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Geschäftsbericht 2019

ZO Medien AG verdoppelt Ergebnis trotz schwierigem Jahr

Die ZO Medien AG blickt auf ein durchzogenes Jahr zurück, das dank grosser Anstrengungen in der Kosteneffizienz letztlich in einem positiven Resultat mündete. Doch Corona dürfte dem Unternehmen zusetzen.

Jörg
Marquardt
Freitag, 01. Mai 2020, 18:24 Uhr Geschäftsbericht 2019
Die ZO Medien AG wird wohl nächstes Jahr ihren Neubau starten.
Archiv

Durch das Perspektiv der Coronakrise scheint das letzte Geschäftsjahr in weite Ferne gerückt. Das gilt auch für die Zürcher Oberland Medien AG mit Sitz in Wetzikon. Die Pandemie stellt alles auf den Kopf und setzt ein Fragezeichen hinter das Erreichte und Angestrebte. Im März gingen die Anzeigenerlöse um gut 25 Prozent zurück, im April sogar um etwa 45 Prozent. Dieser Einschnitt bleibt nicht ohne Folgen für die Dividende, die zuletzt 40 Franken pro Aktie betrug (siehe Interview).

Der Druck infolge rückläufiger Werbeumsätze hat durch die Krise jüngst eine neue Qualität angenommen. Er ist aber ein alter Bekannter in der Medienbranche. Bei der ZO Medien AG verringerten sich die Umsätze seit der Jahrtausendwende um 40 Prozent, wie Verwaltungsratspräsidentin Karin Lenzlinger und CEO Dani Sigel im Vorwort zum Geschäftsbericht 2019 schreiben. Sie gehen davon aus, dass der Druck anhält.

Rückläufiger Ebitda, aber besseres Jahresergebnis

Gegenüber dem Vorjahr verzeichnet das Unternehmen einen operativen Umsatzrückgang von fast 10 Prozent auf 23,3 Millionen Franken. Rechnet man den «Winterthurer Stadtanzeiger», von dem sich die ZO Medien AG Ende 2018 getrennt hat, als Bezugsgrösse heraus, beträgt der Rückgang noch rund 6 Prozent.

Beim operativen Ergebnis (Ebit), der Aufschluss über die Ertragskraft vor dem Abzug von Zins- und Steuererträgen gibt, kann der Aufwärtstrend aus dem Vorjahr nicht fortgesetzt werden: Der Ebit sank von knapp 1,2 Millionen Franken auf rund 990‘000 Franken. Die Ebit-Marge, die Aufschluss über die Rentabilität gibt, verringerte sich um 0,4 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent.

Der Ebitda, der aus dem Ergebnis noch die Abschreibungen herausrechnet, betrug 2019 rund 1,5 Millionen Franken. Das entspricht einem Rückgang um knapp 400‘000 Franken – bei einer Ebitda-Marge von 6,4 Prozent (im Vorjahr: 7,2 Prozent).

Trotz dieser rückläufigen Entwicklung konnte die ZO Medien AG mit rund 1,3 Millionen Franken das Jahresergebnis mehr als verdoppeln (im Vorjahr: 631‘000 Franken). Ausschlaggebend hierfür war zum einen die Performance der Wertschriften, die das Medienunternehmen zur Investition in sein Neubauprojekt veräussert hat.

Abbruch geht wohl im April 2021 los

«Die Vorbereitungsarbeiten für den Neubau ‚Newsstreet One‘ laufen bisher planmässig», sagt CEO Dani Sigel. Sofern nichts Unvorhergesehenes passiere, könne im April 2021 mit dem Abbruch begonnen werden.

2019 entfielen 42,4 Prozent der Gesamterlöse auf die Einnahmen der Abonnements (im Vorjahr: 39,6 Prozent). Den Löwenanteil stellten die Printabos mit 96,8 Prozent vor den Digitalabos (E-Paper und Züriost). Die Zahl der E-Paper-Abos verbesserte sich im selben Zeitraum von 967 auf 992, was einem Anstieg von 2,6 Prozent entspricht. Im Falle der Printabos setzte sich die abnehmende Tendenz der letzten Jahre fort: Gegenüber 2018 sank die Auflage des ZO/AvU (ohne «Tößthaler») um gut 900 Exemplare.

