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«Min Bruef» mit Contact Tracerin Vivienne Schäublin

«Die Komplexität des Berufs ist vielen nicht bewusst»

Sie arbeitet im Schichtbetrieb, muss einem enormen Zeitdruck standhalten und darf dabei den Überblick nicht verlieren. Die Greifenseerin Vivienne Schäublin gibt einen Einblick in ihre Arbeit im Contact Tracing Center in Pfäffikon.

Tanja
Frei
Donnerstag, 17. Dezember 2020, 10:59 Uhr «Min Bruef» mit Contact Tracerin Vivienne Schäublin

Es ist ein Beruf, der im Jahr 2020 aufgrund des Coronavirus‘ erschaffen werden musste. Im Tracing Center in Pfäffikon sind momentan 150 Contact Tracer damit beschäftigt, Infektionsketten zu verfolgen, Infizierte in Isolation und Kontaktpersonen in Quarantäne zu schicken. «Ein vielfältiger Job», findet Vivienne Schäublin, «doch was genau ein Contact Tracer ist, ist schwierig in Worte zu fassen. Das ist ein grosser Begriff», erklärt die Psychologiestudentin, die seit gut einem Monat diesem Beruf nachgeht.

Schäublin gehört zu den ersten Ansprechpersonen für Covid-19-Patienten oder Leute, die Fragen rund um dieses Thema haben. Eine ihrer Aufgaben beinhaltet das Erfassen von Kontaktpersonen und diesen mitzuteilen, dass sie in Quarantäne gehen müssen. «Viele stellen sich das so vor: Man bedient das Telefon und tippt ein paar Sachen in den Computer ein», sagt Vivienne Schäublin.

Die Komplexität, die beispielsweise das Ereignismanagement mit sich bringt, sei vielen nicht bewusst. Dort landen jene Fälle, bei denen es um Ansteckungen in gefährdeten Orten, wie beispielsweise Pflegeheimen, aber auch um Kitas und Schulen geht. Auch die Zusammenarbeit mit dem Contact-Tracing-Team am Flughafen, die Koordination aller Schnittstellen und die ganze IT-Infrastruktur können herausfordernd sein.

Befristete Arbeit in unbefristeter Situation

«Ursprünglich habe ich die Handelsschule mit KV-Abschluss und danach die Erwachsenenmatur absolviert. Nun befinde ich mich im Psychologie-Studium», sagt Schäublin. Als sie mit der Arbeit als Tracerin startete, wurde sie in einer Gruppe von 30 Personen persönlich von Andreas Juchli, CEO der Medizinalberatungsfirma JDMT, die im Auftrag des Kantons das Contact Tracing durchführt, geschult.

Nach dem Einführungstag lautete das Motto relativ schnell «learning by doing». «Wir kamen dann gleich hier ins Büro und nahmen mit jemandem, der schon länger dabei ist, Anrufe entgegen. So konnten anfängliche Fragen direkt geklärt werden.» Als Contact Tracer sollte man eine schnelle Auffassungsgabe besitzen und sich den Prozessabläufen bewusst sein.

«Wir gehen davon aus, dass die Corona-Situation noch eine Zeit lang andauern wird»
Vivienne Schäublin, Contact Tracerin

Eine Arbeitsschicht dauert neun Stunden mit einer halben Stunde Mittag. «Als die Infektionszahlen stiegen, wurde der Zeitdruck natürlich grösser», erzählt Schäublin. Die Hotline blieb länger offen, Nachtschichten wurden eingeführt und es wurden viele neue Tracer eingestellt, die geschult werden mussten. «Gleichzeitig hatten wir noch eine Systemumstellung», so die Tracerin.

Die Leute am Telefon seien grundsätzlich freundlich und dankbar, dass sie eine Stelle haben, wo ihre Fragen beantwortet werden. In einzelnen Fällen gebe es Personen, die frustriert seien, dass sie in Isolation müssen. Meistens könne Schäublin diese Leute aber schnell beruhigen.

«Wir gehen davon aus, dass die Corona-Situation noch eine Zeit lang andauern wird und so lange sind wir für die Bevölkerung da», versichert sie. Die Arbeitsverträge laufen vorerst bis Ende März 2021. «Dann werden wir sehen, wie es weitergeht.»

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