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«Mir Oberländer» mit Freiwilligenarbeiterin Karin Steffen

Dort helfen, wo Staat und Kanton nicht können

Schon ihr ganzes Leben widmet sich Karin Steffen aus Pfäffikon der Freiwilligenarbeit. Angefangen hat alles mit einem Briefmarkensäckli.

Sebastian
Schuler
Freitag, 12. Februar 2021, 11:00 Uhr «Mir Oberländer» mit Freiwilligenarbeiterin Karin Steffen
Video: Paulo Pereira

Die Augen von Karin Steffen beginnen sofort zu leuchten, wenn sie über die Freiwilligenarbeit spricht. Die Pfäffikerin war bis zu ihrer Pensionierung als Geschäftsstellenleiterin der Winterhilfe Zürcher Oberland tätig und organisiert weiterhin den Sternenverkauf in Pfäffikon. Und das mittlerweile seit fast 25 Jahren. Beim Sternenverkauf im Zürcher Oberland kommt der Erlös der verkauften Sterne ausschliesslich den Bedürftigen aus der Region zugute.

Bei ihrer Arbeit darf Steffen vor allem auf die Hilfe von Lehrerinnen und Lehrern mit ihren Klassen zählen. «Es ist eine tolle Zusammenarbeit und ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, die ich von den Lehrern erhalte», sagt Steffen. Denn es sei nicht selbstverständlich, dass so viele Lehrkräfte mitmachen und ihre Schülerinnen und Schüler motivieren können, Freiwilligenarbeit zu leisten und bereits in jungen Jahren Menschen in Not zu helfen.

Viele schöne Erlebnisse

Auch Steffen kam bereits im Kindesalter mit der Freiwilligenarbeit in Berührung. «Damals verteilte ich Briefmarkensäckli in die Briefkästen, mit denen die Leute dann bestellen konnten. So begleitete mich die Freiwilligenarbeit ständig ein wenig, bis ich bei der Winterhilfe begonnen habe und wo ich jetzt auch stark verwurzelt bin», sagt die Pfäffikerin. Bei ihrer Arbeit für die Winterhilfe durfte sie schon viele schöne Momente erleben. Einer ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. Als sie in einer Gemeinde Schüler für den Sternenverkauf suchte, meldete sich eine Mutter bei Steffen und sagte, dass ihre beiden Söhne gerne mitmachen würden. «Ich ging dann bei ihr vorbei und sie sagte mir, dass sie vor Jahren selbst in eine prekäre finanzielle Notlage geraten sei. Sie wurde dann von der Sozialhilfe an die Winterhilfe verwiesen.» Diese habe ihr geholfen, in dieser schweren Zeit über die Runden zu kommen. Die Frau sei dermassen froh über die Hilfe gewesen, dass sie beschloss, über ihre Kinder der Winterhilfe etwas zurückzugeben, erzählt Steffen.

Unbezahlbare Arbeit

Solche Momente zeigen Steffen die Wichtigkeit der Winterhilfe und somit auch der Freiwilligenarbeit. Sie ist sich sicher, dass der Staat oder Kantone gar nicht in der Lage wären, all das zusätzlich noch zu stemmen, was mit Freiwilligenarbeit abgedeckt wird. «Nur schon in Pfäffikon gibt es eine Menge Vereine und Organisationen, die sehr vieles auf freiwilliger Basis leisten. Das könnte man gar nicht bezahlen», sagt Steffen. Doch wie in fast allen Bereichen hatte die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf die Freiwilligenarbeit und der von Steffen organisierte Sternenverkauf wurde jäh ausgebremst. «Zu Beginn konnte man die Sterne noch verkaufen und irgendwann ging es halt nicht mehr, was aber verständlich ist.» Sie hofft deshalb, dass es im kommenden Herbst wieder möglich ist, den Sternenverkauf durchzuführen und dass die Lehrer dabei bleiben.

Grosse Sorgen um fehlende Unterstützung macht sich Steffen aber nicht. Diese spüre sie bei der Winterhilfe wie auch bei den Lehrerinnen und Lehrern sehr stark. Sie ist überzeugt, dass Freiwilligenarbeit auch in Zukunft notwendig ist und geleistet wird. «Ich denke da besonders an die Schülerinnen und Schüler, die beim Sternenverkauf mitmachen und so erleben, was es heisst, freiwillig zu helfen. Und einige werden ihr Engagement bestimmt auch weiterführen.»

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