Wetziker holt Heavy Metal- und Rock 'n' Roll-Bands auf Bodenseefähre

Früher organisierte Daniel Oppliger Sportfanreisen nach Südafrika oder Brasilien. Jetzt erwartet der Wetziker Heavy Metal-Bands aus halb Europa an einem Anlass, der Ende April auf dem Bodensee stattfinden soll. Noch lieber wäre ihm aber das Mittelmeer.

Der Frust bei den Konzertveranstaltern sitzt tief: Die einen haben ihre Openair-Festivals für dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie bereits wieder abgesagt – so etwa die Organisatoren des «Rock the Ring» in Hinwil, das Mitte Juni im Betzholzkreisel hätte stattfinden sollen. Die anderen planen weiter, wenn auch mit angezogener Handbremse. Denn wegen den langen Vorlauf- und Planungszeiten rennt vielen die Zeit davon.

Im Moment sieht es danach aus, dass ab dem 22. März wieder Konzerte stattfinden können – draussen gälte eine Obergrenze von 150 Personen. Doch können Künstler aus dem Ausland überhaupt in die Schweiz reisen? Und wie werden in ein paar Wochen die Vorgaben vom Bund sein?

Daniel Oppliger aus Wetzikon hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, im Gegenteil. «Wir sind fest am Planen», sagt er. «Und wir denken, dass es mit den entsprechenden Auflagen klappen kann.» Der 53-jährige Wetziker, der erst letztes Jahr ins Zürcher Oberland gezogen ist, organisiert mit seinem Team zwei Musik-Veranstaltungen: Ein Metal Weekend, das schon Ende April stattfinden soll, und ein Rock n’ Roll-Weekend, das für Ende Juni geplant ist. «Das Line-up für beide Anlässe steht», sagt Oppliger.

Während im Juni unter anderem eine Frauenrockband aus Schweden mit dabei ist, stehen im April Konzerte von Heavy Metal- und Trash-Bands aus Deutschland, Ungarn, Österreich und der Schweiz auf dem Programm – sechs Konzerte sollen insgesamt an den zwei Tagen über die Bühne gehen, und zwar nicht auf festem Boden in der Region, sondern auf einer Fähre, die in Romanshorn ablegt. «Eigentlich würden wir gerne 450 Leute aufs Schiff bringen», so Oppliger.

«Eigentlich würden wir gerne 450 Leute aufs Schiff bringen.»

Daniel Oppliger, Veranstalter

Die «Swiss Rock Cruise» findet nicht zum ersten Mal statt. Die Premiere konnte Oppliger im vergangenen Oktober durchführen, wegen Corona allerdings «unter sehr schwierigen Umständen», wie er sagt. Ein weiteres Problem war, dass drei Wochen zuvor auf derselben Bodenseefähre zwei grosse Technopartys stattgefunden hatten, wo um die 700 Feierfreudige ohne Maske feierten. Der Veranstalter wurde in der Folge von den Thurgauer Behörden verzeigt, in der Öffentlichkeit echauffierten sich viele über die Feierlaune der Gäste auf der «MF Euregia». Die Negativschlagzeilen über den anderen Veranstalter kamen für Oppliger zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Ein Bündel Tickets

Auf eine Maskenpflicht verzichtete dann aber auch er anlässlich des ersten «Swiss Rock Cruise-Weekends». In seinem Schutzkonzept, das er mit den Behörden des Kantons Thurgau erarbeitet hatte, setzte er stärker auf Social Distancing. «Mit etwa 120 Personen pro Tag hatten wir etwas weniger Publikum an Bord als erhofft. Die Corona-Zahlen waren am Steigen, die Leute hatten Angst. Nur eine Woche später hätten Konzertbesucher aus Deutschland gar nicht mehr einreisen können, und wir hätten die Fahrt aufgrund der behördlichen Bestimmungen abblasen müssen.»

Die Stimmung auf der Fähre sei dann trotz allem grossartig gewesen. Während es auf dem Oberdeck Sitzplätze und Verpflegungsmöglichkeiten gab, spielten die Hauptacts auf dem Fahrbahndeck. «Wir konnten die Crème de la Crème der Schweizer Rockszene aufbieten.» Als Special Guest war Marc Storace, der Sänger der Schweizer Rock-Band Krokus, zugegen.

