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Wiederöffnung nach Lockdown

Freude und Vorsicht bei Volketswiler Barbetreibern

Nach den jüngsten Lockerungen des Bundesrates können auch die Volketswiler Bars wieder öffnen. Die lokalen Betreiber gehen damit aber unterschiedlich um.

Kevin
Weber
Freitag, 05. Juni 2020, 12:49 Uhr Wiederöffnung nach Lockdown

Lange stand das Nachtleben wegen der Corona-Pandemie still. Vor allem Bars und Clubs waren von den Massnahmen des Bundes im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Kürzlich gab der Bundesrat jedoch grünes Licht. Bars dürfen wieder ihre Türen öffnen und ab Samstag können auch Nachtclubs wieder den Betrieb aufnehmen.

Doch die Betreiber müssen sich immer noch an einschneidende Massnahmen halten. Das Schutzkonzept von Gastro Suisse, das Sprachrohr eidgenössischer Anbieter gastronomischer Dienstleistungen, sieht neben Hygienemassnahmen, verbotenen Stehplätzen, keiner Vermischung der Gäste, Sperrstunde um Mitternacht, der Platzierung auf Vierer-Tischen und das Einhalten eines Zwei-Meter-Abstandes als oberstes Gebot.

«Nicht lukrativ»

Die Volketswiler Betreiber nehmen die neusten Lockerungen mit gemischten Gefühlen auf. Monika Koller von der Jay Apero Bar an der Feldhofstrasse plant die Wiederöffnung auf den 10. Juni. «Natürlich mit Desinfektionsmittel und Liste, in die sich die Gäste eintragen sollen», sagt sie. Zudem werde die Theke abgesperrt, damit sich niemand an die Bar setze. Sie freue sich den Betrieb wieder aufnehmen zu können, sagt Koller. «Ich habe während der Pause viel Feedback von unseren Stammgästen bekommen. Viele brennen darauf, dass wir wieder öffnen.»

«Die Abstandsregeln sind das grösste Problem.»

Georg Albrecht, Inhaber vom Eventlokal Java4

Anders sieht es Georg Albrecht vom Eventlokal Java4, das drei Objekte in einem Lokal hat - einen Barbetrieb, ein bedientes- sowie ein Selbstbedienungsrestaurant. «Die Abstandsregeln sind das grösste Problem», sagt er. Die Bar sowie das bediente Restaurant bleiben deshalb bis auf weiteres geschlossen. Einzig für grössere Gruppen, wie beispielsweise am Samstag für eine private Geburtstagsparty, öffnet Albrecht den Barbetrieb aktuell. «Wenn ich den Betrieb nach dem geltenden Schutzkonzept ausrichten würde, hätte ich Platz für etwa 14 Gäste. Das ist nicht lukrativ.»

Vom Selbstbedienungsrestaurant profitiert

Seit dem 11. Mai ist im Java4 nur das Selbstbedienungsrestaurant wieder offen, sagt Albrecht. «Das ist zurzeit unsere Haupteinnahmequelle. Dementsprechend haben wir auch das Restaurant neu eingerichtet, um diesem Geschäftsbereich mehr Platz zu verschaffen.»

Die Bar bleibt geschlossen. Georg Albrecht hat im Java4 lediglich das Selbstbedienungsrestaurant geöffnet.

Profitieren konnte das Java4 dabei vom Standort, da sich das Lokal in der Nähe von mehreren grossen Firmen befindet. «Das kommt uns ab kommender Woche erneut entgegen. Dann können auch wieder Gruppen ab vier Personen am Tisch sitzen und zu Mittag essen», so Albrecht.

«Nach den ersten Lockerungen hätten wir lediglich einen Umsatz von 20 Prozent erarbeiten können. Das wäre nicht rentabel gewesen.»

Monika Keller, Inhaberin der Jay Apero Bar

Damit hatte es Albrecht etwas einfacher als Koller, die ihre Bar seit dem 17. März geschlossen hat. Sie verstehe die Massnahmen des Bundes sagt sie. «Trotzdem hätten wir nach den ersten Lockerungen lediglich einen Umsatz von 20 Prozent erarbeiten können. Das wäre nicht rentabel gewesen.» Durch die jüngsten Lockerungen sei aber auch für die Jay Bar wieder ein Betrieb mit Platz für etwa 40 Gäste möglich.

Wasserschaden und glimpfliches Ende

Auch die Zeit während des Lockdowns haben die Betreiber unterschiedlich genutzt. Er habe grösstenteils Ferien vor- und nachgeholt, sagt Albrecht. In der freien Zeit habe er sich einige Gedanken gemacht. «Ich bin über die Bücher gegangen und habe den gesamten Betrieb überarbeitet und hinterfragt.» Denn im August sollten eigentlich die neuen Lehrlinge mit ihrer Ausbildung beginnen. «Es ist deshalb zu hoffen, dass es schnellstmöglich wieder die Normalität einkehrt.»

In der Jay Apero Bar gab es während dem Lockdown einen Wasserschaden. Nun sollen wieder Gäste einkehren.

Monika Koller hatte dagegen ganz andere Sorgen. «Wir hatten im April einen Wasserschaden. Deshalb mussten wir zuerst drei Wochen lang den Boden trocknen und danach einen neuen einbauen.» Das dafür benötigte Geld wollte sie eigentlich in neue Bänke im Aussenbereich investieren. «Dieses Vorhaben mussten wir aufgeben und die Bänke selber machen.» Trotzdem habe sie die Zwangspause finanziell zu spüren bekommen. Die Kurzarbeit und das Entgegenkommen ihres Vermieters, der ihr eine Monatsmiete erliess, hätten ihr aber geholfen. «Hätte der Lockdown aber noch länger angedauert, wäre es kritisch geworden.»

Georg Albrecht vom Java4 sorgt sich weniger um die Finanzen. «Das vergangene Jahr verlief sehr gut. Deshalb können wir den finanziellen Ausfall während des Lockdowns stemmen.» Er sei aber froh, dass das Java4 bereits wieder Anfragen für Bankette erhalten habe. «Somit können wir sagen, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind.»

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