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«Chuchi-Zoom»: Apfel

Der Apfel, ein Alleskönner

Er gilt als die älteste kultivierte Frucht der Welt, ist lange lagerfähig – und schmeckt auch noch fein. Auf dem Juckerhof in Seegräben wird der Apfel vielseitig verarbeitet und man setzt auf resistente Sorten.

Lennart
Langer
Montag, 14. Juni 2021, 18:00 Uhr «Chuchi-Zoom»: Apfel

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Jucker Farm in Seegräben.

Apfelbäume soweit das Auge reicht. Wer sich in den «Öpfelgarten» auf dem Seegräbner Juckerhof begibt, kann schnell mal den Überblick verlieren. Das ist so gewollt. Genauso geht es wohl auch manchen Kunden, die beim Grossverteiler vor dem Obstregal stehen und sich für eine Apfelsorte entscheiden sollen. Meist folgt dann der Griff zum Altbekannten – wie etwa dem Gala-Apfel.

Das weiss auch Petra Hager. Sie ist Obstbauchefin auf dem Juckerhof. Der Gala-Apfel, so süss er auch schmecken mag, stösst ihr bitter auf. Denn die beliebte Sorte gilt als nicht sonderlich resistent, weshalb ihr Anbau einen verhältnismässig grossen Einsatz an Pflanzenschutzmitteln bedingt, um eine ertragreiche Ernte zu garantieren. Seit einigen Jahren ersetzt der Juckerhof deshalb kontinuierlich die alten Gala-Apfelbäume durch resistentere Alternativen. Etwa durch die Sorten Bonita, Ladina oder Topaz.

Petra Hager steht in einer Apfelanlage mit traumhaftem Blick über den Pfäffikersee. Vor zwei Jahren hat sie hier Bonita-Bäume gepflanzt. Ende Mai sind bereits die kleinen Früchte zu erkennen. Mit gekonnten Griffen entfernt Hager einige überzählige Triebe von den noch jungen Bäumen. Trägt der Baum weniger Früchte, wird er schneller gross. Auf die Dauer zahlt sich das aus. Gleichzeitig fördert die Ausdünnung auch die Gesundheit und die Widerstandsfähigkeit des Baums und rüstet ihn besser gegen mögliche Schädlinge.

Balance zwischen Schädlingen und Nützlingen

Diese Schädlinge in Form von Insekten oder Mäusen sowie Krankheiten und Pilzbefall sind die grössten Feinde der Äpfel. Ist eine Anlage befallen, bleibt häufig nur noch der Griff zu Pflanzenschutzmitteln. Das will man, wenn möglich, vermeiden. Petra Hager schreitet durch die Apfelbaumreihen und zupft zufällig einige Blätter von den Bäumen. Alle sehen grün und gesund aus. Wären zu viele davon krank oder beschädigt, dürfte gespritzt werden. Auf dem Juckerhof sollen jedoch keine chemischen Mittel zum Einsatz kommen.

Der Apfel und sein Nützling: Ein Marienkäfer sorgt dafür, dass die noch frische Frucht in Ruhe wachsen kann. (Foto: L. Langer)

Damit dies gelingt setzt der Grossbauernhof nicht nur auf resistentere Sorten, sondern auch auf eine gute Balance zwischen Schädlingen und Nützlingen sowie mechanische Methoden. Auffallend ist das hochstehende Gras zwischen den Baumreihen. Teilweise ist es knietief. «Dadurch haben wir den Vorteil, dass die Nützlinge auch gleich im Baum sind, wenn es Schädlinge gibt», erklärt Hager den dichten Bewuchs. Gleichzeitig sorgen Schafe dafür, dass das Gras nicht zu hoch wächst. Denn es birgt auch das Risiko von Mausbefall. «Gerade bei Jungbäumen ist das verheerend», sagt Hager. Deshalb würden sie die Bäume nicht aus den Augen lassen.

Frühsorten sind ab Mitte Juli reif

Während der Sommermonate sind die Obstbauchefin und ihr Team vor allem mit solchen Kontrollen beschäftigt. Gleichzeitig überprüfen sie, wie weit das Wachstum der Früchte schon fortgeschritten ist. Denn einen Moment darf sie auf keinen Fall verpassen: Sobald der Apfel so rund ist, dass zwischen Stiel und Frucht ein «T» zu erkennen ist, lässt sich die verbleibende Zeit bis zur Ernte berechnen. Ein entscheidender Faktor für eine effiziente Personalplanung für Ernte und Verkauf. «Das ist für uns sehr wichtig», erklärt Hager. «Sind wir mit der Ernte zu spät dran, hat der Apfel nicht mehr die gleiche Qualität.»

Im Einsatz für die Äpfel: Petra Hager ist Obstbauchefin auf dem Juckerhof in Seegräben. (Foto: Paulo Pereira)

Allzu lange dauert es nicht mehr, bis die ersten Äpfel genussreif sind. Schon Mitte Juli können die Frühsorten geerntet werden. Erst ab Mitte September folgen dann die Herbst- und Wintersorten. Während sich die Frühsorten zum schnellen Verzehr eignen, zeichnen sich jene Äpfel, die später im Jahr genussreif sind, durch eine Haltbarkeit von bis zu zwölf Monaten aus. Die gute Lagerfähigkeit ist einer der ganz grossen Vorzüge der beliebten Obstsorte. So kann sie praktisch das ganze Jahr über angeboten werden.

Mosten, backen und kochen

«Je später im Jahr man die Äpfel erntet, desto lagerfähiger sind sie», erklärt Petra Hager. Sie führt in den Kühlraum auf dem Juckerhof. Aktuell ist dieser nicht allzu voll. Denn Ende Mai sind die meisten Äpfel des Vorjahres schon verzehrt. Nur noch Mostobst liegt in den Kisten. Hager nimmt eine Handvoll Äpfel heraus und zeigt kleine Schäden, die sie beim Lagern oder beim Transport davongetragen haben. Das Mostobst dürfte in den kommenden Wochen noch zu Apfelsaft, Apfelwein oder Apfelessig verarbeitet werden.

Rot und knackig: Die optisch ansprechendsten Apfelsorten kommen in den Direktverkauf. (Foto: Lennart Langer)

Wieder draussen an der frischen Luft schreitet Petra Hager zum Hofladen. Hier zeigt sich die ganze Vielseitigkeit des Apfels. Neben den frischen Früchten, dem sogenannten Tafelobst, das direkt zum Reinbeissen verleitet, sind hier Apfelprodukte in allen Variationen zu sehen. Denn Äpfel eignen sich nicht nur zum Mosten. Man kann damit auch backen und kochen. So entstehen feine Wähen, getrocknete Öpfelringli oder ein klassisches Apfelmus. Und sogar Glace kann aus Äpfeln hergestellt werden.

Gerade diese Vielfalt macht den Apfel wohl zu einer der beliebtesten Obstsorten in der Schweiz überhaupt. Und sie macht ihn auch äusserst nachhaltig. Fast jede Frucht kann in irgendeiner Form verarbeitet werden. Petra Hager meint denn auch: «Die verschiedenen Produkte, die man über das ganze Jahr hinweg aus einem Apfel herstellen kann, machen ihn so einzigartig.»

Süss und verführerisch: Ein Stück Apfelwähe geht fast immer.