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Vorstoss im Kantonsrat

Oberländer Jungpolitiker wollen gratis Tampons in Schulen

Zwei linke Jungpolitiker der Region machen sich im Kantonsrat für bessere Menstruationshygiene an öffentlichen Schulen stark. Sie erhalten auch ältere Schützenhilfe von Mitteparteien.

David
Kilchör
Sonntag, 02. Mai 2021, 10:39 Uhr Vorstoss im Kantonsrat

Benjamin Walder aus Wetzikon erweist sich als höchst umtriebiger Kantonsrat. Der 23-jährige Grüne rückte erst vor etwas über einem Jahr für Hinwiler Nationalrätin Marionna Schlatter ins Kantonsparlament nach und hat dort seither bereits vier Vorstösse als Erstunterzeichner lanciert.

Die 21-jährige Dübendorfer Jungpolitikerin Leandra Columberg aus der SP könnte man als Pendant zu Walder aus dem Bezirk Uster betrachten - sie schaffte den Sprung allerdings schon bei den ordentlichen Erneuerungswahlen; und erweist sich seither als etwas weniger initiativ, zumindest hinsichtlich der Vorstösse. Zwei hat sie bislang erstunterzeichnet, sitzt aber ein halbes Jahr länger im Rat als Walder.

Seife und WC-Papier ja, OBs nein

Jedenfalls spannen die beiden in Walders jüngstem Vorstoss nun zusammen. Darin geht es um Menstruationshygiene an öffentlichen Schulen.

Braucht es gratis Menstruationshygieneprodukte in öffentlichen WCs?

Auswahlmöglichkeiten

Die beiden finden es widersinnig, dass elementare Hygieneprodukte wie Seife und Toilettenpapier in öffentlichen WCs, so auch an Schulen, bereits heute kostenlos zur Verfügung stehen, Produkte für die Menstruationshygiene aber nicht. «Hygieneprodukte während der Menstruation sind ein Muss», betonen die beiden im Postulat.

Doch die Menstruation sei halt ein Tabuthema, wenngleich rund die Hälfte der Bevölkerung «direkt davon betroffen ist, war oder sein wird». Die freie Verfügbarkeit von Hygieneprodukten nehme Frauen Stress und Bedenken wegen Blutflecken und unangenehmen Situationen.

Sogar Menstruationstassen?

Der Regierungsrat solle deshalb prüfen, wie in allen vom Kanton Zürich betriebenen öffentlichen Schulen kostenlose Menstruationshygieneprodukte zur Verfügung gestellt werden und ob wiederverwendbare Menstruationstassen ins Konzept integriert werden könnten. Ausserdem wollen sie wissen, wie sich das Thema der Menstruation noch stärker in den Schulunterricht einbauen lasse.

Der Kanton Zürich wäre allerdings eine Art Pionier mit Massnahmen dieser Art. Der Blick der Postulanten muss deshalb relativ weit in die Ferne wandern für einen Vergleich: Das Schottische Parlament dient dazu; dieses verabschiedete erst letzten Herbst eine kostenlose Bereitstellung von Menstruationsprodukten.

Wenigstens die Schulen

Walder und Columberg räumen ein, dass für gewisse Gesetzesänderungen wohl das nationale Parlament zuständig wäre, doch der Kanton solle zumindest tun, was er könne, um die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. Mit der Massnahme allein an öffentlichen Schulen sei das Problem natürlich nicht gelöst. Aber immerhin würde der Kanton einen Teil zu einer faireren Situation beitragen.

Die beiden Jungpolitiker aus der Region erhalten für ihr Postulat noch Schützenhilfe; unterzeichnet haben es neben der 40-jährigen stadtzürcher AL-Rätin Melanie Berner auch etwas ältere Kantonsrätinnen, namentlich Barbara Günthard Fitze (EVP, Winterthur, 64) und Janine Vannaz (Die Mitte, Aesch, 52).

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