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21-jähriger Ustermer

Er kreierte im Keller der Eltern heimlich ein Modelabel

Der Ustermer Alessio Iannattone beeinflusst auf Instagram den Stil vieler Menschen. Nun möchte der 21-Jährige mit einem eigenen Modelabel durchstarten. Angefangen hat alles mit einem Schulprojekt.

Deborah
von Wartburg
Montag, 15. März 2021, 16:14 Uhr 21-jähriger Ustermer

Alessio Iannattone blickt den Besuchern seines Instagram-Profils ernst entgegen. Immer in andere Outfits gehüllt, mal vor einer weissen Steinwand, mal posierend auf den Strassen Mailands. 246‘000 Menschen haben den Kanal «ianna27» abonniert und lassen sich in ihrem eigenen Stil von dem 21-Jährigen inspirieren.

Im realen Leben wirkt Iannattone zugänglicher. Herzlich empfängt er Besucher in seinem Studio in Uster. Als eine einzelne Neonröhre das Kameralicht stört, steigt er schnell auf einen Stuhl und schraubt sie heraus.

Erste eigene Kollektion

Iannattone ist das, was man heutzutage als «Influencer» bezeichnet. Im Jahr 2019 setzte Unicef ihn auf die Liste der «20 unter 21-jährigen Schweizer Meinungsmacher». Manchmal sind seine Fotos auf Instagram von Kleidermarken gesponsert. Leben kann er davon aber nicht. Er arbeitet zu 100 Prozent als Personalberater.

Vielleicht wird er bald indirekt aber doch finanziell von seinem Instagram-Profil profitieren können. Der Ustermer, der seit einem Monat in Bauma lebt, hat nämlich im Februar ein eigenes Modelabel erschaffen. «Mariggi» heisst es und umfasst bisher eine Winterkollektion, die sowohl Männer, als auch Frauen tragen können. Die Kleidung ist in schwarz/weiss und im sogenannten «Oversize»-Look gehalten. Den Stil bezeichnet Iannattone als «Streetstyle».

Alles via Youtube beigebracht

Für Mode habe er sich schon immer interessiert. «In der Schule, im Krämeracker, mussten wir ein Projekt machen.» Mit einem Freund produzierte er eine Art Mode-Fotoalbum. «Das hat mir so viel Spass gemacht, dass ich nach dem Projekt auf Instagram weitergemacht habe.»

Mit den Abonnenten stieg der Anspruch. «Ich kaufte eine gute Kamera und brachte mir das Bearbeiten der Fotos und Videos via Youtube bei.» Um mehr Follower zu bekommen, habe er Profile mit vielen Abonnenten angeschrieben und um eine Veröffentlichung seines Bildes auf ihrer Seite gebeten. «Das hat sehr gut funktioniert.»

«Man denkt immer, Influencer zu sein, ist ein Schoggijob›», so der Jungunternehmer. Doch hinter jedem Foto stecke Arbeit und vor allem viel Zeit. «Ich muss mir ein Outfit überlegen, einen guten Ort auswählen, mit dem Fotoequipment dahinfahren und anschliessend das Bild bearbeiten.»

Persönliche Meinung auf Instagram: «heikel»

Seit sechs Jahren ist Alessio Iannattone bereits auf Instagram registriert. In seinem Profil beschränkt er sich strikt auf Mode. Niemals würde er ein privates Foto posten oder seine persönliche Meinung äussern.

«Auf Instagram wird man schnell falsch verstanden und dann landet man auf einer schwarzen Liste.»

Alessio Iannattone

«Da halte ich mich bewusst zurück. Das ist auf Instagram heikel. Es passiert schnell, dass man falsch verstanden wird und dann landet man auf einer schwarzen Liste.» Dadurch, dass er kaum etwas von sich preisgebe, bekomme er auch weniger Hasskommentare als andere Influencer. 

Nach sechs Jahren «hat mans gesehen»

Iannattone wirkt für sein junges Alter sehr zielstrebig. Wenn es um Mode geht, sogar fast schon perfektionistisch: Als er ein T-Shirt in die Kamera hält, sagt er: «Stopp» und klaubt liebevoll einen kleinen Fusel vom Shirt.

Für seine Freundin ist diese Fixierung auf Mode am Anfang nicht einfach gewesen. «Ich dachte, nach ein paar Monaten nimmt das dann etwas ab», sagt Estela Eiras. Aber die Leidenschaft blieb. Und die Freundin auch. «Es war gut, dass Alessio mich von Anfang an mit einbezogen und bei Designs nach der Meinung gefragt hat.»

Modelabel erst geheim gehalten

Kürzlich hat Iannattone sein eigenes Modelabel «Mariggi» veröffentlicht. Entstanden ist die Linie im Keller seiner Eltern. Zuerst habe er sie vor ihnen geheim gehalten. Er wollte sie mit dem Endprodukt überraschen. Er hat sein Label nämlich - als Hommage an seinen Grossvater - nach dessen Heimatdorf Palmariggi benannt.

«Mariggi» ist auch eine Hommage an Iannattone's Grossvater. (Foto: Christian Merz)

Ein zweiter Grund für die Geheimhaltung sei gewesen, dass er «nicht diskutieren» wollte. «Ich habe mein gesamtes Erspartes in das Label gesteckt und meine Eltern finden, ich solle mein Geld besser sparen.» Sie seien halt so. «Aber ich sehe mehr Sinn darin, mein Geld in einen Traum zu investieren, als es anzuhäufen, bis zum Tag X, wenn ich gehe.» Er klopft mit den Fingerknöcheln auf den Holztisch vor sich.

«Die Qualität der italienischen Produzenten war nicht, wie ich es erwartet hatte.»

Alessio Iannattone

Die ersten Investitionen ins Label seien für ihn mit viel Nervenaufrieb verbunden gewesen. «Ich wollte unbedingt in Italien produzieren, weil es ja auch ein italienisches Label ist.» Dort habe Iannattone aber immer wieder Ärger gehabt. «Ich musste viel diskutieren und die Qualität war nicht, wie ich es erwartet hatte.»

Nun sei er im Gespräch mit verschiedenen Produzenten, auch in China. «Die sind in der Textilproduktion weiter als wir in Europa.» Es sei ihm aber wichtig, dass sein Label die Umwelt nicht zu sehr belaste und dass es bei der Produktion keine Kinderarbeit gebe. «Ich bin noch am Recherchieren, wer für mich der beste Partner ist.»

Traum vom Designerleben

Seine erste Kollektion stösst bereits auf Interesse. «Am Anfang kamen wir mit den Bestellungen kaum nach.» Es könne gut sein, dass er bald jemanden beschäftigen müsse, der ihm mit dem Vertrieb hilft. Freundin Estela sagt: «Alessio hofft schon, dass er eines Tages davon leben kann. Designer zu sein, ist sein Traum.»

Der Träumer spricht aber lieber über die nahe Zukunft: «Ich sitze bereits an der Frühlingskollektion. Sie wird einen Übergang von den Winterfarben zu helleren Pastelltönen im Sommer bilden.» Verkaufsreif soll diese etwa Ende April sein.

Mehr Infos finden Interessierte unter www.mariggi.com.

Moderation: Deborah von Wartburg, Video: Paulo Pereira

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