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Wer hat ihn gemacht?

Riediker Vereinspräsident erweckt mysteriösen Wegweiser zum Leben

Weil er das Ortsbild verschönere, hat der Riediker Vereinspräsident einen alten Wegweiser neu bemalt und wieder aufgestellt. Doch der bunte Pfahl gibt Rätsel auf: Obwohl ihn alle kennen, weiss niemand etwas über seine Vorgeschichte.

Tanja
Bircher
Montag, 01. März 2021, 15:23 Uhr Wer hat ihn gemacht?
Dieser Wegweiser steht bereits seit 70 Jahren im Pärkli in Riedikon. Nun hat ihn der Vereinspräsident auf Vordermann gebracht.
Foto: PD

Während vieler Jahre stand er einfach da, im Riediker Pärkli direkt am Radweg, der um den Greifensee führt: der schwarze Pfahl mit den farbigen Fabelwesen. Für die Anwohner sei er ein Wahrzeichen, sagt Ortspräsident Enrico Müller. Doch wie das Kunstwerk ausgerechnet auf diese Wiese in der Aussenwacht Usters gelangte und wie sein Macher hiess, ist unklar.

Müller sagt: «Die ganze Vorgeschichte kenne ich nicht.» Nur so viel wisse er zu erzählen: Der Pfosten sei von einem Maler und Bildhauer aus Mönchaltdorf kreiert worden. Vor 30 oder vielleicht auch vor 50 Jahren habe man ihn als Wegweiser im kleinen Stück Grün neben der viel befahrenen Riedikerstrasse aufgestellt. Irgendwann habe das Bauamt Uster den Pfahl mitgenommen und bei sich deponiert. «Wieso auch immer.»

Selbst überrascht vom Ergebnis

Vor rund zehn Jahren habe sich der Ortsverein Riedikon dafür eingesetzt, dass der bunte Wegweiser wieder aufgestellt werde und habe selbst neue Tafeln angebracht, die Richtung Rom, Budapest und Berlin zeigen. «Mittlerweile war er aber in die Jahre gekommen und sah nicht mehr gut aus.» Deswegen sei kürzlich die Zeit gekommen für eine Renovation.

Müller legte gleich selbst Hand an. Er montierte den Pfahl ab und nahm ihn nach Hause zur Überarbeitung. «Ich habe es versucht. Ich kann so was eigentlich nicht – eine künstlerische Ader habe ich nicht. Wir vom Ortsverein sind selbst überrascht, wie schön und lässig er jetzt aussieht.» 

Von Riedikern vermisst

Die Stadt Uster habe sich auf seine Anfrage hin bereit erklärt, die Kosten für die Farben zu übernehmen. In einer Farbzentrale in Uster und beim Maler, der sein Haus bemalt hatte, holte sich Müller die nötige Beratung.

In seiner Werkstatt hat der Ortsvereinspräsident von Riedikon den 70-jährigen Wegweiser restauriert. (Foto: PD)

Um den neuen Anstrich wetterfest zu machen, habe er mit einem doppelten Grundanstrich begonnen und den Pfosten am Ende zweimal mit wasserabweisender Farbe behandelt. Die anderen Farben sollten laut Müller UV-beständig sein und nicht gleich ausbleichen.

«Es geht mir nicht darum, mich in den Vordergrund zu stellen. Ich möchte einfach, dass unser Pärkli wieder schön aussieht.»

Enrico Müller, Riediker Ortsvereinspräsident

Bei der Bemalung der einzelnen Elemente habe er versucht, so nahe am Original zu bleiben wie möglich. Drei Monate habe er insgesamt an dem Kunstwerk gearbeitet.

Wieso er derart viel Aufwand in einen Holzpfahl investiere, dessen Hintergrund ihm unbekannt ist, habe mit seiner Liebe für das Riediker Ortsbild zu tun. «Es geht mir nicht darum, mich in den Vordergrund zu stellen. Ich möchte einfach, dass unser Pärkli wieder schön aussieht.»

Am Samstag hat der Ortspräsident den Wegweiser wieder an seinem alten Platz aufgestellt. «Seither sehe ich viele Leute, die innehalten und ihn fotografieren.» Von den Riedikern sei er vermisst worden, da ist sich Müller sicher. 

Auch Alteingesessene rätseln

Für mehr Informationen zum Pfahl verweist der Vereinspräsident an den Ustermer Alt-Stadtrat Hans Streit. Dieser sagt, vor 20 Jahre hätte er vielleicht noch etwas gewusst. Heute seien die Informationen aber weg. Man solle doch bei einem alteingesessen Riediker anklopfen: Urs Streit im Bergli. Verwandt seien sie übrigens nicht.

Urs Streit im Bergli sagt, er könne sich noch gut an den Wegweiser erinnern. «Der stand schon da, als ich noch in die Sonntagsschule ging.» Er schätze, dass er wohl Anfang der 50er-Jahre aufgebaut worden sei. Von wem, wisse er aber auch nicht.

Damals habe sich die grosse Hauptkreuzung noch direkt am Pärkli befunden. Der Zweck des Pfostens sei daher sicher jener eines klassischen Wegweisers gewesen. «Er war noch mit Nossikon, Uster, Niederuster und Mönchaltdorf angeschrieben.» Zuvor habe auf der Wiese ein Bauernhof gestanden, der dann irgendwann abgerissen worden sei.

Stadt finanziert Farbe als Vereinsförderung 

Bei der Stadt Uster ist ebenfalls wenig bekannt über die Historie des Pfahls. «Seine Existenz ist uns bekannt», sagt Andreas Varga von der Öffentlichkeitsarbeit. Der Wegweiser stehe auf einer Parzelle der Stadt und sei rund 70 Jahre alt.

Doch weder die Zuständigen im Stadtarchiv noch der Kulturverantwortliche hätten zusätzliche Informationen zu seiner Vergangenheit oder Bedeutung gefunden. Immerhin etwas könne er aber bestätigen, sagt Varga: Die Stadt Uster habe die Kosten für die Farbe übernommen. «Im Sinne der Vereinsförderung.» Es habe sich um eine Zahl im tiefen Hunderterbereich gehandelt. 

Wissen Sie mehr über den bunten Wegweiser im Riediker Pärkli? Melden Sie sich bei uns: redaktion@zol.ch

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