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Neue Corona-Massnahmen

Edelweissmasken auf dem Hofmärt

Mit der Maskenpflicht in Läden will der Kanton verhindern, dass Zürich zum Corona-Risikogebiet wird. Züriost ist in der Region an verschiedenen Schauplätzen unterwegs und berichtet darüber.

Redaktion
Züriost
Donnerstag, 27. August 2020, 07:26 Uhr Neue Corona-Massnahmen

Bis anhin galt die Maskenpflicht nur in öffentlichen Verkehrsmitteln. Neu kommen alle Läden und Einkaufszentren im Kanton Zürich dazu. Dazu gehören sowohl Supermärkte, Kleiderläden als auch kleine Bäckereien und Bücherläden. Auch in den Zürcher Clubs soll bei Partys ab 100 Personen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die neuen Massnahmen gelten aber nicht für alle öffentlichen Räume. Im Flughafen, an Bahnhöfen, in Bank und Post gilt weiterhin keine Maskenpflicht. Drei Personengruppen müssen keine Maske tragen: Kinder unter zwölf Jahren, Personen, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können und Verkaufspersonal, welches durch eine Plexiglasscheibe geschützt ist.

Züriost ist in der Region an verschiedenen Schauplätzen unterwegs und berichtet darüber, wie die neuen Massnahmen bei der Bevölkerung aufgenommen werden.

Hinwil: Hinwilcenter, 16 Uhr

«Oh, die Maske», sagt eine Frau, die mit ihrem Begleiter reinkommt und zieht ein Stoffstück aus dem Rucksack. Ihr Begleiter macht es ihr nach.

Sowohl bei der Ankunft aus dem Parkhaus als auch beim Haupteingang wird man mit einer Tafel auf die Maskenpflicht hingewiesen. Doch das Ehepaar hat nicht die Tafel, sondern andere Menschen mit Masken gesehen.

An diesem Nachmittag ist im Hinwilcenter niemand ohne unterwegs – ausser einem jungen Mann mit tätowierten Oberarmen, der schnellen Schrittes auf den Manor zusteuert. «Ich gehe jetzt grad eine kaufen», sagt er nervös.

Die Maskenpflicht stösst bei allen Befragten auf Akzeptanz. «Ich finde das sehr gut», sagt Stephanie Grieble aus Volketswil. «Man sieht ja, dass in Ländern, wo die Maskenpflicht schon länger gilt, die Zahlen nicht so ansteigen wie hier.»

Ihre Schwiegermutter, Ursula Schweizer, ist der gleichen Meinung. «Leider gibt es immer noch Ignoraten, die keine tragen», sagt sie. «Das sind dann die, die am Lautesten rufen, wenn sie sich anstecken.» Sie plädiert dafür, dass die Masken der Bevölkerung gratis zur Verfügung gestellt werden müssten. «Im Coop kosten 10 Masken 14.90, im Aldi 4.90. Da stimmt doch etwas nicht.» 

Ein Mann mit seiner Tochter an der Hand fährt die Rolltreppe hoch. Plötzlich wird er unsicher: «Muss mein Kind auch Maske tragen?» fragt er eine Frau. «Die Maskenpflicht gilt erst ab 12-Jährig», ist die Antwort.

«Super», findet die Maskenpflicht ein Ehepaar aus Dürnten. «Irgendetwas muss man ja machen. Das ist keine Schikane.» Es sei Zeit geworden für die Maskenpflicht, meint eine junge Frau. «Vorher waren die Leute unsicher, ob sie eine tragen sollen, wie in den ÖV», sagt sie. «Jetzt ist einfach klar, dass alle eine tragen müssen. Das finde ich eine gute Sache.» Sie arbeite bereits mit Maske, man gewöhne  sich schnell daran.

Das findet auch eine Frau im mittleren Alter, die mit ihrem Sohn unterwegs ist. «Wen es stört, der kann zu Hause bleiben. Es ist ja niemand gezwungen einkaufen zu gehen, sagt sie. «Heute kann man alles online bestellen.»

