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Ohne die Besitzerin zu informieren

Wie eine Katze von Effretikon nach Dübendorf umzog

Die Katze einer Effretikerin ist in einem Umzugswagen nach Dübendorf gefahren und dort verschwunden. Auf der Suche nach dem geliebten Tier wurden sogar Suchhunde eingesetzt. Das Protokoll einer Odyssee.

David
Marti
Donnerstag, 12. November 2020, 12:00 Uhr Ohne die Besitzerin zu informieren
Sternli ist nicht immer so ruhig. Die Katzendame kann auch gut abhauen.
PD

Ursina Dubachs Katze ist ein neugieriges Tier. «Sternli interessiert sich sowohl für Menschen als auch für Hunde. Sie schnuppert überall», sagt die Effretikerin. So war es kürzlich auch zu verlockend für die sechsjährige Katzendame, als der Umzugswagen von Dubachs Nachbarn in Effretikon offen stand. Unbemerkt erkundete die Katze das Mobiliar der Nachbarn, als plötzlich die Tür geschlossen wurde und das Auto mitsamt Sternli zur neuen Wohnadresse in Dübendorf gefahren wurde.

Dort angekommen, rannte Sternli, kaum war die Tür geöffnet, aus dem Wagen und entkam. Die Nachbarn erkannten die Katze jedoch und informierten den Partner von Dubach. Danach sollte für die Katzenbesitzerin die Odyssee bei der Suche nach dem geliebten Haustier beginnen.

Zuerst versuchte es  Ursina Dubach bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale mit einer Vermisstenmeldung. Darauf habe sie zusammen mit ihrem Lebenspartner Steckbriefe in dem Gebiet in Dübendorf aufgehängt, wo die Schildpatt-Katze mit implantiertem Chip zuletzt gesehen worden war. Auch habe sie dort, zwischen Oberdorf- und Eichstockstrasse, immer wieder nach Sternli gerufen, sagt die 45-Jährige.

Geld, dann Katze!

«Auf die Anschlagzettel meldete sich immer mal wieder jemand, allerdings ohne einen entscheidenden Hinweis geben zu können.» Auch unseriöse Anrufe seien darunter gewesen. «Ein Mann sagte, wir sollen ihm Geld überweisen, dann bekommen wir die Katze», erzählt Dubach. Als dann ihr Partner ein Foto der Katze verlangt habe, habe der Mann aufgehängt.

«Sobald die Hunde nervös werden, wissen wir, dass das Tier in der Nähe ist.»

Celine Neukom, Mediensprecherin Verein K-9 Suchhunde Zürich

Dubach kontaktierte auch den Verein K-9 Suchhunde Zürich, der sich auf entlaufene Tiere spezialisiert hat. Von diesem erhielt sie Tipps. «Die haben mir gesagt, dass ich für die Katze im Quartier einen Schlaf- und Fressplatz einrichten soll.» Wie vom Verein empfohlen, habe sie Sternlis persönliche Sachen wie Schlafdecken und Futternapf genommen und diese nach Dübendorf gebracht. «Eine Frau hat mir grosszügigerweise angeboten, dass ich Futterstation und Decke in ihrem Garten platzieren darf», sagt Dubach.

Die Wildtierkamera hat eine Katze erfasst. Doch es ist nicht Sternli.

Sie selber sei dann mehrmals am Abend in dem Quartier gewesen. «Zwei bis vier Stunden habe ich die ersten paar Tage in der Nähe verbracht.» Zusammen mit ihrem Partner hat sie eine Wildtierkamera aufgestellt, die auf die Schlaf- und Futterstelle gerichtet war. «Es sind verschiedene Katzen vorbeigekommen und sogar ein Fuchs war dort. Nur Sternli war auf keiner Aufnahme.» Weil sich die Futterstation nur mit Sternlis Chip öffnen lässt, habe zumindest kein anderes Tier dort gefressen. 

