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Zusammen den Alltag erledigen

«Min Bruef» mit Pflegedienstleiterin Judith Käppeli

Zusammen den Alltag erledigen

Als im März in sämtlichen Schweizer Städten von den Balkonen geklatscht wurde, war dieser Applaus auch an Judith Käppeli adressiert. Die Pflegedienstleiterin im Pfäffiker Alterszentrum Sophie Guyer erzählt, wie die Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Thema Tod umgehen und was sie sich für die Zukunft der Langzeitpflege wünscht.

Sebastian
Schuler
Dienstag, 30. Juni 2020, 14:27 Uhr «Min Bruef» mit Pflegedienstleiterin Judith Käppeli

Für die Ustermerin Judith Käppeli war schon früh klar, wo es sie beruflich hinführt. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte sie die Ausbildung in einem Altersheim und machte direkt danach ihren Abschluss als diplomierte Pflegefachfrau an der Höheren Fachschule Pflege. Seit einem Jahr ist die 29-Jährige nun im Alterszentrum Sophie Guyer in Pfäffikon als Pflegedienstleiterin angestellt. «Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, da ich sehr gerne mit Menschen zusammenarbeite, den Kontakt zu den älteren Personen schätze und ihnen auch im Alltag helfen möchte», sagt sie.

Die Beziehungen, welche die Pflegenden zu den Altersheimbewohnerinnen und -bewohner aufbauen, gehören für Käppeli auch zu den schönsten Momenten, die sie während ihrer Tätigkeit erlebt. «Es ist sehr spannend, wenn sie Geschichten aus ihrem Leben erzählen.» Auch die Dankbarkeit, welche ihnen von den Bewohnern und ihren Angehörigen entgegengebracht wird, sei ein schöner Bestandteil ihres Jobs. «Natürlich hat man nicht zu allen Altersheimbewohnern die gleiche Beziehung, das ist sehr individuell. Wie überall kommt man mit manchen Personen besser aus als mit anderen», sagt Käppeli. Es sei deshalb vor allem wichtig, dass man zusammen den Alltag erledigen könne.

Verschiedene Herausforderungen

Zum Alltag im Altersheim gehört es aber auch, mit dem Tod in Berührung zu kommen. «Wir werden immer wieder mit diesem Thema konfrontiert», sagt Käppeli. Zwar lerne man in der Ausbildung, wie man damit umgehen könne. «Wenn es aber soweit ist, kommt es immer auch darauf an, welche Beziehung man zu den Verstorbenen hatte und wie sie dahingeschieden sind.» Ein weiterer anspruchsvoller Aspekt im Umgang mit dem Tod stelle die Trauer der Altersheimbewohner dar. Die meisten der knapp 115 Bewohner und Mieter stammen aus Pfäffikon und kennen sich untereinander. So sei es für das Pflegepersonal oft die grössere Herausforderung, wie die Menschen im Heim damit umgehen, sagt Käppeli.

Eine andere Herausforderung, die im Pflegebereich immer grösser wird und der sich auch immer mehr Altersheime stellen müssen, ist der Fachkräftemangel. «Wir sind auf gut ausgebildetes Fachpersonal angewiesen und das ist heutzutage schwer zu finden», sagt Käppeli. Einen Grund für den fehlenden Berufsnachwuchs sieht sie in den Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, die mit Wochenend-, Nachtdienst und geteilten Diensten nicht immer einfach sind. «Auch geniesst die Langzeitpflege nicht denselben Stellenwert, den etwa die Pflege im Spital hat.»

Akzeptanz und Hilfsbereitschaft

Dies habe sich mit der Situation rund um das Coronavirus aber verändert. Gerade zu Beginn habe man von der Pfäffiker Bevölkerung und den Unternehmen aus der Region sehr viel Wertschätzung erfahren und dem Personal wurde für dessen Einsatz gedankt. So erinnert sich Käppeli noch sehr gut, als dem gesamten Pflegepersonal applaudiert wurde. «Wir sassen gerade beim Mittagessen draussen und bei den Mietwohnung standen alle Mieter auf den Balkonen und haben geklatscht. Das war sehr berührend.»

Allgemein hat Käppeli das Gefühl, dass durch die Coronakrise im Altersheim das Kollektiv an Bedeutung gewonnen habe. «Plötzlich waren Sachen möglich, die man vorher für unmöglich gehalten hat. Und auch wenn die Bewohnerinnen und Bewohner die ganze Situation und die Massnahmen nicht immer komplett verstanden haben, kam auch von ihrer Seite viel Akzeptanz und Hilfsbereitschaft.»

Zwar merkt Käppeli, wie durch die zunehmende mediale Berichterstattung über die Situation in den Altersheimen nun auch Druck aufgekommen ist. Sie wünscht sich aber, dass sich das Ansehen der Pflegenden und besonders der Langzeitpflegenden langfristig verändert hat und wieder mehr junge Menschen sich für diesen Beruf interessieren und die schönen Seiten der Alterspflege kennenlernen dürfen.

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