Wetzikon: Veloplus, 15 Uhr

Die Veloszene, die sich im Wetziker Veloplus trifft, scheint sich mit der Maskenpflicht nicht schwer zu tun. Vielleicht auch aus Gewohnheit nicht; denn Veloplus hat seit der Wiedereröffnung ein strenges Regime im Geschäft in Unterwetzikon installiert - klare Laufwege und eine Stop-/Go-Ampel am Eingang, die die Zahl der Kunden misst, gehört seit vielen Wochen zum Standard des Einkaufserlebnisses. Eine Verkäuferin des Ladens sagt denn auch, die heute eingeführte Maskenpflicht funktioniere bestens. «Renitente Kundinnen und Kunden hatten wir bislang gar nicht.» (kö)

Illnau-Effretikon: Hofmärt Adrian Kuhn, 13 Uhr

Bereits morgens ist der Hofmärt von Landwirt Adrian Kuhn in Bietenholz bei Effretikon gut besucht. Die Kunden, die um die Gemüseauslagen streifen, tragen allesamt eine Maske. An diesem Ort sind die Mediziner-Maskenträger allerdings in der Unterzahl. Hier setzt man auf Stoffmasken mit Edelweissmotiven, farbigen Tupfern und Batik-Mustern. Daneben: Die grünen Stoffmasken der Belegschaft. «Passend zum Logo», sagt Geschäftsführer Adrian Kuhn.

Er sah sich zu Beginn des Lockdown gezwungen, seinen Hofmärt in die grosse Lagerhalle zu zügeln – um die Abstände zu wahren. «Unsere Kunden stauten sich vor dem Laden, weil wir nur 6 Personen auf einmal reinlassen konnten», sagt Kuhn. Einige seien daraufhin ungeduldig und wütend geworden.

Engpässe gibt es am neuen Standort nicht mehr. In der Lagerhalle ist genügend Platz. Auch die Maskenpflicht nimmt die Kundschaft mehrheitlich gelassen. «Jetzt, wo man muss, geniert man sich wenigstens nicht mehr, eine zu tragen», findet eine Kundin aus Greifensee. Sie habe nämlich schon länger immer eine Maske dabei. «Mein Mann gehört zur Risikogruppe.»

Ein Ehepaar aus Schwerzenbach hat mit der Pflicht ebenfalls kein Problem. «Es ist höchste Zeit, dass das Obligatorium eingeführt wurde.» Auch im öffentlichen Verkehr wäre es von Anfang sinnvoll gewesen. Einzig ein jüngerer Kunde, der jeden Tag von Rapperswil nach Winterhur pendelt, empfindet die Pflicht als Belastung. «Eine Maske längere Zeit tragen zu müssen ist extrem unangenehm.»

Geschäftsführer Adrian Kuhn nimmt die Sache hingegen mit Humor. Seinen Eingang ziert der Spruch: «Sie zählen mit Abstand zu unseren besten Kunden.» Dass diese nun auch eine Maske tragen müssen, empfindet er als vertretbar. «Das sind ja im Schnitt nur 10 Minuten.» Die Tragepflicht werde sich wohl auch nicht negativ auf das Geschäft auswirken, so seine Einschätzung.

«Seit der Pandemie haben wir höhere Umsätze und einige Neukunden gewonnen.» Hier auf dem Hof gebe es genügend Platz und das suchten die Leute derzeit. Problematischer könnte sich längerfristig die unterschiedlichen Regulierungen der Kantone auswirken. «Vielleicht fahren einige Leute nun lieber in den Thurgau einkaufen, nur weil da noch keine Pflicht gilt.» Am besten würde man die Maskenpflicht deshalb gesamtschweizerisch einführen. (kel)

Maske tragen in der Bäckerei: Bei Steiner Beck in Fehraltorf gibts ein Warnschild vor der Tür. (Foto: kel)

