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«Frag den Doktor»: Krankhaftes Übergewicht

«Weg von Zucker, Fett und vielen Kalorien»

Schritt für Schritt zu mehr Lebensqualität: Gesünderes Essen und mehr Bewegung sind im Kampf gegen krankhaftes Übergewicht entscheidend. Eine Operation ist bei Adipositas erst die letzte Option.

Lennart
Langer
Mittwoch, 24. Februar 2021, 14:25 Uhr «Frag den Doktor»: Krankhaftes Übergewicht

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem GZO Spital Wetzikon.

Am Donnerstag, 4. März, um 19 Uhr sprechen eine Expertin und Experten des Adipositas-Netzwerks in einer Online-Infoveranstaltung über die «Volkskrankheit Adipositas». Auch Dr. med. Daniel M. Frey wird an der Veranstaltung referieren. Weitere Informationen erhalten Sie via Link. 

Der Tritt auf die Waage fällt schwer und der Blick in den Spiegel wird tunlichst vermieden. Viele Schweizerinnen und Schweizer kennen diese belastende Situation. Denn Übergewicht gilt als Volkskrankheit. 42 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Sogar 11 Prozent weisen gemäss Bundesamt für Gesundheit einen Body-Mass-Index (BMI) mit einem Wert von über 30 auf. Ab dann spricht man von krankhaftem Übergewicht oder Adipositas. 

«Krankhaftes Übergewicht ist eine ernsthafte Erkrankung», sagt Dr. Daniel M. Frey, Chefarzt und Departementsvorsteher Chirurgie am GZO Spital Wetzikon. Gefährlich sind vor allem die möglichen Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Leberverfettung, Arterienverkalkungen, Schlafapnoe oder Gelenkbeschwerden. Deshalb rät der Arzt, rechtzeitig professionelle Hilfe beizuziehen. 

«Entscheidend ist, was man isst und was man trinkt.»

PD Dr. med Daniel M. Frey, Chefarzt und Departementsvorsteher Chirurgie GZO Spital Wetzikon

Der Wunsch zum Abnehmen sei bei den Betroffenen zwar da, doch der Schritt, sich um eine Beratung zu bemühen, fällt schwer, weiss Dr. Frey. Deshalb möchte er die Betroffenen Menschen dazu ermutigen, sich beraten zu lassen und eine Therapie zu beginnen. «Häufig ist professionelle Hilfe notwendig, um an Lebensqualität zu gewinnen», sagt er.

PD Dr. med. Daniel M. Frey ist Chirurg und Chefarzt im Fachgebiet Bariatrie am GZO Spital Wetzikon. (Foto: PD)

In erster Linie geht es dabei um Beratung und eine Ernährungsumstellung. «Weg von Zucker, Fett und vielen Kalorien», erklärt Dr. Frey. Die Essensmenge sei nämlich häufig nicht das Problem, «sondern was man isst und trinkt». Mehr Gemüse, Nüsse oder gesunde Öle, dafür weniger Süssgetränke, fettige Milchprodukte oder Weissbrot. «Man muss den Lebens- und Essensstil ändern.» Dazu gehören auch regelmässige Bewegung und Sport. 

Studien beweisen langfristigen Erfolg

Während einer begrenzten Zeit können auch Medikamente zur Unterstützung eingenommen werden. Allerdings kommt es nach der Absetzung häufig zu einem Rückfall und die Betroffenen nehmen wieder etwas zu. Tritt dieser Fall ein und schlagen die konservativen Therapien fehl, kann als letzte Möglichkeit eine Operation in Betracht gezogen werden.  

Mit der Magenverkleinerung mittels Schlauchmagen (Sleeve) oder eines Magenbypass gibt es zwei Operationsmethoden. Viele Studien haben den langfristigen Erfolg beider Varianten gezeigt. Doch Dr. Daniel M. Frey gibt zu bedenken, dass die Patienten auch nach einer Operation nicht um eine strikte Einhaltung der Ernährungsempfehlungen herumkommen.    

Gemeinsam mit mehr Bewegung bleibt die Ernährungsumstellung der entscheidende Schritt, um die Risikofaktoren zu minimieren, die durch krankhaftes Übergewicht auftreten können. Die Erfolge stellen sich dabei nicht unmittelbar ein. Doch langfristig steht der Weg zu einem gesünderen Alltag und zu einem deutlichen Gewinn an Lebensqualität offen.