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«Brutale, unangenehme Situation, die man durchsetzen muss»

Jörg Kündig zur Bewältigung der Corona-Krise

«Brutale, unangenehme Situation, die man durchsetzen muss»

Die Coronavirus-Pandemie hat massive Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Der Zürcher Regierungsrat informiert, wie die Gemeinden die Corona-Krise bewältigen.

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 08. April 2020, 13:00 Uhr Jörg Kündig zur Bewältigung der Corona-Krise

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemeinden haben in der Corona-Krise eine entscheidungstragende Rolle, denn in ihnen bekommen die Massnahmen ein Gesicht.
  • Absprache und ein funktionierender Informationsfluss zwischen Bund, Kanton, Gemeinden und Volk sei jetzt umso wichtiger.
  • Bislang funktioniere der Fernunterricht und die Schliessung von Ausflugszielen gut.
  • Das Osterwochenende ist gemäss Fehr von grosser Bedeutung für den weiteren Verlauf der Situation.
  • Im Falle einer Maskenpflicht hätte der Kanton nicht genügend Material zur Verfügung.
  • In Altersheimen gilt nach wie vor Besuchsverbot.
  • Die Abstimmung vom 17. Mai findet dann nicht statt – auch zur Bewahrung der Demokratie.

Ticker

8. April, 14.55 Uhr: Abstimmung vom 17. Mai verschoben

Gemäss Fehr ist es für einzelne Gemeinden sehr eklig, dass es am 17. Mai keinen Abstimmungssonntag gibt. Dennoch habe man sich dazu entschlossen, den Abstimmungssonntag zu streichen. «Es gibt zurzeit keine Möglichkeit, irgendwelche Podien oder politische Veranstaltungen durchzuführen», sagt Fehr. Da dies zu einer funktionierenden Demokratie dazugehöre, werde auf die Abstimmung verzichtet. 

8. April, 14.45 Uhr: Gemeindepräsidenten gefordert

Jörg Kündig hat in seinem Amt als Gemeindepräsident von Gossau in den vergangenen Wochen viel zum Thema Coronavirus zu tun gehabt. Es gehe sicherlich über das normale Pensum eines Milizamtes hinaus, so Kündig. «Die Bewältigung des Themas Coronavirus war dominant», sagte er auf die Frage eines Journalisten, der wissen wollte, wie viel Prozent seiner Arbeitsleitung als Gemeindepräsident Kündig vergangene Woche dem Coronavirus gewidmet habe.

8. April, 14.35 Uhr: Weiterhin keine Besuche in Altersheimen

Ein weiterer Journalist will wissen, ob es noch Besuchsmöglichkeiten in Alters- und Pflegeheimen gibt. «Leider nicht. Wir haben festgestellt, dass die Todesfälle fast immer aus Heimen kommen», sagt Kündig. Man wisse bei einzelnen Bewohner nicht, ob sie tatsächlich infiziert sind. Es sei ein Gebot der Vorsicht, dass man keine Besuche stattfinden lasse. Dies sei eine «brutale, unangenehme Situation», die man aber durchsetzen müsse.

8. April, 14.30 Uhr: Nicht genug Schutzmasken?

Nun beginnt die Fragerunde. Eine Journalistin fragt, ob sich die Gemeinden rechtzeitig genug mit dem nötigen Schutzmsaterial ausgerüstet haben. Jörg Kündig sagt, dass man in der glücklichen Lage sei, dass die vulnerablen Bereiche ausgestattet werden können. «Wenn eine Maskenpflicht für alle etabliert werden würde, sind wir jedoch nicht in der Lage, alles Material zur Verfügung zu stellen.»

8. April, 14.10 Uhr: Osterwochenende entscheidend

«Wir sind noch nicht am Ende des Marathons», sagt Regierungsrätin Fehr. Ihr bereite das kommende Osterwochenende noch gewisse Sorgen. «Das Wochenende ist entscheidend, ob wir den Ausgang aus der aktuellen Situation schneller finden oder nicht.»  Fehr appelliert nochmals, dass Kontakte vermieden werden sollen. «Alleine joggen ist okay. Meiden Sie aber wenn immer möglich öffentliche Verkehrsmittel.» Auch grillieren auf dem Balkon oder im Garten sei kein Problem. «Eine klassische Grillparty oder das Grillieren in einer Gruppe bei der Grillstelle am Wald schon.» Auch Reisen nach Graubünden oder ins Tessin seien verboten. «Wir sollten dieses eine Jahr auf den Osterausflug verzichten.»

8. April, 14.05 Uhr: Absprache sei wichtig

Die Sicherheit sei ein weites Thema. «Wir müssen die Allgemeinheit vor Ansteckungen schützen», so Kündig. Eine Eskalation müsse beispielsweise bei Warteschlangen verhindert werden. In den Alters- und Pflegeheimen müsse der Zutritt gewährleistet werden. Bei den Ausflugszielen funktioniere die Absperrung in Zusammenarbeit mit den Gemeindepolizeien gut. Bei den Seen sie die Absprache zwischen den anstossenden Seegemeinden für das weitere Vorgehen wichtig. «Wenn jemand A sagt, kann die andere Gemeinde nicht B sagen.»

8. April, 14 Uhr: Schulschliessungen etabliert

Die Schulschliessungen hätten sich mittlerweile etabliert sagt Kündig. Der Fernunterricht laufe gut, habe den Präsenzunterricht ersetzt und die Eltern würden sich verständnisvoll zeigen. Nun müsse man aber einen Weg finden, um wieder zu einer gewissen Normalität zurückzukehren. Kündig sieht aber bei den Abschlussprüfungen in den Gymnasien oder den Klassenwechseln noch Handlungsbedarf.

8. April, 13.55 Uhr: «Mutige» Entscheidungen

Die Gemeinderäte hätten in der aktuellen Situation «mutige» Entscheidungen treffen müssen. «Entscheide, die im Nachhinein sicherlich kritisch hinterfragt werden», sagt Kündig. Dies in einer Krisensituation jedoch absolut normal.

8. April, 13.50 Uhr: Informationen und Empfehlungen

Der Gemeindepräsidentenverband des Kantons Zürich (GPV) habe nach den ersten Massnahmen des Bundes am 15. März alle Gemeinden entsprechend informiert. Nach der Schliessung der Schulen seien auf den Gemeindeverwaltungen viele Fragen eingetroffen. Dafür seien in vielen Gemeinden entsprechende Hotlines eingerichtet worden. Zudem habe der GPV entsprechende Empfehlungen abgegeben. «Beispielsweise beim Umgang mit Beerdigungen oder wie geht man mit ausstehenden Gemeindeabstimmungen um?», so Jörg Kündig, Präsident des Verbandes.

8. April, 13.40 Uhr: «Staat hat durch die Gemeinden ein nahbares Gesicht»

Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) sagt, dass Gemeinden der Ort seien, wo die Krise konkret spürbar sei. Beispielsweise durch geschlossene Beizen, die Coiffeure, die ihr Geschäft nicht mehr öffnen darf oder auch Abdankungen, die nur noch in einem kleinen Rahmen stattfinden dürfen.

Aber auch die Hilfe werde hier in den Gemeinden konkret. «Hier entsteht Nachbarschaftshilfe. Studenten helfen Senioren.»

Der Staat habe durch die Gemeinden ein nahbares Gesicht. «Bern und Zürich sind weit weg. Aber das Gemeindehaus um die Ecke kennt man. Es gibt den Einwohnern ein Gesicht.»

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