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«#4_Wände»-Beilage

Das volle Kinovergnügen für zu Hause

Film ab! Ein Heimkino-System verspricht echtes Kino-Feeling in den eigenen vier Wänden. Welche Komponenten dafür entscheidend sind, weiss Heimkino-Experte Demian Scherer von Satmultimedia Scherer in Illnau.

Sebastian
Schuler
Freitag, 07. Mai 2021, 08:42 Uhr «#4_Wände»-Beilage

Dieser Beitrag wurde in der Verlagsbeilage «#4_Wände» veröffentlicht, die am 5. Mai mit dem «Zürcher Oberländer» und dem «Anzeiger von Uster» erschienen ist.

Bei einem Actionfilm die Explosion im ganzen Körper spüren und das Gefühl haben, selbst die Welt zu retten. Bei der rührenden Schlussszene des Liebesfilms von den Emotionen überwältig werden und Rotz und Wasser heulen. Oder beim Fussballspiel in der Super-Slow-Motion eine kleine Fliege entdecken, die dem Torschützen beim Jubel in den Mund geflogen ist. Das Kino und die Entwicklung neuer Technologien lassen uns Filme und Sportereignisse immer lebensechter erfahren, und als Zuschauer ist man so nah dran, wie noch nie.

War dafür vor ein paar Jahren noch ein Kinobesuch zwingend notwendig, ist es mit dem Aufkommen der Heimkinos nun auch möglich, dieses Erlebnis zu Hause zu geniessen. Aber nicht nur der technische Fortschritt der Geräte, auch die veränderte Verfügbarkeit von Inhalten begünstigen diese Entwicklung. Mit den verschiedenen Streaming-Diensten können heute unzählige Filme, Serien oder Sportereignisse in bester Bild- und Tonqualität auf Knopfdruck angesehen werden.

Demian Scherer, Geschäftsführer von Satmultimedia Scherer, hat ein eigenes Heimkino (Foto: PD)

Doch wann ist ein Heimkino überhaupt ein Heimkino und nicht einfach nur ein Fernsehzimmer? «Eine klare Definition gibt es vermutlich nicht. Für mich besteht ein Heimkino aus mindestens einem grösseren Bildschirm und einem Audio-Video-Verstärker mit dazugehörigen Lautsprechern. Wenn der Ton einfach über die Lautsprecher eines grossen Fernsehers kommt, würde ich nicht von einem Heimkino sprechen», sagt Demian Scherer. Der Illnauer ist seit elf Jahren Geschäftsführer von Satmultimedia Scherer in Illnau. Neben verschiedenen multimedialen Installationen im geschäftlichen oder privaten Bereich bietet der Zweimannbetrieb auch die Komplettinstallation von Heimkino-Systemen an.

Budget ist entscheidend

Während die Nachfrage nach TV-Geräten in den letzten Jahren stets zugenommen hat und in der Corona-Pandemie noch verstärkt wurde, bleibt das Interesse an Heimkinos relativ konstant, und die Aufträge kommen sporadisch. Denn auch wenn es vergleichsweise günstige Heimkino-Varianten gibt, kann eine anspruchsvolle Ausstattung schnell Zehntausende Franken kosten. «Viele Leute, die sich ein Heimkino anschaffen, wollen ein möglichst echtes Kino-Feeling erzeugen. Sie sind deshalb auch bereit, viel Geld zu investieren», sagt Scherer.

Neben dem Budget spielt bei der Wahl der Heimkino-Komponenten auch der verfügbare Platz eine entscheidende Rolle. So würde Scherer bei einem kleineren Raum oder einem Wohnzimmer, das nicht komplett abgedunkelt werden kann, eher zu einem grösseren Fernseher anstatt zu einem Projektor raten. «Auch wenn es mittlerweile sehr lichtstarke Beamer gibt, ist die dunkelste Farbe, die auf einer weissen Leinwand dargestellt werden kann, die nicht beleuchtete Leinwand. Sobald externes Licht auf die Leinwand fällt, stört das den Filmgenuss.» Gerade für hellere Räume sind deshalb Fernseher mit der neuen OLED-Technologie geeignet, die einen höheren Schwarzwert erzeugen können als übliche LED-Fernseher.

