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Impfzentrum fast in den Startlöchern

In der Wetziker Eishalle wird bald geimpft

Ab dem 7. April sollten sich Impfwillige in der Kunsteisbahn Wetzikon gegen das Coronavirus impfen lassen können. Im Eiltempo wird dort in diesen Tagen die nötige Infrastruktur aufgebaut.

Patrizia
Legnini
Dienstag, 23. März 2021, 18:27 Uhr Impfzentrum fast in den Startlöchern

Ein bisschen sieht es in der Wetziker Kunsteisbahn an diesem Dienstagnachmittag aus wie an einer Messe, die sich noch im Aufbau befindet. Hier stapeln sich Paletten, dort stehen PET-Sammelboxen nebeneinander. Handwerker ziehen elektrische Kabel und befestigen Klebeband auf dem Boden, damit der Teppich nicht wegrutscht. Schneeweisse Stellwände definieren Gänge und Aufenthaltsräume.

Noch fehlen die Wegweiser und Beschriftungsschilder, und erst in den nächsten Tagen werden 250 schwarze Stühle sowie Liegen, Computer, Kühlschränke und Büromobiliar auf die Räume verteilt. Auch ein paar Blumentröge mit Pflanzen sollen geliefert werden. Zu einem behaglichen Ort werden sie die Eishalle nicht machen, alles wirkt kalt und steril – und steril soll es hier drin auch sein.

Zuerst das Eis abgetaut

Seit Montag sind Messebauer und andere Handwerker damit beschäftigt, die Kunsteisbahn in ein COVID-19-Impfzentrum umzubauen. Die Eismeister hatten zuvor das Eis abgetaut und die Banden entfernt. Fertig sind die Männer mit ihrer Arbeit noch nicht.

«Ich rechne damit, dass nächsten Montag alles steht», sagt Andreas Künzli an einer Medieninformation vor Ort. Der Geschäftsführer der Züri Oberland Mäss ist im Impfzentrum für den Aufbau der ganzen Infrastruktur verantwortlich.  

Video: Simon Grässle

Das Wetziker Impfzentrum ist eines von insgesamt elf im Kanton. Nach Ostern, also ab dem 7. April, soll darin eine der grössten Impfaktionen vonstattengehen, die man je gesehen hat. Wie die Gesundheitsdirektion gestern mitteilte, werden im April rund 330'000 Impfdosen erwartet, mit denen 165'000 Personen geimpft werden können.

Ein Grossteil der Liefermenge wird aber wohl erst Ende des Monats eintreffen und kann erst im Mai verimpft werden. Impfwillige Personen ab 65 Jahren können sich ab Montag auf der Plattform www.zh.ch/coronaimpfung für die Impfung registrieren. Personen ab 75 Jahren können direkt einen Termin buchen.

Bis 1000 Impfungen pro Tag

«Unsere Aufgabe, ist es, bereit zu sein, wenn der Impfstoff geliefert werden kann. Und das sind wir auch», sagt der Gossauer Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP). Er gehört zusammen mit dem Wetziker Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht (EVP) und Matthias Spielmann, CEO des GZO Spitals Wetzikon, zum Lenkungsausschuss, der die Projektorganisation für das Impfzentrum bei der Kunsteisbahn festgelegt hat. Betrieben wird das Impfzentrum von der Stadt Wetzikon, der Gemeinde Gossau und dem GZO Spital gemeinsam.

«Das ist aber keine ärztliche Sprechstunde. Wir haben im Impfzentrum keine Zeit, um grössere Abklärungen zu machen.»

Jan-Peter Jorisch, Bezirksarzt

Zwischen 400 und 1000 Impfungen sollen in der Eishalle Wetzikon pro Tag verabreicht werden können – an Personen aus dem Zürcher Oberland, aber auch aus dem ganzen Kanton. Das ist weniger als in Winterthur und Zürich, aber mehr als in Dietikon, Horgen oder Affoltern am Albis, wo die Kapazität für bis zu 600 Impfungen reicht. 

Bezirksarzt Jan-Peter Jorisch, dem die ärztliche Leitung über das Impfzentrum obliegt, rechnet damit, dass dieses schon in den allerersten Tagen gut besucht sein wird.

30 Minuten müssen reichen

Dem langen Warten auf den Impfstoff zum Trotz: Wer erst mal einen Termin fürs Impfen bekommen hat, der muss für den Besuch in der Eishalle dann nur noch wenig Zeit einberechnen. «In 30 Minuten sollte man wieder draussen sein», sagt Jorisch.

Nach der Zutrittskontrolle vor der Halle begeben sich die Impfwilligen zum Empfangsschalter, wo sie ihre Identitätskarte und die Versicherungskarte vorweisen müssen. Danach geht’s weiter in eine Kabine zu einem kurzen medizinischen Gespräch.

«Das ist aber keine ärztliche Sprechstunde. Wir haben im Impfzentrum keine Zeit, um grössere Abklärungen zu machen. Darum müssen Risikopatienten vor dem Besuch bei uns medizinische Fragen vorgängig mit ihrem Hausarzt oder einem anderen behandelnden Arzt geklärt haben», sagt Jorisch.

In einem Warteraum warten die Impfwilligen danach, bis ihre Nummer aufleuchtet, bevor es dann zum Impfen geht. Aufbereitet werden die Spritzen in einem geschlossenen Raum mit verschiedenen Durchreichen in der Mitte der Halle. Als einziger weist er eine schwarze Wand auf. «Der dunkle Hintergrund hilft dem Personal, zu überprüfen, ob die Spritze luftleer gefüllt ist», so Jorisch. 

