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Wegen Nähe zu Zürcher Impfzentren

Kanton kippt Ustermer Impfzentrum auf Dübendorfer Flugplatz

Zwei der elf Impfzentren des Kantons befinden sich im Oberland. Die Stadt Wetzikon wird gemeinsam mit der Gemeinde Gossau ein Zentrum bei der Kunsteisbahn in Wetzikon betreiben. Über den Standort in Uster ist noch nichts bekannt.

Redaktion
Züriost
Dienstag, 26. Januar 2021, 09:47 Uhr Wegen Nähe zu Zürcher Impfzentren

Der Kanton Zürich hat seine Strategie geändert. Neu setzt er bei den geplanten Impfzentren auf das dezentrale Spitäler-Modell. Statt wie ursprünglich geplant entstehen nun nicht nur vier, sondern elf Zentren im ganzen Kanton, in denen sich die gesunde Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren impfen lassen kann.

Neben drei Standorten in der Stadt Zürich sowie je einem in Winterthur, Affoltern am Albis, Horgen, Meilen, Dietikon und Bülach sind auch in Uster und Wetzikon Zentren geplant. «Jeder Zürcher und jede Zürcherin soll innert rund 15 Minuten ein Impfzentrum erreichen können», so Regierungsrätin Natalie Rickli an der Pressekonferenz (siehe Box).

Doch nicht auf dem Flugplatz Dübendorf

Im Oberland sind die Impfzentren in der Nähe der beiden Spitalstandorte geplant. Das Spital Uster hatte sich ursprünglich in Kooperation mit der Balgrist-Klinik für ein Impfzentrum beworben. Der Standort wäre aber nicht in Uster selbst zustande gekommen, sondern auf dem Flugplatz Dübendorf, wo bereits das Drive-In-Testzentrum steht. So hätten die dort bereits vorhandene Infrastruktur, Technik sowie Personal genutzt werden sollen.

Der Kanton hat sich nun aber aufgrund der Nähe zu den Impfzentren in der Stadt Zürich gegen den Standort auf dem Flugplatz entschieden, wie die Gesundheitsdirektion bestätigt. «Wir haben uns im Gespräch mit Gemeinden und Spitälern entschieden, das Zürich Oberland mit zwei Impfzentren in Uster und Wetzikon abzudecken», sagt Sprecherin Lina Lanz. Wo genau das Impfzentrum in Uster zu liegen kommt, ist noch unklar.

«Das Spital Uster wird das eingereichte Betriebskonzept für den Standort Uster überarbeiten und steht bereits im Kontakt mit der Stadt.»

Andreas Greulich, Ustermer Spitaldirketor

Damit ist die Kooperation mit der Klinik Balgrist, dem AirForce Center Dübendorf sowie dem Militärflugplatz Dübendorf jedoch vom Tisch. Diese hätte sich «nur durch die gemeinsame Nutzung von Synergien» ergeben, wie Spitaldirektor Andreas Greulich mitteilt. Neu arbeitet das Spital Uster nun mit der Stadt Uster zusammen; weitere Kooperationen würden gemäss Greulich «bei Bedarf geprüft». 

Die Bewerbung für ein Dübendorfer Impfzentrum scheint jedoch trotz Strategiewechsel nicht umsonst gewesen zu sein: «Das Spital Uster wird das eingereichte Betriebskonzept für den Standort Uster übernehmen respektive überarbeiten und steht hierzu bereits im Kontakt mit der Stadt Uster», teilt Greulich mit.

Wo auch immer das Ustermer Impfzentrum schliesslich stehen wird: Gemäss Kanton sollen hier 500 bis 1000 Personen am Tag geimpft werden, und dies schon in einigen Wochen. Dem geplanten Betriebsbeginn per anfangs April schaue das Spital «positiv entgegen», teilt Greulich mit. Man sei für den Betrieb des Impfzentrums jedoch «weiterhin auf personelle Unterstützung aus den Zweckverbandsgemeinden angewiesen».

Optimale Erschliessung und genügend Platz

Mehr bekannt ist bereits über die Impfstrategie in Wetzikon: Die Stadt wird mit der Gemeinde Gossau eines der kantonalen Corona-Impfzentren gemeinsam betreiben. Dies schreiben die beiden Gemeinden in einer Mitteilung. 400 bis 1000 Personen sollen dort pro Tag geimpft werden.

Die ersten Impfungen werden voraussichtlich im April verabreicht. Das Impfzentrum soll bei der Kunsteisbahn entstehen. Nebst der Stadt Wetzikon und der Gemeinde Gossau sollen Partnerorganisationen daran beteiligt sein; man wolle damit einen «wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Impfstrategie des Kantons Zürich» leisten.


«Mit dem für die breite Bevölkerung vorgesehenen Impfzentrum im Bezirk Hinwil können wir das Gesundheitswesen wirkungsvoll entlasten.»

Ruedi Rüfenacht (EVP), Stadtpräsident Wetzikon


Die Wahl der Standort-Gemeinde Wetzikon habe mit deren zentralen Lage, aber auch der «optimalen Verkehrsanbindung» und der Nähe zum Spital zu tun. «Der Standort bei der Kunsteisbahn zeichnet sich durch eine optimale Erschliessung aus und verfügt über genügend Platz für die Errichtung des Impfzentrums», lässt sich Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht (EVP) zitieren.