Fehraltorf: Steiner Beck, 10.30 Uhr

Die Stimmung beim Steiner-Beck in Fehraltorf ist gelöst. Die Kunden, die sich an diesem Morgen vor dem Geschäft einfinden, halten brav einen Moment inne, um ihre Masken festzuzurren. Ein Schild vor dem Beck weist denn auch auf das Obligatorium hin. Dass nun Maskentrage-Pflicht herrsche, hätten die Kunden gut aufgenommen, sagt Geschäftsführerin Nadja Kunz. «Bis auf einige, die angeblich nicht wussten, dass ein Mundschutz nun obligatorisch ist.» So gebe es Kunden, die in das angegliederte Café sitzen wollten, aber vergessen eine Maske anzulegen, sobald sie das Geschäft betreten. «Bis sie am Tisch sitzen, gilt die Maskenpflicht», präzisiert Kunz.

Für die vergessliche Sorte von Kundschaft haben die Steinerfilialen indes vorgesorgt. Die ersten zwei Tage ab Einführung der Pflicht würden Masken gratis abgegeben. «Danach geben wir Masken für 50 Rappen raus», so Kunz. Während sich die Gäste den Mundschutz allerdings nur für einige Minuten tragen müssen, leidet das Beck-Personal. «Wir tragen die Masken nun bis zu neun Stunden am Tag», sagt Kunz. Sie achte aber darauf, dass ihre Angestellten regelmässig eine Pause einlegen können. «Das hält man sonst nicht lange aus.» (kel)

Uster: Einkaufszentrum Illuster, 9 Uhr

Die Anzahl Kunden ist an diesem Morgen hoch in der Migros im Obergeschoss. Die Maskendisziplin ist es ebenfalls. Sämtliche Kunden, die sich im Laden aufhalten, tragen Mundschutz. Nur eine junge Frau, die die Filiale soeben betreten hat, stört mit ihrem unbedeckten Gesicht das Bild – allerdings nur für kurze Zeit. Sie steuert umgehend auf den Kundendienst und bezieht dort ihre Maske zum Kaufpreis von 50 Rappen. «Ich habe vergessen, dass ab heute die Tragpflicht gilt», sagt sie. «Doch ich finde diese eine gute Sache, die 50 Rappen sind absolut angemessen.»

Nicht vergessen hat das Maskenobligatorium in Einkaufsläden eine junge Mutter, die ihren Sohn auf dem Arm trägt. Beide tragen Maske, seine ist aus Stoff. Die Mutter begrüsst die jüngste Massnahme des Kantons: «Die Zahlen steigen und einen zweiten Lockdown braucht wirklich niemand.» Der Kleine fremdelt derweil noch ein wenig mit seiner Gesichtsbedeckung. «Aber er kann sich jetzt als Gangster verkleiden, das geht schon», sagt die Mutter.

Zettel zur Registrierung

Das Migros-Restaurant im Erdgeschoss ist maskenfreie Zone. Die zwei älteren Damen, die sich dort aufhalten, zweifeln ohnehin am Sinn der Ausweitung des Obligatoriums. «Hier in Uster muss ich in den Geschäften eine Maske tragen, wenn ich in Rapperswil einkaufen gehe aber nicht – dieser Kantönligeist macht doch keinen Sinn», sagt eine der Anwesenden.  

Und auch eine weitere Verschärfung sorgt bei den Rentnerinnen für Nasenrümpfen: Die Registrierungspflicht in Restaurants, die auch die Migros-Kantine umfasst. «Das System ist unglücklich. Man kriegt Zettel ausgehändigt und diese muss man am Tisch ausfüllen und später in eine Box werfen. Das kontrolliert niemand und geht das eine oder andere Mal bestimmt vergessen», meint eine der Frauen. Für die beiden Besucherinnen ist die Registrierung im Migros-Restaurant ohnehin überflüssig: «Wir sind jeden Tag hier und man kennt uns.» (bro)

 

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Gewisse Aussagen von Befragten stimmen schlicht und einfach nicht.
Frankreich hat zum Beispiel schon länger eine strengere Maskenpflicht als wir in der Schweiz. Trotzdem steigen die Zahlen. Masken verhindern das nicht!