In den letzten 15 Minuten müssen sich die Impfwilligen zur Beobachtung in einem Wartebereich gedulden. «In den meisten Fällen passiert nichts. Aber es kann auch vorkommen, dass es jemandem schwindlig wird oder dass jemand hyperventiliert, weil er gestresst ist. Dafür gibt es gleich daneben ein Notfallzimmer.»

Das meiste Personal ist rekrutiert

Dass das Impfzentrum in der Eishalle errichtet wird und nicht etwa im Spital, hat einerseits mit der «verkehrstechnisch idealen» Lage der Halle zu tun. Darüber hinaus habe man «die angespannte personelle und räumliche Situation im Spital GZO» nicht weiter strapazieren wollen, wie Rüfenacht erklärt.

Das Spital selbst habe keine Räumlichkeiten, die für bis zu 16 Impfstrassen taugen. «Es hätten zusätzliche befristete Bauten wie beispielsweise Zelte errichtet werden müssen», sagt Kündig. Das Spital leiste aber «wertvolle Unterstützung», die Zusammenarbeit sei ausgezeichnet.

Ein Besuch im Impfzentrum sollte nicht länger als 30 Minuten dauern. (Bild: Christian Merz)

Schon beim Start in der Eishalle werden täglich etwa 55 Mitarbeitende im Einsatz stehen. Matthias Pfammatter, dem die operative Gesamtleitung des Impfzentrums obliegt, rechnet damit, dass sich die Zahl bei voller Auslastung dann auf rund 70 Personen erhöht. Unter ihnen sind Ärztinnen und Ärzte, medizinische Praxisassistentinnen und Pflegefachpersonen, aber auch Empfangsmitarbeitende, IT-Spezialisten, Logistiker, kaufmännisches und noch anderes Personal.

«Die leitenden Stellen sind besetzt, und für die ersten Betriebswochen ist auch das weitere Personal rekrutiert. Wir werden die Personen vor Ostern aufbieten», sagt Pfammatter.

Auch die Rekrutierung der übrigen Mitarbeitenden sei in vollem Gange. Man arbeite dafür mit einem von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich zugelassenen Personalvermittler zusammen, so Pfammatter.

Keine Probleme mit Ärzten

Im Zusammenhang mit der Entschädigung des medizinischen Personals hat die Rekrutierung der Ärzte für die Impfzentren in den letzten Wochen für Schlagzeilen gesorgt: Mehrere hochrangige Ärzte hatten kritisiert, dass von der Gesundheitsdirektion offenbar vorgesehen war, Assistenzärzte dort mit 52 Franken pro Stunde und leitende Ärzte mit 110 Franken pro Stunde zu entlöhnen. Mit diesem Ansatz Ärzte aus Praxen zu gewinnen, dürfte schwierig werden, so der Tenor.

«Wir haben sehr flexible Mitarbeitende gefunden, die kurzfristig verfügbar sind.»

Matthias Pfammatter, operativer Gesamtleiter

In Wetzikon gab es diesbezüglich offenbar keine Probleme: «Beim Start benötigen wir zwei Ärzte im Impfzentrum. Und diese beiden Stellen sind besetzt», sagt Pfammatter. «Wir spüren eine grosse Bereitschaft beim medizinischen Personal, diese Aufgabe übernehmen zu wollen.»

Ausserdem setzt man in Wetzikon gar nicht in erster Linie auf Hausärzte: «Wir wollen vermeiden, dass sie aus ihren vollen Praxen geholt werden.» Schliesslich würden Hausärztinnen und Hausärzte zurzeit auch die älteren Personen und Personen der Risikogruppen beraten und impfen.

Aufgrund der kurzfristigen Verfügbarkeit von Impfdosen und den angemeldeten Impfwilligen ist die Personalplanung gemäss Pfammatter dennoch eine Herausforderung. Ihm zufolge ist ein Projektteam seit sechs Wochen «ununterbrochen an der Arbeit», damit diesbezüglich alles klappt. «Wir haben sehr flexible Mitarbeitende gefunden, die kurzfristig verfügbar sind», sagt er. «Für die Impfungen können sich Impfwillige über die zentrale Buchungsplattform des Kantons Zürich anmelden. So wissen wir genau, wann wir wie viele Mitarbeitende benötigen, und können sie entsprechend einteilen.»

Das Personal für die ersten Betriebswochen im Wetziker Impfzentrum ist rekrutiert. Trotzdem können sich weitere Interessierte über die Website www.impfenwetzikon.ch beim Personaldienstleister bewerben.

Auch in Uster geht es vorwärts

Das Impfzentrum Uster hat ebenfalls bereits mit der Einrichtung der Dreifachturnhalle auf dem Buchholzareal begonnen. Auf Facebook schreibt das Spital Uster: «Mit Hochdruck arbeitet ein fünfköpfiges Bau-Team gerade am Aufbau des Impfzentrums.» Die Halle auf dem Sportareal verfüge bereits über einen neuen Bodenbelag und neue Aussenwände.


Für die Orientierung hingen schon einige Hinweisschilder von der Decke. Als nächstes steht der Bau der Empfangsdesks, der Impfkabinen und der Wartezonen an. Konkretere Informationen folgen am 31. März an einer Medienkonferenz vor Ort. (tac)

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