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Corona sei Dank

Plötzlich gibt es viele neue Mietwohnungen

Während Corona hat die Zahl der Mietobjekte in Schweizer Städten zugenommen. Was Mieterinnen und Mietern Hoffnungen macht, hat mit Airbnb zu tun.

Redaktion
Züriost
Samstag, 15. August 2020, 17:01 Uhr Corona sei Dank
Dank Corona werden weniger Wohnungen in der Stadt auf Airbnb gesucht.
Gaëtan Bally/Keystone

Erst die kreative Bewerbungsmappe zusammenstellen, danach Geduld bewahren in der langen Schlange bei der Wohnungsbesichtigung und dann doch wieder eine Absage erhalten: Das ist für viele Wohnungssuchende Alltag. In den grossen Städten in der Schweiz ist das Angebot an Mietwohnungen begrenzt. Doch nun gibt es leise Hoffnung für Mieterinnen und Mieter.

Denn die Raiffeisen-Ökonomen melden: In den städtischen Kantonen Zürich, Genf und Basel seien fast 20 Prozent aller Airbnb-Angebote innert Jahresfrist verschwunden. Heisst, dass in Zürich über 500, in Genf über 400 und in Basel über 250 ehemalige Airbnb-Wohnungen wohl dem Langzeitmietwohnungsmarkt zugeführt worden seien. «Diese Wohnungen sind eine willkommene Auffrischung für die ausgetrockneten städtischen Märkte mit Leerständen im Promillebereich», folgert Ökonom Martin Neff.

Doch es gibt ein Problem: Der Wohnungsmarkt bleibe auch mit diesen Wohnungen extrem dünn, sagt Neff. Es sei also nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Preise für Mietwohnungen kommen denn auch in den Städten nicht ins Rutschen.

Ganz anders verhält sich das Preisniveau generell in der Schweiz. «Raiffeisen rechnet damit, dass der aus dem Jahr 1998 stammende Rekordwert, eine Leerstandsquote von 1,85 Prozent, spätestens im kommenden Jahr übertroffen werden dürfte», heisst es in einer Mitteilung. Die Neumieten seien im zweiten Quartal um 0,4 Prozent zurückgegangen, die Bestandsmieten hätten leicht zugelegt. Der Druck auf die Neumieten wird damit noch weiter zunehmen. Heisst: Ausserhalb der Zentren lässt es sich künftig wohl günstiger wohnen.

Städtetouristen fehlen

Corona hat insbesondere den Städtetourismus fast zum Erliegen gebracht. Das zeigt sich exemplarisch bei der Hotellerie. Schweiz Tourismus meldet für die Sommerferien-Monate einen Rückgang von 2,5 Millionen Hotellogiernächten von ausländischen Gästen. Das entspricht einem Minus von 63 Prozent.

Die fehlenden Touristen werden für die Airbnb-Vermieter in den Städten nun ebenfalls zum Problem. Bis vor Corona konnten sie damit rechnen, dass die so vermieteten Wohnungen genügend nachgefragt werden, um damit mehr Geld zu verdienen, als wenn sie sie normal vermieten.

Gewisse Städte haben auf den Trend reagiert. In Basel und Genf gibt es Einschränkungen beim Vermieten von Wohnungen auf Airbnb. In Luzern und Bern ist die Politik ebenfalls daran, dies zu regulieren.

Die Raiffeisen stützt sich bei ihrer Untersuchung unter anderem auf die Analyse-Plattform Airdna. Laut den Zahlen der Plattform gab es beispielsweise in der Stadt Bern im zweiten Quartal 2019 fast 500 aktive Angebote. Ein Jahr später listet Airdna noch rund 370 auf. Das gleiche Bild in Basel, Luzern und Zürich. Überall gingen die angebotenen Wohnungen und Studios für Kurzzeitmieten zurück. Im zweiten Quartal 2019 des Kantons Zürich waren es 3955 aktive Angebote. Ein Jahr später noch etwas mehr als 3200.

Was man ebenso sieht: Die noch angebotenen Wohnungen auf Airbnb sind laut Airdna günstiger geworden. Dies hat auch damit zu tun, dass zentrumsnahe und deshalb teurere Wohnungen weniger angeboten werden. Entsprechend haben Wohnungen auf dem Land mehr Gewicht in der Berechnung des kantonalen Durchschnittswerts.

Weltweites Phänomen

Die Schweiz ist nicht allein mit dieser Entwicklung. Ein Blick in die Daten von Airdna zeigt: In vielen Städten der Welt sind weniger Angebote verzeichnet. Realistischerweise sind viele dieser Wohnungen auf dem normalen Wohnungsmarkt gelandet. Die Immobilienplattform Daft.ie meldete etwa für den März im Zentrum von Dublin, dass viele Airbnb-Wohnungen neu auf dem normalen Immomarkt gelandet sind: Anfang März seien 64 Prozent mehr kleinere Wohnungen als ein Jahr zuvor angeboten worden.

Auf dem Land sieht es übrigens laut Raiffeisen-Ökonom Martin Neff anders aus. Dort konnten gerade im Bündnerland und im Tessin Vermieter profitieren. Dorthin zog es die zahlungskräftigen Schweizer Touristinnen und Touristen, die abseits von Hotels nach Möglichkeiten suchten, ihre Ferien zu verbringen.

(Philipp Felber-Eisele)

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