Mit seinen langen blonden Haaren, den zerrissenen Jeans und der tiefen, rauchigen Stimme könnte man auch Oppliger glatt für einen Rockmusiker halten. Eine Gitarre habe er schon zu Hause, sagt er. «Aber ich klimpere nur ein bisschen auf ihr herum, wie andere unter der Dusche singen.» Lange war die Musik denn auch einfach sein liebstes Hobby: Als «Hardcore-Konsument» von Heavy Metal- und Rock’n Roll-Musik schwärmte er sein Leben lang für Motörhead, für Judas Priest, Iron Maiden, Black Sabbath, Led Zeppelin und AC/DC, und bis letztes Jahr tingelte er auch an alle anderen Konzerte und Festivals, die in sein Spektrum passen. Fast fünf Zentimeter dick ist ihm zufolge das Bündeli von ungebrauchten Konzerttickets, das er zu Hause hat. Die Tickets hatte er bereits gekauft, sie letztes Jahr aber nicht einlösen können.

«Am liebsten habe ich natürlich die einsamen Strände. Solche, an denen man die Muscheln klimpern hört.»

Daniel Oppliger, Veranstalter

Beruflich war Oppliger, der gelernte Kaufmann und dreifache Vater, in einer Speditionsfirma und danach im Tourismus tätig. Während zehn Jahren hat er selbständig Sportfanreisen geleitet: Er reiste an die Fussball-WM nach Südafrika, Brasilien oder Russland, genauso wie an die Qualifikations-Spiele der Schweiz, etwa auf den Faröer-Inseln. Und so lag es irgendwann nahe, das Reisen mit der Musik zu verbinden.

Mit den Rockstars in die Karibik

Abgesehen von der Musik liebt Oppliger auch das Meer. «Ich war immer gerne am Meer, es bedeutet mir viel», sagt er. «Am liebsten habe ich natürlich die einsamen Strände. Solche, an denen man die Muscheln klimpern hört.» Er lacht. Dass das Meer ständig ein bisschen in seinem Hinterkopf rauscht, merkt man auch daran, wie er spricht: «Wir wollen die ganze Region mit ins Boot holen», sagt er. Oder: «Dass wir im März die Segel streichen mussten, war ein schwerer Schlag.»

Die Rundfahrt auf dem Bodensee vom Oktober war nämlich eine Alternativlösung. Ursprünglich hatte er für den März letzten Jahres eine Kreuzfahrt mit Rockmusik im Mittelmeer geplant, nach dem Vorbild der «Monsters of Rock Cruises», die zwischen Miami und der Karibik durchgeführt werden und von denen er selber schon mehrere miterlebt hat. «Man ist da fünf Tage auf See, sitzt mit den Musikern zusammen an der Bar. Eine sehr coole Sache», so Oppliger. Um die Promo-Trommel für die eigene Cruise zu rühren, wäre er mit seinem Team und Kollegen monatelang auf verschiedenen Rockfestivals in Europa unterwegs gewesen.

Dass die Cruise, die in Genua mit rund 2500 Leuten hätte starten sollen, am Ende nicht stattfinden konnte, hat ihn eine Weile betrübt. «Aber sobald eine gewisse Planungssicherheit besteht, werden wir das Projekt wieder aufnehmen.»

Trotzdem haben Oppliger und seine Leute sich bald nach Möglichkeiten umgesehen, die Cruise auf einem Binnengewässer im Lande durchzuführen. Und bei der Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH seien sie zum Glück sofort auf offene Ohren gestossen. «Der Anlass ist auch für den Tourismus interessant. Innerhalb von zwei Wochen hatten wir die Bewilligung.»

Mit den «Swiss Rock Cruises» wollen sie nicht zuletzt ein Zeichen zur Unterstützung der lokalen Musikindustrie, von Künstlern und Technikern, aber auch der lokalen Hotels, der Restaurants und der Schifffahrt setzen. Dass Oppliger mit allen Partnern schon im vergangenen Herbst Corona-Klauseln aushandeln konnte, kommt ihm auch jetzt zugute. «Das Risiko, im dümmsten Fall auf enormen Kosten sitzen zu bleiben, ist klein. Sie legen uns da zum Glück keinen Strick um den Hals.»

Autor: Patrizia Legnini
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