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Wegen Planungsunsicherheit

Volketswiler müssen ein weiteres Jahr auf das Dorffest warten

Das Dorffest muss erneut verschoben werden. Obwohl der Anlass erst im kommenden Sommer stattgefunden hätte, ziehen die Organisatoren bereits jetzt die Reissleine.

Kevin
Weber
Sonntag, 08. November 2020, 15:45 Uhr Wegen Planungsunsicherheit

Es ist eine verflixte Sache mit dem Dorffest. Eigentlich hätte das Fest im verganenen Sommer nach neun Jahren Pause endlich wieder stattfinden sollen. Doch dann kam Corona und die Organisatoren entschieden sich dazu, das Fest um ein Jahr zu verschieben.

Doch auch die Durchführung im Sommer 2021 fällt dem Coronavirus zum Opfer. So hat das Organisationskomitee des Dorffestes jüngst mitgeteilt, dass der Anlass «wegen Planungsunsicherheit im Zusammenhang mit dem Coronavirus» nicht stattfinden wird und um ein weiteres Jahr verschoben wird.

Alles in den Startlöchern

Für das Organisationskomitee, das sich mittlerweile seit knapp vier Jahren mit der Planung des Dorffestes befasst, sei es kein leichter Entscheid gewesen. «Wir haben uns extrem schwer getan», sagt OK-Präsident Marco Schmäh. Man habe sich erst gar nicht getraut, in diese Richtung zu denken. Denn mittlerweile seien die Finanzen geregelt und ein funktionierendes Standkonzept erarbeitet worden. «Nach vier Jahren Planung stand nun endlich alles in den Startlöchern und wir hätten eigentlich nur noch den Knopf drücken müssen», so Schmäh.

Dennoch habe es für das OK keinen anderen Weg gegeben, als das Dorffest nochmals um ein Jahr zu verschieben. Denn die Gesundheit der mitwirkenden Vereine sowie der Besucherinnen und Besucher hätte unter den aktuellen Umständen nicht gewährleistet werden können. Deshalb habe man das Fest «nicht durchboxen» wollen, sagt Schmäh. «Wir haben eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung. Unter den aktuellen Bedingungen hätten wir das Fest nicht mit einem guten Gefühl durchführen können.»

Zu grosses Risiko

Die Organisatoren standen wegen der Pandemie aber auch noch vor weiteren Problemen. Einerseits sei das OK bereits unter Zeitdruck geraten. Denn die Vorbereitungen für das Fest im kommenden Sommer hätten langsam beginnen müssen, sagt Schmäh. Die Organisatoren seien wegen der aktuellen Lage aber vor grossen Planungsunsicherheiten gestanden. Man wisse aktuell noch nicht, was in den kommenden Monaten noch alles komme, sagt Schmäh. «Und uns war das Risiko zu gross, dass der Bund wenige Tage vor dem Fest neue Massnahmen bestimmt und wir die Veranstaltung dann nicht durchführen dürfen.»

Wegen der aktuellen Coronalage habe er auch keine Versicherung gefunden, die das Dorffest versichert hätte. «Ich organisiere kein Fest in dieser Grössenordnung ohne Versicherung», sagt Schmäh. Von der Gemeinde Volketswil hätte das OK zwar eine Bewilligung für die Durchführung des Dorffestes erhalten – dies hätte jedoch nichts gebracht, da man die Vorgaben des Bundes nicht hätte einhalten können, so Schmäh. «Wir können unmöglich den ganzen Griespark einzäunen und die Besucherströme auf dem grossen Festareal mit zwei Eingängen steuern.»

Keine finanziellen Folgen

Andererseits habe man sich innerhalb des Komitees aber auch gefragt, ob die Verunsicherung in der Bevölkerung nächsten Sommer noch zu gross sei, für ein solches Fest. «Natürlich haben wir uns mit der Frage befasst, ob die Leute überhaupt kommen würden.» Denn der finanzielle Aufwand für die Durchführung des Dorffestes sowie der Buchung der Marktstände sei nicht unerheblich. «Wenn dann nur ein Drittel der erwarteten Besucher kommen würden, stehen wir schnell vor finanziellen Problemen», sagt Schmäh.

Mit der erneuten Verschiebung gebe es für den Verein denn auch keine Geldnöte. «Wir sind finanziell nicht gefährdet», sagt Schmäh. Die meisten Festsponsoren hätten positiv auf den Entscheid des OKs reagiert. «Uns erreichten viele Rückmeldungen und zahlreiche Sponsoren versicherten uns, dass sie auch 2022 noch dabei sind.» Auch von den Vereinen und Standbetreibern hätten rund ein Drittel bereits wieder zugesagt, sagt Schmäh. «Das gibt uns finanziell Luft.» Sollte sich ein Sponsor aber aufgrund der erneuten Verschiebung dafür entscheiden, seine finanzielle Unterstützung zurückzuziehen, werde der Verein Dorffest das einbezahlte Geld zurückzahlen.

Aufgeben ist keine Option

Weil die meisten Sponsoren dem Dorffest aber voraussichtlich treu bleiben, denken auch Schmäh und die weiteren Mitglieder des Organisationskomitee nach vier Jahren Planung und trotz des erneuten Rückschlages nicht ans Aufgeben. «Wir sind immer noch alle an Bord», sagt Schmäh. Seine persönliche Motivation sei aufgrund der erneuten Verschiebung sogar noch grösser geworden: «Jetzt will ich das Dorffest erst recht.»

Auch Neujahresapéro abgesagt

Die Gemeinde Volketswil bedauert die erneute Verschiebung des Dorffestes. Zwar sei das Fest nicht direkt ein Anlasse der Gemeinde, die Abteilung Sicherheit sei mit den Organisatoren aber in Kontakt gestanden und habe sie auf die Schutzkonzepte hingewiesen, wie Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (CVP) sagt. Den Entscheid des Organisationskomitees könne er nachvollziehen. «Die Planungsunsicherheit ist Gift für alle Anlässe.» Persönlich bedauere er den erneuten Ausfall des Festes. «Es ist absolut schade, denn es wäre wichtig, etwas Positives für die Bevölkerung auf die Beine zu stellen. Aber die aktuelle Situation lässt solche Feste leider nicht zu.»

Auch die Gemeinde musste aufgrund der neusten Massnahmen des Bundes handeln und hat den Neujahresapéro vom 2. Januar 2021 abgesagt. Man habe sich mit diesem Entscheid sehr schwer getan, sagt Pinto, der den Anlass als eines der «Highlights» im Jahreskalender bezeichnet. «Wir wollen mit den Bürgern am Neujahresapéro auf ein erfolgreiches neues Jahr anstossen. Mit den jetzigen Bestimmungen macht eine Durchführung aber keinen Sinn.» (kev)

 

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