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Testflüge von Dübendorf aus

Neues Assistenzsystem macht Anflüge leiser

Der Landeanflug von Flugzeugen kann ruhiger und mit weniger Treibstoffverbrauch erfolgen. Das zeigen die Ergebnisse der Forschungsflüge, bei denen im letzten Herbst ab Dübendorf ein neues Assistenzsystem getestet wurde.

Redaktion
Züriost
Dienstag, 23. Juni 2020, 07:40 Uhr Testflüge von Dübendorf aus

Während rund einer Woche startete und landete im vergangenen September auf dem Flugplatz Dübendorf ein Airbus A320 mit einer speziellen Mission. Mithilfe des Forschungsflugzeugs «Atra» des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) testeten Forschende ein System, das Piloten helfen soll, Flughäfen leiser und treibstoffärmer anzufliegen.

Die Testpiloten flogen dafür die Piste 14 des Flughafens Zürich an, brachen den Anflug jeweils in einer Höhe von 300 Metern ab, um wieder anzusteigen und nach einer Schleife wieder zum Anflug anzusetzen. Nach rund neun bis zehn solcher Runden landete das Forschungsflugzeug wieder in Dübendorf. Hier war der Stützpunkt der Forschungsreihe, bei der Forschende der Stiftung Skylab, des DLR sowie der Empa das neuartige Assistenzsystem LNAS (Low Noise Augmentation System)  testeten.

Nun liegen die Ergebnisse der Testflüge vor. Und sie zeigen laut den Forschenden, dass mit dem System geräusch- und treibstoffärmere Landeanflüge möglich sind. Die Piloten, die mit dem System unterwegs waren, hätten den Sinkflug viel einheitlicher und exakter geflogen, als ihre Kollegen, die beim Test ohne LNAS unterwegs waren.

Weniger Lärm über 300 Meter Flughöhe

Die Auswertung habe gezeigt, dass die Piloten die Landungen auf dem Flughafen Zürich sehr unterschiedlich fliegen. Dabei würden vor allem Anflüge als störend empfunden, bei denen das Fahrwerk zu früh ausgefahren werde oder stark abgebremst werden müssen.

Das neue Assistenzsystem helfe den Piloten, solche «Ausreisser» zu vermeiden. Die Software meldet jeweils, wann sie sinken und wann sie das Fahrwerk ausfahren sollen. Dadurch sei ein Continuous Descent Approach (CDA), also ein kontinuierlicher Sinkflug möglich, wie auf einer Rutschbahn.

Das neue System hilft den Piloten, «Ausreisser» zu vermeiden. 

Mit der deutlich gleichmässigeren Anfluggeschwindigkeit mussten beispielsweise die Bremsklappen nie ausgefahren werden, wodurch die besonders störenden Ausreisser vermieden wurden. Laut den Forschenden waren so auch die lautesten Anflüge der Testreihe mit dem LNAS um bis zu drei Dezibel leiser als die Vergleichsflüge. Dies entspreche einer wahrnehmbaren Lärmverringerung um etwa ein Drittel.

Bezüglich Lärmbelastung würden dabei aber vor allem etwas weiter vom Flughafen entfernte Gebiete profitieren. Die optimierten Anflüge führten nur über einer Höhe von 300 Metern zu weniger Lärm, weshalb er etwa in Süddeutschland weniger zu hören war. In Gemeinden, die näher als sechs Kilometer am Flughafen liegen, dürfte von der Lärmreduktion dagegen wenig zu spüren sein.   

In Autopilot integrieren

Einen positiven Effekt hat der optimierte Landeanflug auch auf den Kerosinverbrauch. Laut den Testergebnissen sparten die Piloten mit LNAS durchschnittlich 8,9 Kilogramm Treibstoff auf den letzten knapp 50 Kilometern ein. Hochgerechnet auf alle A320-Flüge der Swiss könnten so jährlich rund 500 Tonnen Kerosin eingespart werden.

Die Forschenden verfolgen nun das Ziel, das LNAS fix in das Navigationssystem von Verkehrsflugzeugen zu integrieren. So könnte bereits in einigen Jahren der Autopilot einen optimierten Landeanflug vollkommen selbstständig ausführen.

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Die Idee ist richtig gut, ich verfolge das auch. Jetzt kommt das grosse 'ABER'. Technisch gesehen fängt ein guter Anflug schon weit weg an. Während den Stosszeiten, wenn das Flugzeug schnell sinken soll oder die Geschwindigkeit stark reduzieren muss, dann braucht es die Klappen und das Fahrwerk.
Jetzt, inmitten der Corona-Zeit, hätte man mit so wenigen Flugbewegungen viel, viel Platz und Zeit, die leisen Anflüge zu Trainieren. Dem ist aber nicht so, leider! Hauptsächlich ausländische Crews versuchen leise rein zu kommen, die Swiss interessiert das herzlichst wenig.
Selbst der Flughafen Zürich versteht nicht, dass es zu dieser verkehrsarmen Zeit doch noch so viele 'Ausreisser' gibt. (PS: Bin Schweizer, in Kloten aufgewachsen und wohne jetzt in Hohentengen. Ich bin KEIN Fluglärmgegner, ich verstehe einfach nicht, warum man (Swiss) diese Zeit nicht besser nutzt)