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Züriost-Blog

Kambly und die Bestechungsgeschenke

David
Kilchör
Sonntag, 05. Juli 2020, 09:56 Uhr Züriost-Blog

Ich möchte diesen Blog der Firma Kambly widmen. Sie macht mich in unregelmässigen Abständen glücklich, indem sie mir kleine Pakete mit Bestechungszuwendungen zustellt. Meist handelt es sich dabei um neue Produkte, die sie lancieren will – und vermutlich glaubt sie, ich würde einen schlauen Dreh finden, um diese in meine Artikel einzubauen.

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Ist aber gar nicht so einfach. Seit Kambly mich besticht, überlege ich mir bei all meinen Terminen, ob und wie ich meine Interviewpartner über ihre Haltung zu Kambly-Produkten befragen kann. Da muss man recht subtil vorgehen, um allfälligen Bestechungsvorwürfen vorzubeugen. Laut gedacht, könnte ich es bei Gossaus Gemeindepräsident Jörg Kündig - angenommen, ich befrage ihn zu einer fiktiven Baustelle – etwa so machen: «Herr Kündig, haben Sie schon mal darüber nachgedacht, den Bauarbeitern gratis Kambly-Produkte zum Znüni anzubieten?» Und er dann vielleicht: «Die Idee ist toll. Kambly sind wahnsinnig gute Guezlis und machen müde Strassenbauarbeiter munter.» Okay, das ist zu werberisch, das müssen wir noch überarbeiten.

Vielleicht bekäme Herr Kündig nach einem etwas geschliffenerem Namedropping in Zukunft auch Kambly-Produkte zugeschickt – in der Hoffnung, dass er bei öffentlichen Ansprachen, im Kantonsrat oder an der Gemeindeversammlung ab und zu das Wort Kambly fallen lässt. «Guten Abend, liebe Gossauerinnen und Gossauer. Ich hoffe, Sie haben alle ein Kambly-Guezli genossen, bevor Sie zur Versammlung gekommen sind. Das regt die grauen Zellen an, hält wach und munter.» Immer noch zu werberisch, stimmt. Aber wir finden schon eine Lösung.

Auffällig ist übrigens auch, was mir die Firma für Funktionen zudenkt. So sind die Pakete jeweils an den stellvertretenden Chefredaktor und Wirtschaftsressortleiter David Kilchör adressiert. Die Funktion ist zwar kreuzfalsch, aber dafür stimmt der Name – was ich auch nicht immer voraussetzen kann. Und dass Kambly eine angemessene und realistische Einschätzung meines Karrierepotenzials wagt, rechne ich der Firma durchaus hoch an.

Möglich, dass die Pakete an Herrn Kündig alsbald mit der Adressierung «Regierungsrat / Gesundheitsdirektion» nach Bertschikon gelangen werden. Das sollte er allerdings nicht in den falschen Hals bekommen, ist es doch lediglich eine angemessene und realistische Einschätzung seines Karrierepotenzials.

So sind sie bei Kambly. Nicht nur grosszügig, sondern auch weitsichtig.

David Kilchör bestreitet seinen Blog wie sein Leben: Ohne Plan, ohne Themenschwerpunkt. Dafür mit viel Vertrauen, dass es trotzdem gut kommt. Oder zumindest nicht im Desaster endet. Und wenn es doch im Desaster endet, macht er daraus seinen nächsten Blogeintrag.

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