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Was kann ich noch, was nicht?

Notlage in der Schweiz

Was kann ich noch, was nicht?

Am Montagnachmittag verkündete der Bundesrat, womit viele gerechnet haben: Die schweizweite Notlage wurde ausgerufen. Seit Mitternacht gelten deshalb entsprechende Massnahmen. «Züriost» klärt auf, was man jetzt noch tun darf und welche Einrichtungen geschlossen bleiben.

Redaktion
Züriost
Dienstag, 17. März 2020, 11:57 Uhr Notlage in der Schweiz

Ich brauche Essen, eine neue Frisur und ein Tattoo. Kein Problem oder?   


Was das Essen angeht, gibt es keine Einschränkungen. Alle Lebensmittelgeschäfte bleiben geöffnet – darunter fallen zum Beispiel die Migros und der Coop, aber auch Bäckereien, Metzgereien und Hofläden. Auch offen sind Betriebskantinen, Lieferdienste, Apotheken und Drogerien, ebenso Tankstellen, die Post, Banken, Hotels, die öffentliche Verwaltung und soziale Einrichtungen. Auch Augenoptikgeschäfte bleiben offen, da es sich bei Brillen und Kontaktlinsen um ein essentielles Gut handelt, Physiotherapiepraxen sind von der Schliessung ebenfalls nicht betroffen. 

Die neue Frisur und das Tattoo müssen aber noch warten: Alle Coiffeur-, Tattoo und Nagelstudios bleiben geschlossen, sowie Bars, Clubs, Restaurants, Kinos, Fitnesscenter, Theater und Konzerthallen. Ebenso schliessen Zoos, botanische Gärten, Museen und Bibliotheken, Gottesdienste sind vorerst auf Eis gelegt. Auch Bordellbesuche sind nicht erlaubt.

Kurz gesagt: Alle Freizeitangebote machen vorerst dicht. Bei den geöffneten Einrichtungen gilt es, die Hygiene- und Abstandsmassnahmen einzuhalten. 

Okay. Apropos Einkaufen, die Leute hamstern regelrecht – muss ich auch?  


Nein. Wie der Bundesrat an seiner Medienkonferenz klar machte, ist die Grundversorgung der Bürger nicht gefährdet. Lebensmittel, Medikamente und Waren des täglichen Lebens sind gesichert. «Es ist nicht nötig, Notvorräte anzulegen», so Bundesrat Alain Berset. 

Auch im Oberland wurde gehamstert – unser Redaktor hat sich am Wochenende in den Einkaufsläden der Region umgesehen. 

Dann ist das geklärt. Darf ich mich noch draussen bewegen, abgesehen vom Einkaufen? 


Alle Spielplätze und Parks bleiben vorerst zugängig – zumindest im Kanton Zürich. Im Kanton Tessin wurden vereinzelte Parks bereits geschlossen. Auch zum Joggen, Spazieren oder Velofahren darf man nach draussen. Der Bundesrat empfiehl aber, die Aktivitäten auf ein Minimum zu begrenzen – und diese nicht in grossen Gruppen auszuführen.

Was mir gerade auffällt: Ich habe einen Marderschaden am Auto. Was jetzt?


Kein Grund zur Sorge: Autogaragen, ebenso die Velo- und Motorradwerkstatt, dürfen weiterhin ihre Tätigkeiten ausführen. Sie gelten als Werkstatt für Transportmittel.

Muss das Auto beim Strassenvekehrsamt vorgeführt werden, braucht man Geduld. Alle periodischen Fahrzeugprüfungen werden gemäss Homepage verschoben, die betroffenen Personen werden entsprechend informiert. Neue Termine werden kommuniziert, sobald es die Umstände zulassen. Freiwillige Fahrzeugprüfungen, Fahrzeugprüfungen aufgrund eines Polizeirapports, Fahrzeugprüfungen aufgrund technischer Änderungen und weitere nicht periodische Fahrzeugprüfungen finden weiterhin statt.

Ich bin mit dem Zug unterwegs. Gibt es dort Einschränkungen?


Ja. Wie die SBB gestern mitteilte, reduzieren sie ihre Fahrpläne. Die Anpassung soll aber erst ab Donnerstag, 19. März erfolgen. Die Fernverkehrszüge verkehren ab Donnerstag schrittweise generell im Stunden- statt im Halbstundentakt. Endstation: Die Grenze zu allen Nachbarsländern.

Obwohl der öffentliche Verkehr weiterhin in Betrieb ist, rät der Bund von der Nutzung ab.

Um ihre Mitarbeiter zu schützen, haben die Zürcher Verkehrsbetriebe Massnahmen ergriffen.

Und wie sieht es mit der Arbeit aus: Muss ich ins Büro?


Der Bundesrat rät zum Homeoffice, wo es möglich ist. Besonders gefährdete Personen – Leute mit einer Vorerkrankung – sind verpflichtet, von zu Hause aus zu arbeiten. Ist das nicht möglich, werden sie beurlaubt, erhalten aber weiterhin ihren Lohn.

Ich arbeite auf der Baustelle, die kann ich schlecht nach Hause nehmen.


Jene Personen, die auf Baustellen arbeiten, können weiterhin ihrer Tätigkeit nachgehen. Der Bundesrat will keinen «totalen Stillstand». Wo das Abstandhalten umgesetzt werden kann, soll es möglich sein, zur Arbeit zu gehen – das gilt für Baustellen.

Homeoffice, keine Clubbing, kein Fitness. Dürfen wenigstens Freunde vorbeikommen?


Das ist gesetzlich nicht ganz klar – und deshalb eine Grauzone. Klar ist: Öffentliche und private Veranstaltungen sind verboten. Eine Homeparty ist also nicht erlaubt. Ein spontanes Nachtessen mit Nachbarn fällt jedoch nicht unter das Verbot – jedoch rät der Bund davon ab, da sich das Virus sehr schnell verbreitet, auch in kleineren Gruppen.  

Was, wenn ich trotzdem eine Party feiere?  


Wer erwischt wird, dem droht eine Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Heisst also, Beerdigungen werden ebenfalls nicht stattfinden – das ist ja auch eine Menschenansammlung.


Nicht ganz. Beerdigungen sind gestattet, aber nur im engsten Familienkreis.

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Guten Abend
Könnte mir bitte jemand erklären warum es plötzlich keine Blumen mehr gibt und keine Aktionen mehr bei Aldi und Lidl????????? Da haben die Hamsterer das wohl doch richtig gemacht.
Herzlichen Dank und freundliche Grüsse

Ich (66J) benötige Diabetes und Hypertonie Medikamente, habe diese beim Arzt bestellt, obwohl ich zur Risikogruppe zähle, liefert die Impuls Praxis mir diese Medikament nicht in Briefkasten (wohne etwa 800m von Impuls entfernt). Wären dies in jetzt, in der Notfallkrise von Corona, nicht dazu verpflichtet, mir diese lebensnotwenigen Medikamente in den Naheliegenden Briefkasten zukommen zu lassen? Was kann ich tun?

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