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Pfäffiker Alterszentrum Sophie Guyer

Umstrittener Geschäftsleiter entlassen

Während alle noch immer auf ein Urteil bezüglich unrechtmässiger Kündigungen warten, fällt der Stiftungsrat des Pfäffiker Alterszentrum Sophie Guyer einen Entscheid: Der Geschäftsleiter muss gehen. Allerdings nicht wegen des Gerichtsverfahrens, wie der Stiftungsratspräsident bekräftigt.

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 05. Mai 2021, 10:24 Uhr Pfäffiker Alterszentrum Sophie Guyer
Das Alterszentrum steht vor einer Neuorganisation.
Archivfoto: Heidy Dietiker

Es ist das nächste Kapitel im jahrelangen Konflikt um die Situation im Pfäffiker Alterszentrum Sophie Guyer: Mitte April löst der Stiftungsrat das Arbeitsverhältnis mit Geschäftsleiter Daniel Bachmann per sofort auf. Was ist passiert?

Rückblende: Im April 2018 erheben Pfleger und Bewohner des Alterszentrums schwere Vorwürfe an die Adresse der Geschäftsleitung und einer Abteilungsleiterin. Die Rede ist von Mobbing, ignoranten Vorgesetzten, das Arbeitsklima sei seit der Entlassung von zwei langjährigen Teamleitern spürbar schlechter geworden. Bachmann nimmt Stellung, spricht von «Konflikten zwischen unten und oben».

Die beiden entlassenen Teamleiter schalten kurz darauf einen Anwalt ein. Eine Abmahnung an den Geschäftsleiter sowie die Pflegedienstleiterin und deren Stellvertreterin wird ausgesprochen. So sollen die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter beendet worden sein, da sie die Missstände angesprochen hätten. Die Rede ist von «unwahren und insbesondere grob persönlichkeitsverletzenden Äusserungen über das Verhalten gekündeter Mitarbeiter».

Neuorganisation in zwei Themenbereichen

Mehrere Angestellte verlassen den Betrieb aufgrund der angespannten Situation, wie es in den Kündigungsschreiben heisst. Als Reaktion verabschiedet der Stiftungsrats Ende April 2018 einen 6-Punkte-Plan, der den Frieden wieder herstellen soll.

Im November 2018 reichen die zwei ehemaligen Teamleiter schliesslich Klage ein, erst ein Jahr später kommt es zum Prozess. Im Raum stehen Entschädigungsforderungen von über 50'000 Franken. Die beiden bekräftigen nach wie vor, sie hätten «in anständiger Manier» auf die Spannungen im Betrieb hingewiesen. Vor Gericht kann keine Einigung erzielt werden.

Im Juni letzten Jahres folgen erneute Zeugenbefragungen. Ein knappes Jahr später steht dieses Urteil noch immer aus.

Und nun musste Geschäftsleiter Daniel Bachmann seinen Posten Knall auf Fall räumen. In einer Medienmitteilung spricht der Stiftungsrat von einer «Neuorganisation» in zwei Themenbereichen. Aufgrund der immer grösseren Diversität des Angebots, welche das Alterszentrum Sophie Guyer heute und auch in Zukunft zu bewältigen habe, sei einerseits eine Modernisierung der Organisation erforderlich. «Nur so können die Bedürfnisse unserer Bewohnerinnen und Bewohner, Mieterinnen und Mieter und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufriedenstellend erfüllt werden.»

Andererseits sehe der Stiftungsrat höhere Anforderungen bei der operativen Arbeit der Geschäftsleitung. Er wolle die Geschäftsleitung darum zum einen ausweiten und zum anderen in Bezug auf die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung neu aufstellen. «Im Zuge dieser Neuausrichtung verlässt der bisherige Geschäftsleiter, Daniel Bachmann, das Alterszentrum.»

