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Früher wurde hier gefeiert

Das Ende des «Hexenhäuschens» an der Strandbadstrasse ist besiegelt

Das rote Häuschen auf der Färberwisen wurde abgerissen. Es musste dem geplanten Migros-Provisorium weichen.

Fabienne
Grimm
Dienstag, 23. Februar 2021, 16:30 Uhr Früher wurde hier gefeiert

Viele Wetziker kannten es, das kleine, rote Häuschen an der Strandbadstrasse auf der Färberwisen. Eingenistet in einen verwilderten Garten und mit seinen lottrigen grünen Fensterläden, erinnerte es ein bisschen an ein Hexenhaus aus einem Märchen der Gebrüder Grimm.

Doch von seinem einstigen Charme ist nicht mehr viel übrig. Denn das Häuschen wurde abgerissen. Der Grund: Die Migros Genossenschaft Ostschweiz will auf der Färberwisen ein Provisorium bauen. Dieses soll in der Zeit genutzt werden, in der sie den Oberland Märt in Oberwetzikon neu baut.

Am 14. Dezember hat die Migros bei der Stadt Wetzikon das Baugesuch eingereicht. Und dann ging es plötzlich ganz schnell. Die grossen Laubbäume, die das Häuschen früher umgaben, stehen nicht mehr. Und auch die roten Schindeln und die grünen Fensterläden gehören der Vergangenheit an. Das kleine Häuschen gibt es nicht mehr.

Wo sich «Langhaarige» zur Orgie treffen

Dabei hatte das Haus an der Strandbadstrasse schon über hundert Jahre auf dem Buckel. 1904 wurde es erbaut. Eine ganz besondere Episode ereignete sich 1973. In diesem Jahr wurde nämlich gleich zwölfmal eingebrochen. Das Häuschen, das zu dieser Zeit leer stand, wurde offenbar von Unbekannten zum Feiern benutzt.

«Man liess sich Bier und Wein schmecken, und auch die herumstehenden Kerzen und die gefüllten Aschenbecher legen den Schluss nahe, dass die Einbrecher eine Party gaben», heisst es in einem Artikel des Zürcher Oberländers vom 9. November 1973.

«Nur wirklich anspruchslosen Leuten ist das Wohnen hier zuzumuten.»

Herr Meier, ehemaliger Hausbesitzer

Einen Verdacht, wer sich da in seinem Häuschen breit machte, hatte der Hausbesitzer Herr Meier offenbar auch: Es gebe doch in Wetzikon «Langhaarige», die auch mal «eine Orgie feiern».

Dabei störte den Hausbesitzer nicht mal das Feiern an sich, sondern die Tatsache, dass man ihn nicht angefragt hatte. «Wenn die Leute fragen, ob sie das Haus für solche Zwecke betreten dürften, würde ich ja sagen», erzählt er damals dem Zürcher Oberländer.

Dass der Hausbesitzer sein Häuschen den Feiernden so einfach zur Verfügung stellen wollte, mag erstaunen. Doch offenbar war es bereits damals in einem ziemlich schlechten Zustand. Es sei völlig ohne Komfort, erklärte Herr Meier. «Nur wirklich anspruchslosen Leuten ist das Wohnen hier zuzumuten.»

Abrissbirne kommt nicht zum Einsatz

So ähnlich sah dies offenbar auch der Stadtrat. Das Haus sei baufällig, sagte Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) 2017 gegenüber dem Zürcher Oberländer, als erstmals bekannt wurde, welches Schicksal der Liegenschaft droht.

Nun ist es also so weit: Das Häuschen an der Strandbadstrasse wurde abgerissen. Oder besser gesagt, «fachgerecht zurückgebaut», wie Marco Korrodi, Inhaber der für den Abriss zuständigen Baufirma, erklärt. Immerhin blieb dem Häuschen so die Abrissbirne erspart.

Voraussichtlich im Frühling 2022 beginnen dann die Bauarbeiten für das Migros-Provisorium. Läuft alles nach Plan, wird es im Frühling 2023 eröffnet. Zeitgleich startet der Neubau des Oberland Märts. Dieser kann voraussichtlich nach einer Bauzeit von rund drei Jahren im Frühling 2026 eröffnet werden.

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