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Projekt aus Hombrechtikon und Maur

Sie baut den elektronischen Schutzengel, den sie gebraucht hätte

Die Hombrechtikerin Caroline Bono wurde durch einen Autounfall unverschuldet zum Sozialhilfefall. Mit einer vernetzten Bordkamera wollen sie und ihr Mann, ein Maurmer Hausarzt, anderen dasselbe Schicksal ersparen.

Redaktion
Züriost
Dienstag, 23. Februar 2021, 16:18 Uhr Projekt aus Hombrechtikon und Maur
Ein in jedem Auto installierter Schutzengel ist ihr Ziel: Caroline Bono.
PD

Wenn alles klappt, könnte diese Erfindung dem zermürbenden Kampf der Caroline Bono eine positive Wende geben. Die gebürtige Hombrechtikerin ist optimistisch: «Eben habe ich mit einem möglichen Investor und Unternehmer eine Sitzung gehabt», sagt die Anwältin. «Er hat die Verbindungen, das technische und unternehmerische Know-how. Es geht vorwärts.»

Zusammen mit ihrem Mann, Hausarzt in Maur, hat die 57-Jährige ihre Idee bereits patentieren lassen: «G4You», ein elektronischer Schutzengel für Autopassagiere. Das System soll es dem Rettungspersonal und den Ärzten erlauben, nach Autounfällen die Verletzungen aller Insassen präzis und vollständig zu diagnostizieren.

«Wir filmen mit Hochgeschwindigkeitskameras das Wageninnere, um die Bewegung der Körper bei einem Unfall festzuhalten», sagt Caroline Bono. Der Film wird aus dem Auto per Internet an die Rettungskräfte und an die Notaufnahme übermittelt, zusammen mit medizinischen Informationen und den Kontaktdaten der Angehörigen. Die Patente schützen jetzt diese Idee.

Warum das mehr ist als eine Herzensangelegenheit für Bono? Ein Auffahrunfall und eine Falschdiagnose hatten die damals angehende Anwältin 2002 jäh aus dem Gleis geworfen. «Ein gestresster Assistenzarzt hat bei mir ohne angemessene Untersuchung ein Schleudertrauma diagnostiziert. Dabei hatte ich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit schweren Rückenverletzungen und einem Beinahe-Genickbruch.»

Die Verletzungen machten die vierfache Mutter jahrelang bettlägerig, sie verlor ihre Stelle. Ihre Familie wurde auseinandergerissen. Dazu kam: Die Gerichte beurteilten ihren Unfall in endlosen Verfahren immer nur als «leicht». Das Bundesgericht schrieb, ihr Auto habe abgesehen «von einer minimalsten Vertiefung keinerlei Schäden, nicht einmal Kratzer» aufgewiesen.

Die Versicherungen zahlten keinen Rappen

Bono sagt dazu: «Als das Bundesgericht diesen Entscheid fällte, lag der unfallanalytische Beweis noch nicht vor, dass der Sicherheitsgurt aufgrund des Aufprallwinkels nicht gehalten hatte und sie im Auto heftig herumgeschleudert wurde.» Seither haben alle ihre ärztlichen Gutachter die Kausalität zwischen dem Zusammenstoss und den schweren Verletzungen nachgewiesen.

Aber Bono erhielt weder von der zuständigen Haftpflichtversicherung noch von der Invalidenversicherung je irgendwelche Leistungen. Der Sturz der promovierten Juristin und Dozentin zum Sozialhilfefall war abrupt.

Ein Buch über ihr Schicksal machte Bono zum berühmtesten Opfer einer falschen Schleudertrauma-Diagnose in der Schweiz. Heute berät sie Menschen, die Ähnliches erlebt haben wie sie, und ist als Gesundheitscoach tätig.

Ihr Anspruch gegenüber der Haftpflichtversicherung ist noch offen. Mit umso mehr Elan verfolgt sie ihr Projekt. «Anders als der Streit vor den Gerichten ist das etwas Positives, das ich mit meinen Erfahrungen anstossen möchte», sagt Bono.

Bessere Diagnosen dank Video

Die Bordkamera soll vor allem den Ärzten helfen, die richtigen Diagnosen zu stellen – sodass die Opfer schnell adäquat behandelt und wieder arbeitsfähig werden. Dinge, die Bono versagt blieben.

Bonos Ziel: «Dass unser Schutzengel in jedem Auto installiert ist.» Der Weg dahin ist weit. Bono sammelt jetzt in einem Crowdfunding 200’000 Franken, um einen Prototyp herzustellen. (Edgar Schuler)

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