Grössenverhältnisse, Zugänge und Ausrüstung ermöglichten sowohl das geforderte Schutzkonzept, als auch eine Impfung im gewünschten Umfang. Auch Gossaus Gemeindepräsident und Verwaltungsratspräsident des GZO Spitals Wetzikon, Jörg Kündig (FDP), betont selbiges.

GZO unterstützt Projekt

«Mit dem für die breite Bevölkerung vorgesehenen Impfzentrum im Bezirk Hinwil können wir das Gesundheitswesen wirkungsvoll entlasten.» Er verspricht sich dadurch eine schnelle, unkomplizierte und professionelle Impfmöglichkeit in der Region. Der Zeitplan indes sei sportlich, sagt Rüfenacht.

Allerdings könnten die Gemeinden auf die Unterstützung von GZO Spital und Zivilschutz zählen. Spital-CEO Matthias Spielmann betont: «Wir unterstützen das Projekt aus medizinischer Sicht sehr gerne.» Die Impfung der breiten Bevölkerung helfe, Kapazitäten in Spitälern und Heimen aufrechtzuerhalten und einen Personalmangel zu verhindern.

Noch keine Detailpläne vorhanden

Nun dürfte für die verantwortlichen Gemeinden eine intensive Zeit losgehen, wie sie in der Mitteilung unterstreichen. Denn die Einrichtung des Zentrums müsse geplant werden, daneben aber auch der Einsatz von Personal und die Organisation der Datenverarbeitung. Jörg Kündig sagt, dass aus diesem Grund bislang keine Detailpläne existierten.

«Wir werden das Projekt aber kommunikativ eng begleiten und die Bevölkerung regelmässig über die Fortschritte informieren.» Entscheidend sei, zeitgerecht bereit zu sein, sobald der Impfstoff verfügbar ist. (Tanja Bircher, Valérie Jost, David Kilchör)

So viele Personen sollen an den verschiedenen Standorten geimpft werden können. (Bild: Gesundheitsdirektion Kanton Zürich)

Warten auf genügend Impfstoff 

Das grösste Impfzentrum wird in der Messe in Zürich-Oerlikon eingerichtet. Dort sollen sich pro Tag bis zu 4000 Personen impfen lassen können. Ende Februar soll es bereitstehen.

Ein zweites Impfzentrum in der Stadt Zürich wird am Triemli-Spital eingerichtet. Es soll 1000 Impfungen pro Tag meistern können und steht theoretisch schon bereit. Das Personal ist auf Abruf und kann anfangen, sobald genügend Impfstoff vorhanden ist, wie Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) am Dienstag ausführte.

Das bereits bestehende Impfzentrum der Universität Zürich am Hirschengraben, das seit Januar in Betrieb ist, wird als drittes Impfzentrum in der Stadt Zürich weitergeführt.

Es ist für 600 Impfungen pro Tag eingerichtet und wird voraussichtlich bis Ende Jahr in Betrieb sein. Dort können sich dann all jene Einwohnerinnen und Einwohner noch impfen lassen, die sich erst später dazu entscheiden – wenn die normalen Impfzentren bereits wieder ausser Betrieb sind. Der Kanton rechnet damit, dass die Aktion ihren Höhepunkt im Juni hat und gegen Ende Sommer vorbei ist.

Nach den drei Impfzentren in der Stadt Zürich folgen im April die acht Zentren in den Regionen. 

Insgesamt sollen in diesen elf Zentren bis zu 12'600 Spritzen pro Tag gesetzt werden. «Voraussetzung dafür ist jedoch, dass genügend Impfstoff bereitsteht. Dies ist aktuell bekanntlich das Problem. Hätten wir die Impfzentren heute schon, würden sie leer stehen, weil wir gar nicht genug Impfstoff haben», sagte Rickli.

Kleine Kantone sind schneller

Dass Zürich ein Trödelkanton ist, wie eine Statistik des Bundes vergangene Woche aufzeigte, weist sie deshalb von sich. «Auch wir könnten schneller impfen, wenn wir mehr Impfstoff hätten.» Der Fokus des Kantons Zürich liege primär auf den Heimen und darauf, die zweite Dosis des Impfstoffs zurückzulegen. «Ein kleiner Kanton, der gleich alles verimpft, ist natürlich schneller.»

Geplant ist, dass dereinst auch 133 Zürcher Apotheken die Corona-Impfung verabreichen können. Dafür braucht es allerdings noch eine Verordnungs-Änderung – und wiederum genügend Impfstoff.

Aktuell stehen bis Ende Januar 80'000 Impfdosen zur Verfügung, bis Ende Februar weitere 160'000, also insgesamt 240'000 Dosen für 120'000 Personen – sofern diese Impfdosen überhaupt eintreffen. Bestätigt sind die Lieferungen derzeit nur bis am 8. Februar. Danach muss der Kanton mit Annahmen planen. (sda)

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