimmbecken.

Carola Heller aus Steg ist die einzige erwachsene Schwimmerin, die am Beckenrand gerade ihre Längen zieht. «Es ist herrlich. In diesem Wetter habe ich das Bad jeweils ganz für mich alleine. Da fühlt man sich wie eine Königin», sagt sie und lächelt, als sie sich abgetrocknet hat. Heller besucht die Badi jeden Tag, sofern sie geöffnet ist. «Meistens nach der Arbeit im Stall.»

Wird das Wetter besser?

Nicht viel aus macht das Wetter auch den Schwimmern, die jeden Tag in die Badi Hinwil kommen. «Weil das Wasser dank den geheizten Schwimmbecken immer etwa 23 Grad warm ist, bleibt unsere Badi praktisch immer geöffnet», sagt Badmeister Martin Küng. Zwar lief die Saison ihm zufolge bis jetzt denkbar schlecht. Doch von der schlechtesten aller Zeiten würde er trotzdem nicht reden. «Um das zu sagen, ist es doch noch viel zu früh. Wir sind ja mittendrin in der Saison, und während zehn Tagen hatten wir im Juni mal konstant viel Sonne. Vielleicht wird das Wetter im August und September ja besser.» Er habe in den 30 Jahren, in denen er als Badmeister arbeitet, immer mal wieder schlechte Sommer gesehen. Zuletzt 2014.

Zu tun hat Küng in der Badi jedenfalls auch dann, wenn sie nicht von Hunderten von Leuten gestürmt wird. «Nach Gewittern sieht es hier manchmal schlimm aus», sagt er. «Dann gibt es Blätter im Wasser und in der Rinne, ja in der ganzen Anlage.»

In Steg hingegen ist die Badi, wenn das Wetter schlecht ist, immer mal wieder geschlossen.  «Bei weniger als 20 Grad Celsius ganztags und Dauerregen machen wir hier zu», sagt Gander. Eine Bilanz über die letzten Wochen zu ziehen, fällt dem 39-Jährigen schwer: Er amtet erst seit letztem Jahr als Badmeister. «Letztes Jahr konnten wir wegen Corona erst Anfang Juni öffnen, und dann regnete es ebenfalls drei Wochen durch», sagt er.

Dass viele Leute ein Saisonabo gelöst haben, hilft dem Schwimmbad finanziell über die Runden. Darüber hinaus kommen viele Familien und Handwerker auch nur für den Zmittag oder das Abendessen ins Badi-Restaurant, sogar bei schlechtem Wetter.

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