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«Was für ein Schmarren»

Ustermer regen sich über neue Parkuhren auf

Die Stadtpolizei Uster hat auf dem Stadthausparkplatz zwei Parkuhren mit moderneren Exemplaren ersetzt. Dass die Ustermer nun neu ihr Kennzeichen eintippen müssen, kommt nicht gut an.

Tanja
Bircher
Dienstag, 23. März 2021, 12:55 Uhr «Was für ein Schmarren»

Rund ums Ustermer Stadthaus stehen seit Ende Februar neue Parkuhren. Und diese haben innerhalb eines Monats bereits den Volkszorn geweckt. In der Facebookgruppe «Du bisch vo Uster, wenn...» hat eine Userin einen kritischen Post dazu abgesetzt. Ihren Angaben zufolge «gönd die Dinger gar nöd». Vor allem für ältere Personen seien sie ein Horror. 

Das Problem stellt offenbar die Tatsache dar, dass Parkierende neuerdings ihr Kennzeichen auf dem Display der Parkuhr eintippen müssen. Viele Personen kannten aber ihre Autonummer nicht auswendig, schreibt die Frau. Diese müssten dann zuerst zurückkehren zu ihrem Wagen, um dort das Nummernschild entweder zu fotografieren oder die Zahlen niederzuschreiben («Supi, wennd kein Schrieber und Papier i de Täsche häsch»).

Kritik an der Stadt

Wieder am Ursprungsort angelangt, stehen gemäss der Ustermer Facebook-Nutzerin dann mindestens fünf andere Personen vor der Parkuhr, die ebenfalls überfordert seien. Unter ihrem Beitrag zanken sich zahlreiche andere Gruppenmitglieder über Sinn und Unsinn der neuen Technologie. Sie sprechen von «Schmarren», «Überwachungsstaat» und «Steuergelder», gemäss jemandem geht es dabei «nur um Gäld». 

Die Wut der Ustermer richtet sich vor allem gegen die Stadt: Ein Mann schreibt, Uster werde immer schlimmer. Laut ihm sollte das ganze Stadthaus geleert und neu besetzt werden. Eine Frau fühlt sich sogar schikaniert von der Stadt und fragt sich, weshalb man Bestehendes, das funktioniere, eigentlich ändern müsse.

Mehr neue Parkuhren geplant 

Aufgestellt wurden die Parkuhren von der Stadtpolizei Uster. Kommandant Andreas Baumgartner sagt, die zwei Parkuhren, die bis Februar auf dem Stadthausparkplatz in Betrieb waren, hätten nach Jahren im Einsatz ersetzt werden müssen, da der konkrete Anbieter seine für diese Parkuhren relevanten Dienstleistung eingestellt habe.

Aktuell wurden nur diese beiden Parkautomaten erneuert. Die Stadtpolizei Uster sei allerdings bestrebt, in Uster eine möglichst einheitliche technische Lösung umzusetzen. So würden in den kommenden Jahren weitere bestehende Parkplätze mit diesen Parkautomaten ausgerüstet. «Ziel ist es, den Nutzenden eine möglichst einfache und einheitliche Bedienung auf allen Parkflächen in Uster zu gewährleisten», so Baumgartner.

Stadtpolizei gibt Tipps

Den von der Facebook-Gruppe heftig kritisierten Aspekt stellt der Polizeikommandant denn auch als Pluspunkt dar: Dass der Autofahrer anstelle der durch ihn belegten Parkfeldnummer neu sein Autokennzeichen eintippen müsse, berge den Vorteil, dass er auch auf nicht markierten Parkplätzen kein Ticket im Fahrzeug hinterlegen müsse.

«Es ist nach der hier vertretenen Auffassung zumutbar, dass Fahrzeuglenkende sich das Kontrollschild des benützten Fahrzeuges für eine kurze Zeit merken können.»

Andreas Baumgartner, Kommandant Stadtpolizei Uster

Bezahlt werden könne sowohl mit Bargeld, als auch bargeldlos mit einer Parking-App (Parkingpay oder Twint). Die entsprechenden Hinweise sowie eine Bedienungsanleitung seien an den Parkautomaten angebracht.

Im Kommando der Stadtpolizei Uster seien bislang keine Feedbacks zu den neuen Parkautomaten eingegangen, die bereits an vielen anderen Orten wie in Rüti, Dübendorf, Greifensee und Effretikon in Betrieb sind, sagt Baumgartner. «Es ist nach der hier vertretenen Auffassung aber zumutbar, dass Fahrzeuglenkende das Kontrollschild des benützten Fahrzeuges kennen respektive es sich für eine kurze Zeit merken können.»

Die Stadtpolizei empfehle in diesem Zusammenhang, das Autokennzeichen beispielsweise auf ein kleines Papier aufzuschreiben und ins Portemonnaie zulegen, alternativ genüge ein Screenshot auf dem Handy. 

Hirntraining und Hilfe

Immerhin: Der Beitrag auf Facebook hat nicht nur negatives Echo ausgelöst. Jemand erinnert an das Hirntraining, das entstehe, wenn man sein Kennzeichen auswendig lernen müsse. Eine andere Person sagt, wenn man in der App die Autonummer einmal hinterlegt habe, stelle die Sache kein Problem mehr dar.

Ein Ustermer versucht sogar der Schlange vor der Parkuhr etwas Gutes abzugewinnen: So komme man immerhin in Kontakt mit den Leuten, während man einander helfe. «Wobei, Corona...»

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