Regio fängt Glattaler auf

Schlüsselt man die Erlöse aus den Abonnements, Inseraten und anderen Einnahmequellen auf die einzelnen Geschäftsfelder auf, ergibt sich folgendes Bild:

Auf den ersten Blick scheinen die Wochenzeitungen die grössten Erlöseinbussen verzeichnet zu haben. Insgesamt lag der Rückgang hier bei 39,4 Prozent auf neu 3,7 Millionen Franken (im Vorjahr: 6,2 Millionen). Diese Entwicklung war aber massgeblich bedingt durch die Aufgabe des «Stadi» sowie durch die Ausgliederung des «Tößthalers» aus diesem Profitcenter. Darüber hinaus trug die Abnahme von amtlichen Publikationen beim «Glattaler» zum schlechteren Abschneiden bei. Allerdings konnte das «Regio» mit einer Deckungsbeitragsmarge von 6,7 Prozent die negative Performance beim «Glattaler» auffangen.

«Tößthaler» im Hoch

Der «Tößthaler», der rückwirkend per 1. Januar 2018 erworben worden war, konnte den Nettoerlös gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent auf gut 870‘000 Franken steigern. Durch die konsequente Einbindung in die Unternehmensstruktur kam es jedoch zu einer Aufwandssteigerung um 5,7 Prozent. «Optimale Synergien, nur leichte Anpassungen des Produktes und ein funktionierender Mikrokosmos im Tösstal führen bisher dazu, dass diese Zeitung sowohl im Werbe- wie auch Lesermarkt sehr stabil ist», sagt CEO Sigel.

Bei den Tageszeitungen ging der Nettoerlös vergleichsweise wenig zurück, und zwar um 6,1 Prozent auf gut 20,2 Millionen Franken. Die Geschäftsleitung weist aber darauf hin, dass der Deckungsbeitrag durch verschiedene Verkaufsmassnahmen und durch eine Verbesserung der Kosteneffizienz auf einem ansprechenden Stand gehalten werden konnte.

Das Profitcenter Digital entwickelte sich erwartungsgemäss und steigerte den Erlös um gut 10 Prozent. Im selben Zeitraum erhöhten sich die Aufwände nur um 3,5 Prozent. Für das kommende Geschäftsjahr wird ebenfalls eine Erlössteigerung budgetiert.

«Es ist noch ein weiter, spannender und anstrengender Weg zum Breakeven.»

Dani Sigel, CEO ZO Medien AG

Allerdings räumt die Geschäftsleitung ein, dass es weiterhin eine Finanzierungslücke zwischen der Abnahme der Printleser und den neuen Abonnenten im digitalen Bereich gibt. Diese Lücke werde jedoch kontinuierlich kleiner. Dazu sollen weitere Preisänderungen beitragen. «Unsere enormen Bemühungen in diesem Bereich tragen Früchte, allerdings ist es für uns alle noch ein weiter, spannender und anstrengender Weg zum Breakeven», so Sigel.

Laut dem CEO hat die Coronakrise die im Geschäftsbericht beschriebenen Prognosen für 2020 total über den Haufen geworfen. «Wir rechnen zurzeit mit verschiedenen Szenarien für dieses Jahr, wobei schwer abschätzbar ist, was effektiv eintrifft.»

Dani Sigel geht davon aus, dass man wohl erst in einem Jahr wissen könne, ob die strukturelle Veränderung in der Medienbranche durch Corona eine zusätzliche Dynamik bekomme. «So oder so, die Zeiten bleiben herausfordernd und spannend. Unternehmen müssen noch flexibler, wandlungsfähiger und agiler werden. Das haben die letzten Wochen eindrücklich aufgezeigt. Und sie haben auch gezeigt, dass, wenn man muss, vieles plötzlich geht – und sogar recht gut.»

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