×
«Züriost-Soundcheck» mit Eskaloska

Progressiver Rock mit viel italienischem Herzblut

Die Zürcher Band Eskaloska brauchte zu Beginn ein wenig Zeit, um einen gemeinsamen Musikstil zu finden. Mit ihrem Prog-Rock und ihren italienischen Texten wollen sie jetzt auch das Schweizer Publikum für sich gewinnen.

Sebastian
Schuler
Freitag, 20. November 2020, 09:00 Uhr «Züriost-Soundcheck» mit Eskaloska
Hall of Fame präsentiert den «Züriost-Soundcheck»

Get rocked - Die Hall of Fame in Wetzikon hat sich in den letzten Jahren zu einer der angesagtesten Konzert-Locations im Zürcher Oberland entwickelt. Nationale und internationale Bands lassen die Music-Bar in Wetzikon regelmässig erbeben.

Hall of Fame

Rein optisch könnten die fünf Männer nicht unterschiedlicher daherkommen. Vom seriösen Büroangestellten, über den barttragenden Alt-Hippie bis hin zum gestylten Hipster ist alles dabei. Was sie aber alle miteinander verbindet, ist ihre italienische Herkunft und die Liebe zur Musik. Und so stehen Sänger Devis Annibaldi, die beiden Gitarristen Andrea Meloni und Marco Procaccini, Bassist Leonardo Filippone und Schlagzeuger Antonio Rapisarda seit 2015 gemeinsam unter dem Namen Eskaloska auf der Bühne. Eskaloska existiert aber bereits seit den 90er Jahren und war zuerst nur das Projekt von Annibaldi. «Ich war damals grosser Fan der britischen Ska-Band Madness und habe dann auch selbst Ska-Musik gemacht. So bin ich auch auf den Namen gekommen», erklärt er. Als Annibaldi 2015 nach Zürich zog, verfolgte er auch das Ziel, Eskaloska in der Schweiz neu aufzubauen und weiterzubringen. Zufällig lernte er Procaccini kennen, der schon in einer Cover-Band aktiv war und so fanden die fünf Mitglieder nach und nach zusammen.

Gesellschaftskritisch, aber nicht politisch

Das Projekt von Annibaldi stiess bei den zukünftigen Bandmitgliedern auf positive Resonanz. Da sie aber alle aus unterschiedlichen Musikrichtungen kamen, brauchten sie zu Beginn ein paar Sessions, um einen gemeinsamen Stil zu finden. Ihre Musik zeichnet sich aber gerade dadurch aus, dass sie aus verschiedenen Einflüssen entstand. «Wir sind alles sehr verschiedene Typen, die alle ihre Erfahrungen mitbrachten. Am Ende ist ein sehr spezieller Stil entstanden. Das ist Eskaloska», sagt Filippone. Als Progressive Rock mit Folk- und Reggae-Einflüssen beschreiben die fünf Männer das Resultat ihrer musikalischen Fusion. «Aber das Publikum an unseren Konzerten darf auch gerne selbst entscheiden, was und wie es bei ihnen ankommt», fügt Filippone an.

Vervollständigt werden die Songs durch italienische Texte, die allesamt aus der Feder Annibaldis stammen, aber auch die Ansichten und Ideen der andern Mitglieder wiederspiegeln sollen. «Viele der Texte behandeln gesellschaftliche Themen und können auch durchaus autobiografisch sein. Ich will Geschichten erzählen, die für das Publikum wie Kurzfilme voller Poesie und Lebenserfahrungen sind», sagt Annibaldi. Auch wenn er sich in seinen Texten manchmal in Gesellschaftskritik übt, soll es darin nicht um Politik gehen. Vielmehr geht es darum, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und auch mal eine andere Perspektive einzunehmen. Wie etwa in dem 2018 erschienen Song «Non perdere la realtà», wo es um die Flüchtlingsproblematik geht. «Es ist ein sehr aktuelles Thema, besonders in Italien. Gerade dort wird zu oft über fremde Menschen geurteilt, ohne dass man überhaupt versucht, ihre Situation zu verstehen. Deshalb ist es wichtig, Dinge auch aus einer anderen oder fremden Perspektive zu betrachten», sagt Annibaldi.

Eine Band mit ambitionierten Zielen

Auch wenn die fünf Musiker nun schon länger in der Schweiz leben oder hier zur Welt gekommen sind, ist die tiefe Verbundenheit zu Italien geblieben. «Wir besitzen alle immer noch viel italienisches Herzblut. Das zeigt sich auch in unserer Band. Wir ziehen alle am selben Strick und sind hochmotiviert, wenn es darum geht, ein neues Stück einzustudieren», sagt Rapisarda. Sonst herrsche bei den Proben aber eine eher lockere Stimmung, fügt Filippone an. «Wir machen da auch viel Blödsinn. Jeder von uns hat etwas Verspieltes, die einen mehr, die anderen weniger. Aber wenn es zur Sache geht, dann können wir auch ernst sein.»

«Unsere Musik kann von den USA bis nach Japan überall gehört werden»
Andrea Meloni

Mit viel Esprit verfolgen Eskaloska auch ihre ambitionierten, musikalischen Ziele. «Wir wollen unsere Musik nach Europa exportieren. Momentan konzentrieren wir uns sehr auf Italien, auch wegen der italienischen Texte. Aber unser Stil ist international und ich denke, unsere Musik kann von den USA bis nach Japan überall gehört werden», sagt Meloni. Eskaloska wollen aber auch das Schweizer Publikum von sich überzeugen. «Wir leben hier und wollen den Leuten unserer Musik und Texte näher bringen. Zudem wollen wir zeigen, dass italienische Musik nicht nur aus Eros Ramazzotti und Laura Pausini besteht», sagt Annibaldi.

Wie viele Bands träumen auch sie davon, auf den grossen Bühnen der Welt zu spielen. Im letzten Jahr erhielten sie schon mal einen kleinen Vorgeschmack darauf. Als einzige ausländische Band durften sie am renommierten italienischen Musik-Contest «Sanremo Rock» teilnehmen und schafften es sogar in die Finalrunde. «Es war eine sehr interessante Erfahrung, auch bereits die Vorausscheidung in Mailand. Wir konnten viele gute Leute kennenlernen und geile Bands sehen», sagt Procaccini. Eigentlich wollten sie in diesem Jahr wieder an dem Wettbewerb teilnehmen, aber durch die Situation rund um das Coronavirus und wegen beruflicher Verpflichtungen klappte es dann doch nicht. «Jetzt probieren wir es einfach im nächsten Jahr wieder.»