Mit Suchhunden auf Katzenjagd

Als diese Methoden nichts gebracht hatten, rief Ursina Dubach wieder beim Suchhundeverein an. Zusammen hätten sie danach entschieden, die Suchhunde einzusetzen. «Mit einem Wattebausch machten wir Abstriche von einem gebrauchten Halsband der Katze», sagt Dubach. Als die drei Hunde den Geruch aufgenommen hatten, stiessen sie auf eine Spur von Sternli an der rund 300 Meter entfernten Kreuzbühlstrasse. «Somit war klar, dass Sternli kürzlich hier war.» 

«Ein älteres Paar hat mir den Platz unter ihrem Balkon angeboten und gar einen Liegestuhl zur Verfügung gestellt.»

Ursina Dubach, Besitzerin von Katze Sternli

Celine Neukom ist Mediensprecherin von K-9 Suchhunde Zürich. Sie sagt, dass bei der Suche nach Haustieren vorsichtig vorgegangen werde müsse, damit die Hunde die gesuchten Tiere nicht vertreiben. «Sobald die Hunde nervös werden, wissen wir, dass das Tier in der Nähe ist. Im eingekreisten Gebiet durfte danach nur Ursina Dubach weitersuchen.» Für den Einsatz, der einige Stunden dauerte, verrechnete ihr der Verein gerade mal eine Pauschale von 150 Franken. Dazu kam ein Kilometergeld von 50 Rappen für die Anfahrt.

Draussen übernachtet

Auf Anraten von Celine Neukom hängte Dubach in der Nähe der Kreuzbühlstrasse Steckbriefe auf. Damit sie nicht mehr so viele eigene Gerüche hinterliess, die die Katze verwirren, habe sie Anwohner und Freunde gefragt, ob sie beim Plakate anbringen helfen würden. Das habe sehr gut geklappt. «Ich habe gestaunt, wie hilfsbereit die Dübendorfer sind», sagt Dubach. 

Sternli heisst die Katze laut Besiterin wegen des sternenförmigen Musters auf dem Kopf. (Foto: PD)

Auch bei der erneuten Einrichtung des Fress- und Schlafplatzes habe sie schnell Leute gefunden, die sie unterstützt hätten. «Ein älteres Paar hat mir den Platz unter ihrem Balkon angeboten und gar einen Liegestuhl zur Verfügung gestellt.»

Den brauchte Ursina Dubach auch. Denn eine Woche nach dem Verschwinden von Sternli, an einem Samstag Ende Oktober, entschied sie sich, draussen im Quartier zu übernachten. Feucht sei es gewesen und kalt – trotz Thermo-Unterwäsche. «In der Nacht habe ich mehrere Katzen gesehen, Sternli leider nicht.»

Katze gefunden

Am Morgen fuhr Dubach zurück nach Effretikon. Die Zuversicht verlor sie trotzdem nicht. «Dass Sternli etwas passiert sein könnte, daran wollte ich nie denken. Ich war überzeugt, dass es ihr gut geht.»

Einen Tag später folgte dann die erlösende Textnachricht auf das Smartphone. «Ein junges Paar hat uns eine Nachricht geschickt, dass es Sternli an der Kreuzbühlstrasse gefunden habe.» Die Katze sei den beiden zugelaufen, als sie spätabends mit dem Hund Gassi gingen. «Zum Glück hatte Sternli keine Angst vor den Hunden und hat den Kontakt zu den Leuten gesucht.»

Ursina Dubach übernachtete im Dübendorfer Quartier bei kühlen Temperaturen.

Die Nachricht haben Dubach und ihr Partner allerdings erst am Morgen gelesen und gleich angerufen. In der Wohnung der beiden Dübendorfern sei Sternli in einem separaten Zimmer einquartiert worden. Denn das junge Paar hatte neben dem Hund auch noch zwei Katzen.

«Sternli war ob der ungewohnten Umgebung und der anderen Katzen etwas durcheinander und hat mich nicht gleich erkannt. Und sie war ein bisschen dünner.» Nach zwei Tagen zuhause sei sie jedoch wieder die alte gewesen, sagt Dubach.

Damit endete die zehntägige Suche mit einem Happy End. Wo Sternli sich während dieser Zeit in Dübendorf aufgehalten hatte, darüber kann auch die Besitzerin nur spekulieren. «Ich vermute, dass Sternli, weil sie so kontaktfreudig ist, von jemandem beherbergt worden ist.»

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