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Betreiber beraten, ob Pendler für Ausfälle kompensiert werden

Öffentlicher Verkehr

Betreiber beraten, ob Pendler für Ausfälle kompensiert werden

Die Schweizer ÖV-Verbünde reduzieren ihr Angebot, auch in Zürich. Was bedeutet das für die Kundschaft, die ein Abonnement besitzt, bekommt sie eine Entschädigung?

Fabio
Lüdi
Mittwoch, 25. März 2020, 08:00 Uhr Öffentlicher Verkehr
Die ÖV-Unternehmen beraten, ob sie Kunden teile ihrer Abos zurückerstatten sollen.
Christian Merz

Ein Schweizer Monument wackelt: der öffentliche Verkehr. Seit letzter Woche wird er auf ein «Grundangebot» zurückgefahren, heisst es bei nationalen und kantonalen Verkehrsverbünden. Damit sollen die Social-Distancing-Empfehlungen des Bundes eingehalten werden. Was heisst das für die Pendlerinnen und Pendler mit einem ÖV-Abonnement, haben sie Anspruch auf eine Entschädigung?

Das weiss man beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) noch nicht. Die Gespräche dazu liefen seit letzter Woche, sagt Sprecher Stefan Kaufmann. «Wir haben das Problem erkannt, bitten aber noch um Geduld.» Der ZVV strebe eine schweizweite Lösung an. Weil das aber eine Vielzahl verschiedener Akteure – von Tarifverbünden, über Kantone bis zum Bund – involviert, brauche das Zeit. Noch sei auch nicht klar, wie eine allfällige Kompensation der Kundschaft aussehen könnte.

Loch in der Kasse

«Die Thematik ist komplex», sagt auch Thomas Ammann. Er ist Mediensprecher der Alliance Swiss Pass, dem Zusammenschluss der nationalen und regionalen Transportunternehmen und Verbünde des öffentlichen Verkehrs. Alle beteiligten Partner abzuholen und eine technisch umsetzbare Lösung zu finden, sei anspruchsvoll. Es existiere ein breites Angebot an ÖV-Abonnementen in der ganzen Schweiz. Dazu komme, dass allfällige Erstattungen an die Kundschaft zu einem Loch in der Kasse der regionalen Verbünde führen könnte. «Das müsste dann wohl von der öffentlichen Hand als Trägerin subventioniert werden», sagt Ammann.

Das Spektrum der diskutierten Massnahmen sei breit. Wichtig sei momentan, dass Kundinnen und Kunden noch immer von A nach B kämen. «Wir thematisieren die Massnahmen deswegen nicht aus Sicht der Angebotsreduktion», sagt Ammann.

Grund für ein Entgegenkommen der Verbünde sei also nicht das ausgedünnte Angebot seitens der Betreiber. Denn die Kundschaft nutze den öffentlichen Verkehr momentan nicht mehr in gewohntem Mass, weil sie Homeoffice betreibt oder keine Veranstaltungen mehr besucht. «Es geht uns darum, ein Zeichen der Wertschätzung zu setzen.»

Für nationale Lösung

Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz wiederum sagt: «Eine allgemeingültige Vorgehensweise würde für alle Beteiligten Rechtssicherheit bringen.» Darum unterstütze der Konsumentenschutz eine nationale Lösung. So könnte etwa die Hinterlegungsfrist von 30 Tagen, die man beim Generalabonnement in Anspruch nehmen kann, verlängert und das Konzept auf auch auf andere Abos ausgeweitet werden, sagt Walpen. Bis die Transportunternehmen und Verbünde eine Einigung erzielt haben, erstatten die SBB alle Einzelbillette für Reisen mit Abfahrt bis zum 30. April zurück.

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