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Bei der Staatshaftungsklage geht es um die Haftbedingungen im Gefängnis Pfäffikon Ende 2016 bis Anfang 2017. Archivfoto: PD

«Carlos» über Pfäffiker Haftbedingungen

Der junge Straftäter geht aufgrund unmenschlicher Behandlung im Gefängnis Pfäffikon vor Gericht.

Bei der Staatshaftungsklage geht es um die Haftbedingungen im Gefängnis Pfäffikon Ende 2016 bis Anfang 2017. Archivfoto: PD

Veröffentlicht am: 11.03.2021 – 08.34 Uhr

Der als «Carlos» bekannt gewordene junge Straftäter klagt gegen den Kanton Zürich. Er verlangt wegen unmenschlicher Haftbedingungen 40'000 Franken. Heute Donnerstag wird der Fall vor dem Zürcher Bezirksgericht verhandelt.

Bei der Staatshaftungsklage geht es um die Haftbedingungen im Gefängnis Pfäffikon Ende 2016 bis Anfang 2017, wie Anwalt Markus Bischoff eine Meldung von 20min.ch vom Dienstag bestätigte.

Wegen der Haftbedingungen hatte es eine Administrativuntersuchung gegeben. Diese stellte fest, dass Brian, wie der junge Mann richtig heisst und genannt werden will, in der Untersuchungshaft «objektiv diskriminierend und erniedrigend» behandelt worden sei. Der Gefängnisleiter musste als Folge davon seinen Posten räumen.

Ungeplante Rede vor Gericht

«Man wollte mich mit Härte brechen. Aber das machte alles nur schlimmer», sagte «Carlos» in seiner kurzen Ansprache. Dass er selber ans Rednerpult stand, war eigentlich nicht so geplant. Der Richter liess es aber zu, weil sich «Carlos» sehr aufregte.

Einzelhaft habe schlimme Auswirkungen auf Menschen, sagte «Carlos» in seiner kurzen Verteidigungsrede. Nur schon diese pinke Zelle. «Da wird man wahnsinnig.» Die Vorwürfe des Kantons seien komplett falsch.

Zwanzig Tage lang wurde «Carlos» in einer Zelle ohne Matratze untergebracht. Kleider durfte er nicht tragen, weil er damit die Toilette verstopft und die Zelle geflutet hätte. Er musste die Zeit nur mit einem Poncho bekleidet, ohne Unterwäsche, verbringen.

Das Duschen wurde ihm verweigert. Eine Zahnbürste durfte er erst nach zehn Tagen nutzen, weil er diese als Waffe hätte benutzen können. Zu essen erhielt der junge Straftäter ausschliesslich belegte Brote, weil er kein Geschirr haben durfte.

«Hier geht es um Grundrechte»

Für den Anwalt von «Carlos» ist klar, dass der Kanton die Bundesverfassung und die Menschenrechtskonvention verletzt hat. «Wer das Gewaltmonopol hat, muss Minimalstandards einhalten. Hier geht es um Grundrechte.» «Carlos» sei ja wohl nicht der erste Straftäter, der sich renitent verhalte. Damit müsse der Kanton umgehen können.

Der Anwalt des Kantons Zürich sagte in seinem Plädoyer, dass es «Carlos» selber in der Hand gehabt hätte, sich «endlich einmal korrekt zu verhalten». Dann wären Duschen und Hofgänge erlaubt gewesen. Das sei aber nicht gegangen, weil er alle angegriffen habe.

In dieser Zeit im Gefängnis Pfäffikon sei «Carlos» nicht ansprechbar gewesen, sagte jedoch der Anwalt des Kantons. Er habe gedroht, jeden umzubringen, der seine Zelle betrete. «Seine Zerstörungswut war grenzenlos.» Diese Haftungsklage sei deshalb fehl am Platz.

Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht geht es laut Anwalt darum, dass das Unrecht festgestellt wird und um eine Entschädigung von 40'000 Franken.

Der Entscheid, ob der junge Straftäter 40'000 Franken Genugtuung wegen unmenschlicher Haftbedingungen erhält, wird nicht mehr am Donnerstag eröffnet. Wann das Urteil vorliegt, ist offen.

Erneuter Gerichtstermin im Mai

«Carlos» war durch einen SRF-Dokumentarfilm im Sommer 2013 landesweit bekannt geworden. Nach der Ausstrahlung entflammte eine hitzige Diskussion darüber, wie teuer die Behandlung junger Straftäter ist. Besonders zu reden gab sein «Sondersetting» mit Thaibox-Training, das schliesslich abgebrochen wurde.

Im Mai steht « Carlos » erneut vor Gericht: Dann muss er sich vor Obergericht wegen Angriffe auf Gefängnis-Mitarbeitende verantworten. Der 25-Jährige, der seit seiner Kindheit negativ auffiel, sitzt aktuell in der Strafanstalt Pöschwies in Sicherheitshaft.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text erschien erstmals im Frühling 2021. Anlässlich des Revisionsprozesses vor dem Zürcher Obergericht bezüglich der Rechtmässigkeit der Fixation von Brian über mehrere Tage wurde dieser Artikel im Rahmen eines Themenschwerpunkts nun erneut publiziert. Den neuesten Stand im aktuellen Gerichtsfall finden Sie hier.


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