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Dübendorfer Eawag gibt Entwarnung

Neue Studie bestätigt: Pendler können Knopf im Bus wieder drücken

Auf häufig und von vielen verschiedenen Personen berührten Oberflächen können sich Corona-Viren befinden. Das Ansteckungsrisiko ist jedoch gering, wie eine neue Studie des Dübendorfer Eawag zeigt. Regelmässige Proben von Türklinken, Tasten oder Druckknöpfen haben aber trotzdem einen Nutzen.

Philipp
Gämperli
Donnerstag, 04. Februar 2021, 11:23 Uhr Dübendorfer Eawag gibt Entwarnung

Seit Pandemiebeginn ist es ein häufig gesehenes Bild: Pendler ziehen sich den Ärmel über die Hand oder versuchen mit dem Ellbogen, den Halteknopf im Bus oder Tram zu drücken. Wie sich herausstellt, war die ganze komplizierte Übung aber gar nicht nötig. Zumindest wenn man zwei Studien glaubt, an denen auch das Eawag Dübendorf beteiligt war.

Das Forschungsinstitut schreibt in einer Mitteilung: «Wir müssen uns nicht allzu stark Sorgen machen, über das Berühren von Knöpfen oder Tasten mit dem neuen Sars-Virus angesteckt zu werden, zumindest im Vergleich zu anderen möglichen Übertragungswegen.» Zu diesem Schluss kommen die Forscher, nachdem sie verschiedene Oberflächen aus mehreren Städten in unterschiedlichen Ländern untersucht haben. 

8 Prozent positiv

Von April bis Juni 2020 wurden 350 Oberflächenproben von Türgriffen, Deckel von Abfallkübeln, Tastaturen von Bankomaten und Tanksäulen sowie Stopp-Knöpfe an Fussgängerübergängen genommen und analysiert. In rund 92 Prozent der 321 untersuchten Fällen konnte kein Erbgut des Virus nachgewiesen werden.

Bei den restlichen 29 Fällen sei die Konzentration des Erbgutes so gering gewesen, dass das Risiko einer Übertragung bei «unter 5 von 10‘000 Fällen» liegt, lässt sich Timothy Julian von der Eawag-Abteilung für Umweltmikrobiologie in der Mitteilung zitieren.

Allerdings könnten solche Oberflächenproben als Warninstrument genutzt werden. Denn der Verlauf der positiven Befunde stimmt überein mit der Kurve der Neuansteckungen, die sich aus den klinischen Tests ergab.

«Ähnlich wie bei den Abwasserproben könnte auch die Untersuchung oft berührter Oberflächen auf SARS-CoV-2 Erbgut ein nützliches Instrument sein, um die klinischen Tests zu ergänzen und Trends der Pandemie-Entwicklung möglichst früh zu erkennen», so Julian.

Trotzdem nicht ungefährlich

Eine zweite Studie ging der Frage nach, wie effizient die Desinfektion von Oberflächen und das Händewaschen sind, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Das Resultat ist eindeutig: Während der Nutzen der Desinfektion von Kontaktpunkten von sehr vielen Faktoren abhängig und eher gering ist, schützt die Händedesinfektion universell und reduziert das Ansteckungsrisiko gleich um Grössenordnungen.

Die Forschenden warnen jedoch davor, das Übertragungsrisiko ab Knöpfen, Tasten und Griffen zu vernachlässigen. «Berücksichtigt man, dass jeder einzelne jede Stunde Dutzende solcher Objekte berührt, steigt das Risiko, sich zu infizieren natürlich an, wenn viele Leute Virusträger sind», so Julian. Allerdings wachse dann das Ansteckungsrisiko genauso auch über die anderen Kanäle, zum Beispiel wenn Abstände nicht eingehalten würden oder zu viele Leute im selben Raum seien.

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