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Lunch-Talk mit Thomas Meier

Leben und arbeiten mit psychischer Beeinträchtigung

Betreute Wohnformen und eine breite Palette an Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigung:. Das bietet die Stiftung Vivazzo mit Sitz in Rüti.

Rico
Steinemann
Montag, 03. Mai 2021, 18:02 Uhr Lunch-Talk mit Thomas Meier
Vivazzo-Geschäftsführer Thomas Meier im Gespräch mit einer Bewohnerin seiner Stiftung und Lunchtalk-Moderator Stefan Nägeli.
Foto: PD

Seit 1989 gibt es die Stiftung für ganzheitliche Betreuung. Letztes Jahr wechselte die Institution, die in der Joweid in Rüti beheimatet ist, ihren Namen und heisst seither Vivazzo. Ein Wortspiel aus «vivaz», was lebendig bedeutet und «zo», der Abkürzung für das Zürcher Oberland.

Trotz dem neuen Namen, der von den Stichwörtern «Leben», «Sein», «Gestalten» begleitet wird: Noch immer widmet sich die Stiftung denselben Zielen, wie schon seit der Gründung vor über 30 Jahren. Menschen mit psychischer Beeinträchtigung finden durch sie im Zürcher Oberland Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten. Wie das genau funktioniert, erklärt Vivazzo-Geschäftsführer Thomas Meier im «Lunchtalk». Mit dabei ist auch Bernadette Marty, eine Bewohnerin der Stiftung in Hinwil.

«Wir sind für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung da. Die Stiftung ist ein Ort für Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung einen neuen Weg finden müssen. Wir unterstützen sie dabei», sagt Meier, der schon 21 Jahre für Vivazzo arbeitet, sechs Jahre davon als Geschäftsführer.

Die Klientel sei vom Mix her ähnlich wie früher. Was sich aber über die Jahre geändert habe, sei die Enttabuisierung psychischer Krankheiten, sagt der Geschäftsführer. «Man outet sich heute eher und sagt: ˂Ich habe eine psychische Beeinträchtigung.˃ Und das ist gut so.»

Insgesamt 120 Wohnplätze und 70 Arbeitsplätze bietet die Stiftung. Es gehe darum, eine breite Palette an Angeboten zu schaffen. Damit die Menschen wohnen, arbeiten oder einfach sein können. «Sie sollen einen erfüllten Alltag leben», so Meier.

Das bestätigt Bernadette Marty, die in einer 3er-WG mit zwei anderen Frauen in Hinwil wohnt.  Eine Betreuerin sei jeweils von Mittag bis am Abend anwesend. Marty schaffte nach einer langen Erkrankung den Einstieg in den zweiten Arbeitsmarkt durch die Hilfe der Stiftung «Das war sehr wichtig für mich», sagt Marty. Sie betont, wie sehr es ihr helfe, einen geregelten Alltag, eine Struktur, zu haben.

«Gerade wenn man etwas labil ist, muss man trotzdem aufstehen und arbeiten. Man kommt unter Leute und das ist wichtig zum Ablenken.» Marty arbeitet zurzeit in einem Web-Atelier. «Sie fördern mich und lassen mich mitreden, beispielsweise dann, wenn ich etwas entwerfen darf.»

Die Stiftung biete eine breite Palette an verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten, sagt Meier. «Von der Gärtnerei über die Schreinerei, dem Dienstleistungszentrum bis zum Bio-Bistro.» Es gehe darum, viele Möglichkeiten zum Teilhaben anbieten zu können, die den individuellen Ressourcen der Klienten gerecht würden und in die sie sich einbringen können. «Ansonsten ist der Alltag genau so wie Ihrer und meiner», sagt Meier mit Blick zu Lunchtalk-Moderator Stefan Nägeli.   

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