In einem internen Schreiben an die Mitarbeitenden findet der Stiftungsrat schon klarere Worte: «In Gesprächen mit Mitarbeitenden wurden Unstimmigkeiten und unterschiedliche Wünsche in Bezug auf die Ausrichtung und Führung des Alterszentrum deutlich sichtbar.» Die Dringlichkeit, welche aus einer Situationsanalyse hervorgegangen sei, habe den Stiftungsrat zu einem raschen Vorgehen und zu klaren Entscheidungen veranlasst. «Ihr Arbeitsumfeld muss und wird sich entscheidend verbessern. Denn für die grossen Herausforderungen der Zukunft brauchen wir in unserem Alterszentrum ein gutes Miteinander mit klaren Verantwortlichkeiten, kooperativem Verhalten und einem vertrauensvollen Klima.»

Wenig Genugtuung dabei

Für die beiden gekündeten Mitarbeiter, sowie alle Mitarbeiter, die wegen den Missständen gekündigt haben, bedeuten die Freistellung von Daniel Bachmann und die Signale des Stiftungsrates eines: «Sie haben endlich eingestanden, dass die Kritik, die seit über drei Jahren angebracht wird, gerechtfertigt ist und dass es nicht so weitergehen kann.»

Viel Genugtuung sei allerdings nicht dabei. «Es war nie das Ziel der Pflegefachpersonen, Herr Bachmann loszuwerden.« Mit ihm persönlich hatten sie kein Problem gehabt, sondern mit der Art seiner Führung. «Wir wollten, dass er hinsteht und die Missstände angeht, zum Wohle der Mitarbeitenden und den Bewohnenden.»

Was genau den Ausschlag zu seiner Entlassung gegeben hat, darüber können die ehemaligen Mitarbeiter nur spekulieren. Aber sie wissen von aktuellen Mitarbeitern, dass «der vor drei Jahren angekündigte Entwicklungsprozess nie stattgefunden hat». Und dass mittlerweile eine weitere Mitarbeiterin Klage wegen unrechtmässiger Kündigung das Alterszentrum eingereicht hat.

Coronapandemie als Killerkriterium

Ob eine solche Klage vorliegt, will Stiftungsratspräsident Erich Züst nicht kommentieren. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation habe sich durch die Herausforderungen während der Corona-Pandemie sowie der Vergrösserung des Angebotes des Alterszentrums durch den Ausbau der Infrastruktur ergeben. «Die coronabedingten, zusätzlichen Belastungen haben ihr Übriges zum Entscheid beigesteuert», so Züst. Die Nerven der Angestellten und Bewohnenden würden nun schon seit über einem Jahr durch die spezielle Situation zusätzlich strapaziert und die Geschäftsleitung im besonderen Masse fordern.

«Das war kein Schnellschuss.»

Erich Züst, Stiftungsratspräsident

Der Entscheid, sich von Daniel Bachmann zu trennen, sei zudem nicht überstürzt gefällt worden. «Das war kein Schnellschuss. Wir haben die Situation durch eine externe Stelle untersuchen lassen und uns schon länger mit den nötigen Veränderungsschritten auseinandergesetzt», sagt Züst.

Um den Fakt, dass der Abgang des Geschäftsleiters von der Belegschaft verschieden aufgenommen wurde, macht er kein Geheimnis. «Nicht alle waren mit seiner Arbeitsweise einverstanden und manche halten diesen Schritt wohl für nötig. Andere bedauern zumindest menschlich den Entscheid.»

Interimslösung bereits gefunden

Zum noch hängigen Urteil und dem Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit den beiden ehemaligen Mitarbeitern könne er nicht weiter Stellung beziehen. «Wichtig ist jetzt, die Organisationsentwicklung unter Einbezug der Mitarbeiter – auch den unzufriedenen – weiterzutreiben und alle mit an Bord zu holen, damit die gewachsenen Herausforderungen gemeistert werden können.»

Bereits habe man mit Andreas Bolliger eine qualifizierte Interimslösung für die Geschäftsleitung gefunden. «Damit beginnen wir wie angekündigt den Erneuerungsprozess innerhalb der Organisation», sagt Erich Züst. «Der Betrieb läuft gut.»

Die ehemaligen Mitarbeiter hoffen weiterhin, dass es mit der Entlassung von Daniel Bachmann nun zu der Wende im Alterszentrum Sophie Guyer kommt, die sie sich schon vor Jahren gewünscht hätten. 

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