Sound-Effekte im ganzen Raum verteilt

Fällt die Wahl auf Beamer und Leinwand, sollte zudem beachtet werden, dass eine grosse Leinwand auch eine gewisse Höhe hat. Mit einem an die Decke angebrachten Leinwandkasten und einer geringen Deckenhöhe hat das Sideboard vielleicht plötzlich keinen Platz mehr. Aber nicht nur bei der Bildkomponente ist die Raumgrösse entscheidend. «Für ein optimales Tonerlebnis ist es von Vorteil, wenn man nicht am Rand, sondern in der Mitte des Raums sitzt. Mit den neusten Tonformaten können Sound-Effekte nämlich nicht nur auf einer Ebene, sondern auch in der Höhe des Raums platziert werden», sagt Scherer.

In kleineren Räumen kann auch ein grosser Fernseher für Kino-Feeling sorgen (Foto: PD).

Doch der modernste Audio-Video-Verstärker und die teuersten Lautsprecher nützen nichts, wenn das Tonformat nicht stimmt. So mache es zum Beispiel wenig Sinn, sich ein kostspieliges Surround-System zu kaufen, wenn man hauptsächlich Inhalte konsumiere, die nur in Stereo gesendet würden, gibt Scherer zu bedenken. Grosse Technologieunternehmen lancierten ständig neue Formate, um ihre Produkte verkaufen zu können. Deshalb sei es wichtig, darauf zu achten, dass die einzelnen Komponenten aufeinander und auf die Wiedergabeformate der TV-Box oder des Blu-ray/DVD-Players abgestimmt seien.

Die Nachbarn hören mit

Ein gewichtiger Bestandteil des Sound-Systems ist der Subwoofer, der mit seinen tiefen Tönen dafür sorgt, dass man wie im Kino die Musik im ganzen Körper spürt. Aber es sind genau diese tiefen Töne, die auch den Nachbarn durch Mark und Bein gehen. «Die Installation eines Heimkinos bedeutet auch meistens, dass gebohrt und geschraubt wird. Deshalb sollte man es sich gut überlegen, wie viel investiert werden soll, wenn man in einer Mietwohnung lebt», sagt Scherer.

Ist ein Heimkino erst mal installiert und betriebsbereit, sollten im Normalfall keine grossen Folgekosten mehr anfallen. Denn bei den heutigen technischen Geräten dürfe man von einer Lebensdauer von etwa zehn Jahren ausgehen, und auch der Stromverbrauch sei gegenüber früheren Geräten deutlich gesenkt worden, sagt Scherer. «Die meiste Zeit ist das System im Stand-by, weshalb man den Verbrauch in diesem Modus möglichst klein halten sollte.» Am einfachsten geht das, wenn man einen Hauptschalter einbaut, um die ganze Stromzufuhr bei Nichtgebrauch zu unterbrechen.

Aber nicht nur der Stromverbrauch der Multimediageräte hat sich in den letzten Jahren stetig verändert, auch die Technologien sind im konstanten Wandel und schreiten rasant voran. Deshalb ist es für Scherer schwierig, eine Prognose zu machen, welche Systeme sich halten und was für Neuerungen noch kommen werden. Gerade mit der 3-D-Technologie habe man auch gesehen, dass ein angepriesenes Zukunftssystem schnell wieder verschwinden könne. «Wo die Entwicklung sicher noch weitergeht, ist in der Bildqualität. Möglich ist auch ein vermehrter Einsatz von Virtual Reality.» Einen Einsatz dieser Brillen im Bereich des Heimkinos kann sich Scherer allerdings nicht vorstellen. «Auch wenn beim Schauen eines Films nicht viel gesprochen wird, so bleibt das Kinoerlebnis immer noch ein soziales Ereignis – ob zu Hause oder im Kinosaal.»