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Bilanz des Dübendorfer Kleinkunst-Festivals

«Natürlich war es anders als in früheren Jahren»

Das «Chrüz & Quär»-Festival ist zu Ende. Hat Corona den Spass getrübt? Trugen die Zuschauer wie empfohlen ihre Masken? Und wie geht das Ganze finanziell aus? Marco Wieser, der stellvertretende Leiter des Kulturzentrums Obere Mühle, weiss es.

Thomas
Bacher
Dienstag, 29. September 2020, 19:03 Uhr Bilanz des Dübendorfer Kleinkunst-Festivals
Eigentlich lief alles gut. Ein Künstler jedoch musste seinen Auftritt wegen den Quarantäne-Bestimmungen absagen.
Thomas Bacher

Herr Wieser, wie lautet Ihr Fazit nach drei Wochen Kleinkunst-Festival «Chrüz & Quär»: War Corona der grosse Spielverderber?
Marco Wieser: Natürlich war es anders als in früheren Jahren. Von Katerstimmung aber keine Spur, im Gegenteil: Es war ein sehr schönes Festival, und alle Beteiligten waren erleichtert und glücklich, dass so etwas wieder möglich ist.

Aber war die Stimmung so unbeschwert wie früher bei solchen Anlässen?
Es gab schon Künstler, die Bedenken hatten. Viele haben lange keinen Auftritt mehr gehabt und waren unsicher, ob die Leute so locker drauf sein würden wie vor Corona. Und wie es sein würde, vor einem Publikum zu spielen, dessen Emotionen man aufgrund der Masken nicht lesen kann. Am Ende zeigte sich, dass die Sorgen unbegründet waren. Auch das Publikum war begeistert und zeigte das mit der einen oder anderen Standing Ovation.

Haben sich die Leute an die Maskenempfehlung gehalten?
Zwischen 80 und 95 Prozent trugen eine Maske. Ich denke, wenn man die Wahl hat zwischen Masken und einem erneuten Lockdown, dann muss man nicht lange überlegen, welche Variante man wählt.

«Wir haben die Abrechnung noch nicht erstellt, gehen aber davon aus, dass da am Schluss ein Minus sein wird.»

Der Vorverkauf lief schleppend. Haben die Ticketverkäufe kurz vor der jeweiligen Veranstaltung angezogen, wie Sie das im Vorfeld vermutet – oder vielmehr: gehofft haben?
Es gab Ausnahmen, aber für die meisten Abende war das der Fall. Mehrere Veranstaltungen waren praktisch ausverkauft. Wobei man berücksichtigen muss, dass wir die Anzahl Sitzplätze zum Vorjahr um 80 Stück reduziert haben.

Gab es auch schwache Abende?
Bei eher unbekannten Künstlern hat sich gezeigt, dass die Leute in der heutigen Situation wohl weniger dazu bereit sind, aufs Geratewohl eine Veranstaltung zu besuchen. Da konnten wir aber Gegensteuer geben und etwa über unsere Medienpartner Tickets verlosen, sodass die betroffenen Künstler dann doch noch vor einem ansprechend grossen Publikum spielen konnten.

Werden Sie einen finanziellen Verlust einfahren?
Wir haben die Abrechnung noch nicht erstellt, gehen aber davon aus, dass da am Schluss ein Minus sein wird.

Wäre es denn aus dieser Sicht nicht besser gewesen, das Festival abzusagen?
Nein. Wir haben als Kulturzentrum den klaren Auftrag, Kultur anzubieten. Und weil Bund und Kanton solche Veranstaltungen zulassen, kommen wir diesem Auftrag gerne nach. 

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