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Grosser Öffnungsschritt

Bundesrat plant weitere Corona-Lockerungen vor den Sommerferien

Der Bundesrat plant einen weiteren grösseren Öffnungsschritt vor der Sommerpause. Ab 28. Juni soll die Maskenpflicht im Freien aufgehoben werden. Beizer sollen mehr Personen bewirten können. Auch Discos sollen für Personen mit Covid-Zertifikat wieder zugänglich sein.

Agentur
sda
Freitag, 11. Juni 2021, 18:06 Uhr Grosser Öffnungsschritt
Ab Ende Juni soll auch das Feiern im Club wieder möglich sein - aber nur mit Covid-Zertifikat.
Archivbild: Fabio Meier

«Das Gros der Krise ist hinter uns. Die Richtung stimmt», sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Freitag vor den Medien in Bern. Auch Bundespräsident Guy Parmelin wandte sich mit optimistischen Voten an die Bevölkerung: «Wir machen Fortschritte. Ich würde sogar sagen: Das berühmte Licht am Ende des Tunnels kommt endlich näher.»

Die Zahlen geben dem Bundesrat recht: Seit dem letzten Öffnungsschritt von Ende Mai hat sich die epidemiologische Lage nicht verschlechtert - im Gegenteil: Die Fallzahlen sinken seit Wochen kontinuierlich. Am Freitag wurden 354 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Auch die Spitalbetten sind immer weniger mit Covid-Patienten belegt.

Gleichzeitig schreitet die Impfkampagne wie geplant voran: «Jeder vierte Bewohner hat die zweite Impfdosis erhalten», sagte Parmelin. Deshalb stehe weiteren Lockerungen der Massnahmen vor den Sommerferien nichts im Wege. Der Bundesrat startete am Freitag die Konsultation zum fünften Öffnungsschritt. Der definitive Entscheid soll am 23. Juni erfolgen.

Weniger Maske

Konkret schlägt die Regierung vor, die Maskenpflicht in Aussenbereichen von öffentlich zugänglichen Einrichtungen, Freizeitbetrieben, Bahnhöfen und von Haltestellen aufzuheben, ebenso auf den Aussendecks von Schiffen und auf Sesselliften. Aufheben will der Bundesrat die Maskenpflicht auch in der Sekundarstufe II. Für Regeln an den Gymnasien, Fachmittelschulen und Berufsschulen sollen wieder die Kantone zuständig sein.

Am Arbeitsplatz soll die generelle Maskenpflicht ebenfalls aufgehoben werden. Die Aufhebung der Homeoffice-Pflicht für alle Betriebe ist jedoch noch kein Thema. Ab dem Moment, wenn alle Impfwilligen vollständig geimpft sind, kommt laut Berset eine «neue Phase», ein «nächster Moment für eine grosse Öffnung».

Mehr Gäste und Besucher

Auch Beizer sollen mit weiteren Lockerungen rechnen können. Der Bundesrat will die Gruppengrösse von vier auf sechs Personen pro Tisch erhöhen. Auf Restaurantterrassen will der Bundesrat die Beschränkung der Grösse der Gästegruppen, die Maskenpflicht und die Sitzpflicht aufheben.

Betreiber von Discos sollen Ende Juni nach monatelanger Schliessung ihre Tanzflächen wieder öffnen können. Jedoch soll nur Personen mit Covid-Zertifikat - also Geimpften, Genesenen oder Getesteten - Einlass gewährt werden. Maximal sollen 250 Personen anwesend sein dürfen. Sie sollen keine Maske tragen, aber ihre Kontaktdaten angeben.

Keine Regeln bis 50 Personen im Freien

Bei Veranstaltungen mit Covid-Zertifikat sollen ab Ende Juni drinnen maximal 3000, draussen 5000 Personen teilnehmen können - unabhängig davon, ob eine Sitzpflicht gilt. Für Veranstaltungen, die allen Personen offenstehen, sollen schärfere Regeln gelten. Wenn sich die Menschen bewegen - wie an einer Hochzeit oder an einem Konzert ohne Bestuhlung - sollen maximal 250 Personen teilnehmen können. Die Kapazität der Örtlichkeit soll bis zur Hälfte genutzt werden dürfen.

Bei kleineren Veranstaltungen in öffentlich zugänglichen Einrichtungen soll erlaubt sein, was im Privaten bereits möglich ist. Das heisst: Wenn sich höchstens dreissig Personen in Innenräumen oder fünfzig in Aussenbereichen treffen, soll auf Schutzmassnahmen verzichtet werden können.

Lang ersehnte Lockerungen

Die Kantone, Sozialpartner und die zuständigen Parlamentskommissionen können sich in den nächsten Tagen zu den Vorschlägen äussern. Diese entsprechen grösstenteils den bereits früher geäusserten Forderungen von Wirtschaftsverbänden und bürgerlichen Parteien. Die ersten Reaktionen auf den Öffnungsschritt waren entsprechend positiv.

Ebenfalls freuen dürfen sich Reisende: Rechtzeitig vor Ferienbeginn steht fest, dass das Covid-Zertifikat von der EU anerkannt wird. Gleichzeitig will der Bundesrat ab 28. Juni die Reiseeinschränkungen weiter lockern. Die Quarantänepflicht für Einreisen aus allen Staaten und Gebieten des Schengen-Raums soll vollständig aufgehoben werden. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich testen lassen. Auch Drittstaatenangehörige sollen grundsätzlich wieder einreisen dürfen.

Schliesslich will der Bundesrat die Wirtschaftshilfen weiter ausbauen. Lernende sowie Personen, die befristet oder auf Abruf angestellt sind, sollen unter Bedingungen ab 1. Juli und bis Ende September Kurzarbeitsentschädigung erhalten. Und die Kurzarbeitsentschädigung soll bis zu zwei Jahre lang bezogen werden können. Auch über diese Punkte will der Bundesrat am 23. Juni definitiv entscheiden.

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