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Lindau denkt über mobile Jugendarbeit nach

Neue Bedürfnisse?

Lindau denkt über mobile Jugendarbeit nach

Ein Jugendparlament und aufsuchende Jugendarbeit - Lindau prüft neue Wege, seine jugendlichen Einwohner stärker einzubinden.

Mirja
Keller
Montag, 06. April 2020, 17:18 Uhr Neue Bedürfnisse?
Seit bald 20 Jahren betreibt Lindau offene Jugendarbeit. Nun will die Gemeinde die Jugendarbeit intensivieren.
Symbolfoto: Pixabay

Mobbing, Bildschirmsucht und Vereinsamung: Themen wie diese sind in der Jugendarbeit hochaktuell. Sie sind Folgen der Digitalisierung und treffen die Jungen, welche viel Zeit mit den neuen Technologien und Medien verbringen, besonders stark. Die Gemeinde Lindau will diesem Umstand stärker Rechnung tragen und ihre Strategie in Sachen Jugendarbeit anpassen.

Das aktuelle Jugendkonzept der Gemeinde, das zuletzt 2013 überarbeitet wurde, sei überholt, sagt der Leiter des Ressorts Gesellschaft, Peter Reinhard (SP). «Es ist zu wenig Spielraum für neue Ansätze vorhanden.» Konkret stehe etwa zur Debatte, die Beteiligung junger Menschen in der Gemeinde zu fördern oder die aufsuchende Jugendarbeit einzuführen.

Jugendliche aktiv treffen

Letztere würde eine stärkere Präsenz der Jugendarbeiterinnen im öffentlichen Raum erfordern, als bei der offenen Jugendarbeit, welche die Gemeinde seit 2004 betreibt. Im Falle der mobilen Jugendarbeit würden Mitarbeitende die Jugendlichen an ihren Treffpunkten aufsuchen und dabei aktiv deren Bedürfnisse abholen. «Es geht darum, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen», sagt Reinhard.

Indem die Jugendarbeiter direkt auf die Jungen zugehen, könnten Probleme diverser Art vertiefter diskutiert werden – persönliche, aber auch gesellschaftliche. Auch unerwünschte Verhaltensweisen könnten angesprochen und so im Idealfall vermieden werden, so Reinhard und nennt etwa Littering oder Vandalismus.

Vorerst noch Zukunftsmusik

Dies sind jedoch Zukunftsvisionen. Aktuell sei noch vieles im Unklaren, sagt Reinhard. So müsse erst geklärt werden, welche Anliegen und Bedürfnisse bei den Jugendlichen und den Personen, die sich um sie kümmern,  wichtig sind. Nebst der aufsuchenden Jugendarbeit stehen noch weitere Optionen im Raum. Etwa die Einführung eines Jugendparlaments, Jobcoaching oder auch die Jugendförderung in Vereinen.  

«Wir möchten im neuen Jugendkonzept alle Tätigkeitsfelder integrieren, die die Gemeinde mit und für Jugendliche bearbeitet», sagt Reinhard. Dafür hat sich die Gemeinde professionelle Unterstützung geholt. Das «Büro West» aus Luzern, das schon an der Erarbeitung des letzten Jugendkonzepts beteiligt war, wird das Team Jugendarbeit bei der Evaluation der bisherigen Arbeit und der Ausgestaltung der neuen Tätigkeitsfelder unterstützen. Letzteres besteht aus den Jugendarbeiterinnen, der Bereichsleiterin Bildung und Gesellschaft und Peter Reinhard als zuständiger Gemeinderat.

Kein Kostendach

Umfragen unter den Jungen und den lokalen Vereinen sollen zudem in Erfahrung bringen, was sich die jeweiligen Personengruppen wünschen. Für die Bearbeitung durch «Büro West» und die weiteren Kosten der Konzepterarbeitung hat der Gemeinderat einen Kredit von 20‘000 Franken bewilligt. Das neue Konzept soll bis im Juni 2021 stehen.

Wie viel Geld für eine neue kommunale Jugendkultur jährlich aufgeworfen würde, kann Peter Reinhard derzeit nicht abschätzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ausgaben die heutigen von 177‘050 Franken pro Jahr übersteigen werden, sei jedoch gross, da wohl neue Aufgaben dazu kommen werden. Peter Reinhard: «Wir möchten uns aber im neuen Konzept nicht auf einen fixen Betrag festlegen, sondern die Aufgaben definieren, die es wahrzunehmen gilt.»

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