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Pflegerin stirbt im Zoo Zürich

Das Tigerweibchen soll im Zoo bleiben

Der tödliche Angriff im Zoo Zürich hat laut den Betreibern keine Konsequenzen für das Tier. Das Tigerweibchen sei bloss seinen Instinkten gefolgt.

Redaktion
Züriost
Sonntag, 05. Juli 2020, 13:50 Uhr Pflegerin stirbt im Zoo Zürich
Ein Tiger des Zoo Zürichs attackierte eine Pflegerin und tötete sie dabei.
Symbolbild: Keystone

Am frühen Samstagnachmittag griff im Zoo Zürich Tigerweibchen Irina eine Pflegerin an. Für die 55-Jährige kam jede Hilfe zu spät, sie verstarb noch vor Ort. Abklärungen von Staatsanwaltschaft und Stadtpolizei Zürich haben in der Zwischenzeit ergeben, dass ein Arbeitsunfall im Vordergrund steht.

Für das Tier hat der Vorfall keine Konsequenzen, wie der Zoo am Sonntag mitteilte: Das Tigerweibchen sei auch nicht sediert worden, sondern befinde sich wieder in der vertrauten Umgebung. Es handle sich um ein Wildtier, das ausschliesslich seinen natürlichen Instinkten gefolgt sei – und eine Person in der Anlage empfinde dieses als Eindringling in seinem Territorium.

Warum sich Pflegerin und Tigerin zur gleichen Zeit im Gehege aufhielten, ist noch nicht geklärt. Denn eigentlich werden Tiger ohne direkten menschlichen Kontakt gepflegt, was bedeutet, dass sich Tier und Mensch nie zur gleichen Zeit im gleichen Raum aufhalten dürfen. Unklar ist auch noch, warum die Amurtigerin den Angriff startete.

Zeugenaufruf

Nach dem tödlichen Angriff eines Tigers auf eine Tierpflegerin sucht die Stadtpolizei Zürich Zeuginnen und Zeugen. Personen, insbesondere Zoobesuchende, die sich am Samstagnachmittag, 4. Juli 2020, zwischen 13.00 und 13.30 Uhr im Bereich der Tigeranlage aufgehalten haben und Beobachtungen im Zusammenhang mit dem tragischen Vorfall gemacht haben, werden gebeten, sich bei der Stadtpolizei Zürich, Tel. 0 444 117 117, zu melden.

Samuel Furrer, Leiter der Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz, stellt in der «NZZ am Sonntag» klar, dass der Angriff nichts mit einer falschen Haltung zu tun habe. Der Zoo, für den Furrer einmal gearbeitet habe, werde regelmässig begutachtet. Furrer glaubt vielmehr: «Der Tiger folgte seinem Instinkt.» Da sich ein anderes Lebewesen in Irinas Revier befunden habe, sei der Angriff als normale Reaktion zu verstehen. «Man kann dem Tiger keinen Vorwurf machen», so der Experte weiter.

Auch Angstreaktion möglich

Als der Angriff des Tigerweibchens auf die Pflegerin in der internen Notfallstelle einging, machte sich eine Gruppe Tierpfleger auf den Weg zur Anlage. Ihr gelang es, Tiger Irina mit Rufen vom Opfer weg- und in den Stall zu locken. Für den deutschen Tierverhaltensforscher Immanuel Birmelin deutet dies darauf hin, dass der Angriff eine Angstreaktion war, wie er in der Zeitung betont. Ansonsten hätte der Tiger nicht so leicht von der Pflegerin losgelassen.

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