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Gedanken zu Weihnachten

Fürchtet euch nicht!

Bald sind Weihnachten. Pfarrerin Heidi Noll setzt sich anlässlich dieser Feiertage mit der Furcht auseinander – und wieso man trotz schweren Zeiten auf Gott vertrauen darf.

Redaktion
Züriost
Donnerstag, 17. Dezember 2020, 09:32 Uhr Gedanken zu Weihnachten

Dieses Jahr werden wir Weihnachten anders verbringen als sonst. Wir werden nicht im Kreise der grossen Familie, sondern mit den engsten Familienangehörigen feiern. Die einen werden die buntgemischte Geselligkeit vermissen. Manche werden sich gar einsam fühlen. Andere werden es auch schätzen eine intensivere Zeit mit den nächsten Familienmitgliedern erleben zu können. Wieder andere werden über die Festtage im Gesundheitswesen und in unseren Alterspflegeheimen anstrengende Arbeit leisten.

Wie auch immer wir dieses Jahr die Feiertage verbringen: Die Weihnachtsbotschaft ist seit über 2000 Jahren die gleiche – ob in guten oder in schweren Zeiten. Mitten in Angst und Dunkelheit ruft der Engel in der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas den Hirten auf dem Feld bei Bethlehem zu: «Fürchtet euch nicht! Denn seht, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird: Euch wurde heute der Retter geboren.» (Lukas 2, 10+11).

«Nacht und Angst haben viele Gesichter.»

Wir feiern Weihnachten in einer der längsten Nächte des Jahres. Nacht ist es auch auf dem Hirtenfeld. Die Hirten haben Angst vor Räubern und wilden Tieren, die über ihre Herde herfallen könnten. Noch mehr erschreckt sie diese, für sie zunächst unheimliche Erscheinung des Engels mitten in der Nacht. Ausdrücklich heisst es im Text: «Und sie fürchteten sich sehr.» (Lukas 2,9)

Am Anfang von Weihnachten steht die Nacht und die Angst. Mitten in diese Nacht und diese Angst spricht der Engel: «Fürchtet euch nicht!» Das ist die Weihnachtsbotschaft der Bibel für die Hirten und auch für uns heute mitten in der Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen und Bedrohungen.

«Das heisst nicht: Es ist alles halb so schlimm!»

Nacht und Angst haben viele Gesichter. Vielleicht hat jemand Angst davor, dass einer aus der Familie schwer krank werden könnte. Vielleicht hat jemand Angst davor, alles nicht mehr zu schaffen: Beruf, Familie, Erwartungen, die an ihn oder sie gestellt werden. Vielleicht hat jemand Angst davor, die Trauer um einen lieben Menschen könnte ihn verschlingen. Mit all unseren Ängsten, die wir in uns tragen, wird uns in der Weihnacht die gleiche Botschaft wie den Hirten ausgerichtet: «Fürchtet euch nicht!»

Das heisst nicht: Es ist alles halb so schlimm! Die Angst wird nicht einfach weggeblasen. Aber der Weihnachtswunsch des Engels will bei uns etwas Ähnliches bewirken wie bei den Hirten. Er will uns aus der Schockstarre lösen und uns wieder erste Schritte gehen lassen. Er möchte uns zum Suchen bewegen und in der Nacht Wege finden lassen.

So wie die Hirten einander aufmuntern: «Kommt, wir gehen nach Bethlehem!» Sie machen sich auf zum Stall von Bethlehem. Sie hören, glauben und sehen schliesslich, was der Engel ihnen verkündet: Gott kommt zu uns Menschen. Er teilt unser Dunkel und unser Leid. Er kommt zur Welt in einem kleinen Stall in einem winzigen Winkel des damaligen Römischen Reiches, als wolle er sagen: «Kein Mensch ist zu weit weg für mich. Kein Zweifel ist zu stark für mich. Kein Unglück wiegt zu schwer für mich.» Aus einer Krippe blickt er uns an.

«Gott hat uns nicht versprochen, dass das Leben immer einfach ist.»

Was damals den Hirten gesagt wurde, kann uns auch heute Halt geben und trösten. Es ist die Einladung darauf zu vertrauen: Ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Gott begleitet mich in den Höhen und Tiefen meines Lebens. Ob ich allein bin oder in Gemeinschaft, fröhlich oder sorgenvoll, erfolgreich oder gescheitert, ob bei mir alles in einer ruhigen Bahn verläuft oder ob ich mich an einem Wendepunkt befinde: Ich darf mich anvertrauen.

Zuversichtlich können wir deshalb auch in diesen Weihnachtstagen die Botschaft des Engels für uns persönlich und für unsere Welt wieder hören: Gott ist zur Welt gekommen. Er lässt seine Welt nicht allein. Wir begegnen ihm zum Beispiel in Fürsorge, Zuwendung und Trost, die andere Menschen uns geben und die wir weitergeben.

Damit sind nicht alle Ängste und Dunkelheiten aus der Welt, auch nicht das Coronavirus. Gott hat uns nicht versprochen, dass das Leben immer einfach ist, aber er hat uns versprochen in schweren Zeiten bei uns zu sein. In allem, was für uns Menschen bedrohlich, beängstigend und schwer ist, will Gott stärkend und tröstend an unserer Seite sein.

In der ganzen Corona-Zeit stärkt mich deshalb immer wieder das Bibelwort aus 2. Timotheus, 1,7: «Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.» In diesem Sinne wünsche ich uns allen gesegnete Weihnachten. (Pfarrerin Heidi Noll, Reformierte Kirchgemeinde Turbenthal-Wila)

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