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Debatte im Kantonsrat

Vorerst grünes Licht für Unterführung Winterthurerstrasse

Die Befürworter der Unterführung Winterthurerstrasse haben mit ihrer Einzelinitiative eine erste Hürde im Kantonsrat genommen. Doch viele Parlamentarier verlangen weitere Abklärungen, um Usters Barrierenproblem zu lösen.

David
Marti
Dienstag, 17. November 2020, 18:12 Uhr Debatte im Kantonsrat
Das Verkehrsproblem in Uster beschäftigte diese Woche auch den Kantonsrat.
Christian Merz

Die Geschichte einer Unterführung Winterthurerstrasse ist lang. Am Montag hat der Kantonsrat nun ein weiteres Kapitel geschrieben. Die Parlamentarier haben sich für die Überweisung einer Einzelinitiative zuhanden des Regierungsrates ausgesprochen. Das Anliegen von Hans Temperli (SVP), Gemeinderat Paul Stopper (BPU) und dessen Parteikollege Werner Kessler hat zum Ziel, die Winterthurerstrasse unter der Bahnlinie durchzuführen. 

Das Initiativ-Komitee «Pro Unterführung Winterthurerstrasse» um BPU-Gemeinderat Paul Stopper propagierte die Unterführung stets als  Alternative zu «Uster West» und zeigte sich nach dem Entscheid entsprechend erleichtert, dass  der Kanton die Umfahrungsstrasse in diesem Sommer offiziell beerdigt hatte.

Bau für sichere Strasse?

In der Kantonsratssitzung wurde Temperli auch als Nicht-Mitglied des Parlaments das Wort erteilt. Wie Temperli ausführte, löse die Unterführung zwar nicht alle Probleme, sei aber die einzige zeitnahe und baulich machbare Variante. Und Temperli erinnerte ein weiteres Mal an das Abtstimmungsergebnis im November 2012. Damals hiess die Ustermer Stimmbevölkerung eine Volksinitiative gut, die den Stadtrat aufforderte, sich beim Kanton für die Unterführung stark zu machen.

«Wenn einer heute sagt, die Bahnschranken in Uster sind dauernd zu, weiss er noch nichts vom Doppelspurausbau Uster – Aatal.»

Thomas Honegger (Grüne), Kantonsrat

Da die Winterthurerstrasse eine jahrzehntealte Hauptverkehrsachse sei, tangiere ein möglicher Ausbau kein Natur- und Nacherholungsgebiet und verbrauche kein Kulturland, sagt Temperli. «Uster West» sei ja gerade daran gescheitert.  Der Bau der Bahnunterführung verflüssige den Verkehr und durch die abgetrennten Fuss- und Radwege werde die Strecke sicherer.  

Unterstützung erhielt er von Kantonsrat Ulrich Pfister (SVP, Egg). «Mit dem Ausbauschritt 2035 der S-Bahn werden sich die Schliesszeiten der Bahnschranken auf 45 Minuten erhöhen», sagte Pfister. Doch die beste Lösung wäre immer noch eine Umfahrung, die leider gestorben sei. Die Einzelinitiative sei deswegen nicht die beste, aber die bestmögliche noch erstellbare Variante.

Anliegen zu früh

Dagegen argumentierte Felix Hoesch aus Zürich. Laut dem SP-Kantonsrat komme die Initiative zu früh. In dieser Einseitigkeit, mit der ausschliesslichen Betrachtung der Unterführung Winterthurerstrasse, könne das Anliegen heute nicht unterstützt werden.

«Die Stadt Uster hat die Problematik längstens erkannt und einen ergebnisoffenen Prozess gestartet, um eine schrankenlose Querung der Geleise in Uster zu suchen.» Dabei sei die Winterthurerstrasse sicher auch eine Option, doch der Prozess noch in Gange. Die SP-Fraktion vertraue auf den Planungsprozess von Uster. Hoesch sagt, er sei eigentlich gegen jeden Ausbau des motorisierten Individualverkehrs. «Aber in Uster wird der Ausbau des S-Bahnverkehrs so zunehmen, dass es eine weitere niveaufreie Querung der Gleise braucht.»

Tempo 30 soll helfen

Ins selbe Horn stiess Thomas Honegger (Grüne, Greifensee): «Wenn einer heute sagt, die Bahnschranken in Uster sind dauernd zu, weiss er noch nichts vom Doppelspurausbau Uster – Aatal.» Die Frage, bei welcher Barriere eine Unterführung gebaut werden soll, könne dramatische Auswirkungen haben. Öffne man die «Schleuse» in die Stadt, könnten ganze Stadtteile mit Verkehr «geflutet» werden, sagte Honegger.

Dem drohenden Mehrverkehr soll mit Begegnungszonen und Tempo 30 flankiert werden. Eine Gesamtschau und eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung seien nötig. Erst wenn alle Akteure und Fragen geklärt worden seien, werde die Partei einer Kreditvorlage gegebenenfalls zustimmen.

Bei der Abstimmung sprachen sich 74 Kantonsräte für die Überweisung der Einzelinitiative aus. Damit war das Quorum von 60 Stimmen erreicht. Nun obliegt es dem Regierungsrat, innert 18 Monaten einen Bericht und Antrag zuhanden des Kantonsrates auszuarbeiten.

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