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Zweite Impfdosis verweigert

Impfkommission kritisiert Ueli Maurer

Er sei so «zäh», dass er auf eine zweite Impfdosis verzichten könne, sagte Bundesrat Ueli Maurer. Der oberste Schweizer Impffachmann hat dafür kein Verständnis. Auch in Bundesbern wird gerätselt.

Redaktion
Züriost
Sonntag, 21. Februar 2021, 11:36 Uhr Zweite Impfdosis verweigert
SCHWEIZ CORONAVIRUS BUNDESRAT PRESSEKONFERENZ
Bundesrat Ueli Maurer am vergangenen Mittwoch in Bern – er wurde inzwischen mit einer Dosis gegen Corona geimpft.
Foto: Alessandro della Valle / Keystone

Es war als lockeres Gespräch gedacht. Der Hinwiler Bundesrat Ueli Maurer bot den SVP-Anhängern Informationen aus der Landesregierung aus erster Hand. Im Videochat konnte man Fragen zu den Abstimmungsvorlagen vom 7. März stellen. Viele davon drehten sich um die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie – und irgendwann landete man auch bei der Gretchenfrage: dem Impfen.

«Das sei ein grosses Geheimnis», antwortete Maurer auf die Frage, ob er bereits geimpft sei, und bestätigte dann: «Ja, ich hatte eine erste Impfung und habe dann auf die zweite Dosis verzichtet. Ich bin so zäh, da war bereits die erste Impfung schon fast zu viel», fügte er lächelnd an.

Kritik vom Impffachmann

Für den Präsidenten der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, Christoph Berger, ist die Äusserung von Bundesrat Maurer «nicht verständlich». «Es ist wichtig, dass die Behörden klar und konsistent zu den Impfungen kommunizieren», sagt Berger. Mit seinem Verzicht auf die zweite Dosis des mRNA-Impfstoffs gehe Maurer ein unnötiges Risiko ein. «Der Schutz durch die erste Dosis ist vorübergehend recht gut – die Wahrscheinlichkeit einer Infektion nimmt aber zu, wenn nicht innert sechs Wochen die zweite folgt», erklärt Berger.

Nach der zweiten Dosis hingegen bestehe ein 95-prozentiger Schutz. Darauf sollte Maurer nicht verzichten, sagt Berger. Auch aus staatspolitischer Sicht: «Wir können während einer Pandemie nicht auf unseren Finanzminister verzichten.» Zumindest sei es positiv, dass sich Maurer öffentlich dazu bekenne, geimpft zu sein, findet Berger.

Maurer unterläuft die Impfstrategie des Bundesrats

Doch auch der oberste Schweizer Impffachmann rätselt darüber, was Maurer mit seiner Äusserung zur zweiten Dosis bezwecken will. «Vielleicht will er seine nicht verbrauchte zweite Dosis jetzt einer Risikoperson zugänglich machen», sagt Berger, «aber dann wäre es gut, das auch zu sagen.»

Maurers Sprecher Peter Minder will sich auf Anfrage weder zu den Motiven noch zu den möglichen Folgen der Aussagen seines Chefs äussern. In anderen Departementen schüttelt man dagegen den Kopf. Man konstatiert, dass Mauer mit seinem Auftritt die Impfstrategie des Bundesrats unterlaufe. Der Bundesrat hatte beschlossen, dass sich seine Mitglieder nach den Vorgaben der Impfkommission impfen lassen und dies auch öffentlich zeigen, damit ein möglichst grosser Teil der Bevölkerung dem Beispiel folge. Manche fragen sich auch, ob Maurer, der sich diese Woche nach den Angriffen seiner SVP auf die Corona-Politik des Bundesrats demonstrativ hinter Gesundheitsminister Berset gestellt hatte, jetzt seiner Partei wieder Opposition gegen den Restbundesrat demonstrieren wolle. (Cyril Pinto, Denis von Burg)

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