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«Das Spital Uster hat die aktuelle Situation ausgenutzt»

Kritik nach «geheimer» Baumfällung

«Das Spital Uster hat die aktuelle Situation ausgenutzt»

Im Park des Spitals Uster sind zwei grosse Bäume gefällt worden. Anwohner kritisieren dieses Vorgehen.

Kevin
Weber
Dienstag, 24. März 2020, 06:54 Uhr Kritik nach «geheimer» Baumfällung

Max Bandle ist schockiert. Als er am Donnerstag durch den Park des Spitals Uster lief, musste er feststellen, dass vor dem südlichen Spitaleingang zwei alte Bäume fehlten. Es handelt sich dabei um eine Kaukasus-Fichte sowie eine eher seltene Algier-Tanne. «Wenige Stunden zuvor waren sie in einer ‹Nacht-und-Nebelaktion› am helllichten Tag gefällt worden», sagt Bandle.

Die beiden Bäume (rechts) vor der Fällung... Die beiden Bäume (rechts) vor der Fällung... ..und nachdem sie dem Erdboden gleich gemacht wurden. ..und nachdem sie dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Zusammen mit seiner Frau, Brigitte Mösli, hatte sich Bandle schon länger für den Erhalt der beiden Bäume eingesetzt. «Beide Nadelbäume waren über hundertjährig und völlig gesund.» Dies sei an den Strünken und Stammresten deutlich sichtbar gewesen, sagt Bandle. «Die Bäume hätten Schutz verdient gehabt.»

Fällung ein «Skandal»

Aber dort, wo die Tanne und die Fichte wuchsen, soll gemäss den Ausbauplänen des Spitals künftig ein Parkhaus stehen. Dieses wird in einer ersten Bauetappe erstellt. Hierfür hatte das Spital kürzlich die Baubewilligung sowie die Baufreigabe erhalten.

«Hier wurden mutwillig wertvolle Bäume dem Erdboden gleich gemacht.»

Max Bandle, Anwohner

Die Fällung der beiden Bäume hätte jedoch erst im April erfolgen sollen. So stand es im Bauterminplan, der Anfang März an einem Informationsabend für die Anwohnenden präsentiert wurde, sagt Bandle. Dass die Bäume nun doch schon abgeholzt wurden, ist für den 65-Jährigen ein «Skandal». «Hier wurden mutwillig wertvolle Bäume dem Erdboden gleich gemacht.»

Kritik an Spitalleitung

Für Bandle und Mösli ist inzwischen klar, weshalb die Fällung vorgezogen wurde. Denn am vergangenen Freitag sei eine Verfügung des Bundesgerichts eingetroffen, welche dem Spital Uster vorläufig alle Veränderungen in Bezug auf das Bauvorhaben untersagt, sagt Bandle. Dies weil ein Rekurs gegen die Baubewilligung mit Gesuch um aufschiebende Wirkung weitergezogen wurde. «Einen Tag vor dieser Antwort des Bundesgerichts wurden vollendete Tatsachen geschaffen und die Bäume sofort gefällt», sagt Mösli.

Brigitte Mösli und Max Bandle kritisieren die Spitalleitung für dieses Vorgehen: «Das Spital hat die aktuelle Situation ausgenutzt, denn die Corona-Krise ist für die Allgemeinheit im Moment verständlicherweise wichtiger, als das Schicksal zweier Bäume.» Unverständlich sei für die beiden zudem, dass die Stadt Uster dem Spital die Baufreigabe erteilte, bevor klar war, ob der Rekurs fristgerecht ans Bundesgericht weitergezogen wurde.

Spital sieht sich im Recht

Das Spital Uster widerspricht den Punkten der beiden Kritiker. Per 18. Dezember 2018 habe das Spital die baurechtliche Bewilligung für den Neubau eines Rettungsdienstgebäudes inklusive einer Energiezentrale der Energie Uster sowie eines Parkhauses erteilt bekommen. Dies schreibt die Medienstelle auf Anfrage. «Dieser Bauentscheid wurde durch Anwohner beim Baurekursgericht angefochten und über zwei Instanzen, letztlich vom Verwaltungsgericht, abgewiesen.»

«Solche Fällaktionen müssen grundsätzlich nie im Detail angekündigt werden.»

Medienstelle des Spitals Uster

Aufgrund der Anfang März von der Stadt Uster erteilten Baufreigabe und dem Baustart vom 16. März seien die erwähnten Bäume am vergangenen Donnerstag gefällt worden. «Bevor sich, wie in den vergangenen Jahren beobachtet, Vögel darin einnisten und ihr Brutgeschäft beginnen konnten.» Zudem hält die Medienstelle des Spitals fest, dass solche Fällaktionen «grundsätzlich nie im Detail» angekündigt werden.

Weiter verweist die Medienstelle auf den neuen Spitalpark. Dieser werde im Zuge der Erstellung der Parkgarage um rund einen Drittel grösser als der heutige. «Selbstverständlich sind im neuen Park auch grössere Baumgruppen mit vorwiegend einheimischem Gehölz geplant.»

Kein «Erholungspark»

Doch diese neue Parkanlage überzeugt Mösli und Bandle überhaupt nicht. «Eine ‹Schönfärberei›, aber sicherlich kein Ersatz für Mensch und Natur.»

Denn hohe Bäume könnten auf einem Parkhausdach nicht wachsen, seien für einen grösseren öffentlichen Erholungspark, wie er vom Spital immer wieder angepriesen werde, aber unentbehrlich, sagt Bandle. «Dass wertvolle Bäume auch heutzutage noch aus kommerziellen Gründen gefällt werden, finden wir traurig.»

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