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Züriost-Blog

Mit Helene Fischer und Pink Floyd im Techno-Bunker

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 08. Juli 2020, 11:00 Uhr Züriost-Blog

Ich tanze in einem schwarzen Keller. Alle paar Sekunden blitzt ein Strobo auf, nur dann sehe ich die Gesichter der Menschen um mich herum. Künstlicher Nebel erfüllt die Luft, dumpfer Bass prallt an den Wänden ab. Die Luft ist stickig, ich schwitze und der DJ ist hinter Gitterstäben. Die Musik wird lauter, der Bass härter.

Als ich das letzte Mal auf die Uhr geschaut habe, zeigte sie 3.21 Uhr an. Seither ist mein Handy in der Hosentasche – dieses zu benutzen, ist in diesem Berliner Club verboten.

So sieht das Ganze dann im Bewegtbild aus. (Video: Youtube.com) 

«Was zum Teufel», werden sich jetzt einige denken. Und ich gestehe, manchmal denke ich das von mir selber auch. Vor allem, wenn ich hie und da einen Blick auf meine Spotify-Playlist werfe. Würden die anderen Raver im Techno-Bunker diese sehen, würden sie mir vermutlich Hausverbot erteilen.

Denn: Auf meiner Playlist findet sich alles. Capital Bra trifft auf Helene Fischer, auf den Song «Du kleine Hure» von Apache207 folgt «Heaven» von Gotthard und nach Robbie Williams «Angels» kommt meist dumpfer Techno oder «Another Brick in the Wall» von Pink Floyd. 

Danke Mami & Papi, dass ich mit letzterem aufwachsen durfte. Viel Liebi dafür.

Auf die Frage «Was hörst du so?» antworte ich also immer wahrheitsgemäss mit «fast alles». Wird das für eine Standardantwort gehalten, präsentiere ich oben genannte Liste. Freunde, aber auch Familienangehörige, hatten schon regelmässig einen Musik-Kultur-Schock, als sie mit mir Auto gefahren sind. «Gopf eh, wer mischt Pink Floyd scho mit diesem deutschen Seich??», werde ich ab und zu gefragt

Der «deutsche Seich» für jene, die sich ein Bild machen wollen. (Video: Youtube.com) 

Eine rhetorische Frage, denn: Natürlich bin ich das, es ist ja meine Playlist. Aber: Es ist ein anderes Ich das Lust auf 80er hat, als jenes Ich, das aggressiven Deutschrap hört. Ersteres hat das Gefühl, es fährt in einem roten 69er Mustang irgendwo durch die Wüsten Nevadas, in Richtung Las Vegas, und kann von nichts auf der Welt gestoppt werden.

Zweiteres Ich hat gerade den letzten Satz Bankdrücken beendet – aber dieses Szenario kennen Sie ja bereits. Was noch öfter der Fall ist: Das zweite Ich fährt in seinem kleinen Opel Corsa, während der Bass übersteuert, rappt lauthals mit und hat das Gefühl, es sitzt in einem tiefergelegten BMW. Bis dann an der Ampel einer komisch hinüberschaut.

Musikgeschmäcker können sich also nicht nur von Person zu Person unterscheiden, sondern auch bei einer einzelnen Person ganz unterschiedlich ausfallen, je nach Gemütslage. Das kann zwar nervig sein – zum Beispiel, wenn man als Beifahrer zu Gotthards «Heaven» eingeschlafen ist und man dann mit «Meine Straße, mein Zuhause, mein Block, mein Block» von Sido aus dem Schlaf gerissen wird.

Jedoch behaupte ich, Personen wie ich sind am unkompliziertesten, was das Nachtleben, Homepartys und lange Autofahrten angeht. Ein Rap-Konzert? Hell yeah. Techno-Party? Sofort. Reggaeton-Ride? I’m in! 80er-, 90er- und 2000er-Homeparty? Bring it on!

Solltet ihr euch also jemals fragen «Hä, ist die kleine Schwarzhaarige da nicht die aus dem Techno-Bunker?», während sie im Dirndl in Richtung Oktoberfest hüpft: Ja. Es ist sie. Und aus ihren Kopfhörern dröhnt in diesem Moment weder Techno noch Schlager. 

Talina Steinmetz kann nie lange stillsitzen. Spontane Motorradausflüge, längere Sporteinheiten und dicke Bücher zu lesen, sind ihre Lieblingsbeschäftigungen. Ein Wochenende einfach nur zu Hause verbringen? Langweilig. Montags trotzdem fit zu sein, ist ihre Stärke. Und falls das mal nicht der Fall sein sollte, helfen Fotos von Babybüsis oder das Schreiben eines Blogs.

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