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Die Medienkonferenz zum Nachlesen

Quarantäne soll mit Stichproben kontrolliert werden

Vertreter des Bundes informierten am Donnerstag über den aktuellen Corona-Stand. Wir haben die Übersicht.

Talina
Steinmetz
Donnerstag, 09. Juli 2020, 16:10 Uhr Die Medienkonferenz zum Nachlesen
Vertreter des Bundes gaben Einblick in die aktuelle Corona-Situation.
Keystone

Das Coronavirus hält die Schweiz weiter in Atem. Am Point de Presse vom Donnerstag informierten Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten, Bundesamt für Gesundheit (BAG), Linda Nartey, Vorsteherin des Kantonsarztamts des Kantons Bern, Michael Schöll, Vizedirektor Bundesamt für Justiz (BJ), EJPD, und Oliver Schärli, Leiter Arbeitsmarkt / Arbeitslosenversicherung, Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), über die aktuelle Situation.

Die allgemeine Lage


Kuster eröffnete die Medienkonferenz und erläuterte die aktuelle Situation. Die Fallzahlen scheinen sich diese Woche zu stabilisieren, zumindest im Vergleich zu letzter Woche. Trotzdem: «Der Anstieg der Zahlen ist spürbar und wird beobachtet.» Kuster hofft, dass sich die Lage unter Einhaltung der Massnahmen – Abstand, Masken, Händewäschen – weiter stabilisiert. Durch den Anstieg der positiv getesteten Personen würde auch die Zahl an hospitalisierten Personen zunehmen: 29 Personen befinden sich zurzeit auf der Intensivstation, 13 davon werden künstlich beatmet.

«Es gibt Häufungen in grossen Städten und Kantonen beispielsweise.»

Stefan Kuster, BAG

Wichtig sei auch die Reproduktionszahl R, so Kuster weiter. Diese liegt momentan bei 1.38 – das heisst, ein Infizierter steckt im Durchschnitt 1.38 Personen an. «Wenn es so weiter geht, werden die Fallzahlen kontinuierlich steigen. Es gilt also, den R-Wert flach zu halten.» Wünschenswert wäre ein Wert von 1.

Wüste Beschimpfungen 

Nicht nur zu den Zahlen kann Kuster Angaben machen – auch zu den Orten, wo man sich am ehesten mit dem Coronavirus infiziert. «Die Fälle sind nicht homogen verteilt. Es gibt Häufungen in grossen Städten und Kantonen beispielsweise.» Diverse Zusammenhänge, wie es zu einer Ansteckung kommen kann, würden geprüft, so Kuster weiter. Sicher ist, dass eine Infizierung in Clubs, an Beerdigungen oder sonstigen Ansammlungen wahrscheinlich ist.

«Contact Tracing wird dort eingesetzt, wo die anderen Massnahmen nicht umsetzbar sind.»

Linda Nartey, Vorsteherin Kantonsarztamts Bern

Diesbezüglich sei das Contact Tracing von grosser Wichtigkeit – und damit übernimmt Linda Nartey, Vorsteherin des Kantonsarztamts des Kantons Bern, das Wort. «Contact Tracing wird dort eingesetzt, wo die anderen Massnahmen nicht umsetzbar sind.» Jedoch sei das kein Allheilmittel und es gebe Herausforderungen, die zu Verzögerungen führen: Falsche Telefonnummer, unvollständige Angaben, zu späte Meldung. «Die Inhalte und Meldungen sind also zu verbessern. Ansonsten kann die Arbeit nicht richtig umgesetzt werden.»

Auch seien Mitarbeitende des Contact-Tracing-Teams schon wüst beschimpft worden, was die Arbeit zusätzlich erschwere. «Im Namen aller Kantonsärzte rufe ich die Schweizer Bevölkerung dazu auf, sich weiterhin, beziehungsweise wieder vermehrt, an die Massnahmen zu halten.»

Reisen ins Ausland & die Konsequenzen


Auch aus dem Ausland wird das Virus weiterhin importiert, wie Kuster sagt. So sind rund ¼ der aktuellen Coronainfektionen eingeschleppt worden. Er weist darauf hin, dass es für gewisse Länder nach wie vor Reisewarnungen gibt. Michael Schöll, Vizedirektor Bundesamt für Justiz (BJ), EJPD, äussert sich ebenfalls zum Thema Corona und Reisen.

Grundsätzlich könne der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer nicht verbieten, ins Ausland zu reisen. «Jedoch müssen sich die Arbeitnehmer einem bewusst sein: Reisen sie, in vollem Wissen um die Gefahren, in ein auf der Liste stehendes Risikoland, sind Probleme bei der Lohnfortzahlung sehr wahrscheinlich.»

«Wir müssen uns alle solidarisch zeigen.»

Stefan Kuster, BAG

Gleiches gilt bezüglich Krankentaggeld. «Fährt man in ein Risikoland und steckt sich, fallen die Taggelder während der Quaranänetage aus, da man das Risiko voll wissentlich eingegangen ist», sagt Schöll.

Stichproben erfolgen 

Wie Stefan Kuster vom BAG auf die Frage eines Journalisten sagt, werden keine flächendeckenden Quarantäne-Kontrollen eingeführt. Dies würde einer Grenzschliessung gleichkommen. Stichproben würden jedoch erfolgen. Und: «Wir bereiten uns aber besser auf die Qurantäneregel vor. Plakate, Flyer, Hinweise – das alles wird kommen.»

Er weist darauf hin, dass der Bund den Schweizerinnen und Schweizern die Verantwortung, richtig zu handeln, nicht abnehmen könne. «Wir müssen uns alle solidarisch zeigen. Ansonsten kann das Virus nicht eingedämmt werden.»

Der schweizerische Arbeitsmarkt


Oliver Schärli vom Seco gibt Auskunft über den Arbeitsmarkt in der Schweiz. Der Trend der langsamen Erholung würde sich fortsetzen. Im Juni verzeichnete das Seco rund 115‘000 Arbeitslose – im Vorjahres-Juni waren es 53‘000 Personen weniger.

Für die Erholung gebe es, neben saisonalen Effekten, drei Gründe. Einmal die Lockerungsmassnahmen. «Immer mehr Betriebe und Branchen kehren zum Normalalltag zurück.» Auch habe sich die Schweizer Wirtschaft «einmal mehr» robuster erwiesen, als man zu Beginn der Krise befürchtet hat. Und zuletzt wirken sich Kurzarbeitsentschädigungen und Wirtschaftskredite positiv auf den Arbeitsmarkt aus.

Für den März seien derzeit eine Milliarde Franken an Kurzarbeitszeitschädigungen ausbezahlt worden, deutlich weniger als erwartet.

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