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Interessensgemeinschaft gegründet

Bubiker lancieren Petition für Stammgleis

Der Kampf um das Bubiker Stammgleis geht in die nächste Runde. Zunächst wollte der Gemeinderat ein Teilstück verkaufen, dann sollte der Woflhauser Bahn ein Denkmal gesetzt werden, nun hat eine frisch gegründete Gemeinschaft eine Petition zur Rettung des Gleises erstellt.

Tanja
Hudec
Freitag, 07. Februar 2020, 14:10 Uhr Interessensgemeinschaft gegründet

Das ehemalige Industriegleis zwischen Bubikon und Wolfhausen hat eine echte Fangemeinde. Seit der Gemeinderat einen Teilverkauf angekündigt hat, gehen die Wogen unter den Anhängern dieses historischen Überbleibsels hoch. Sie rufen zu Protestmärschen auf und denken laut über einen Rekurs gegen den Beschluss nach.

Nun ist «eine Handvoll Bubiker und Wolfhauser» aktiv geworden und hat eine Interessensgemeinschaft gegründet. Dies teilt die IG Stammgleis anonym per Mail mit. Sie verfolgten das Ziel, das Stammgleis auf seiner ganzen heute bestehenden Länge befahrbar zu erhalten. Ausserdem soll es zusammen mit dem Bahnhof von Wolfhausen in das Inventar der schützenswerten Kulturobjekte aufgenommen werden. «Zu diesem Zweck haben wir eine Petition verfasst.»

Zur Rettung des Stammgleises: Die IG Stammgleis hat eine Petition verfasst. (Foto: ig-stammgleis.ch)

Ein Link, der auf die aufwändig produzierte Webseite der IG führt, liefert weitere Informationen. Das Bahngleis vom Ritterhaus Bubikon bis zur Kreuzung mit der Oberwolfhauserstrasse in Wolfhausen sei das letzte Teilstück des ehemaligen Stammgleises der Uerikon-Bauma-Bahn, das zusammen mit dem Bahnhofgebäude in Wolfhausen als ganze Anlage erhalten geblieben sei, heisst es dort in grossen Lettern.

«Leitfaden» zwischen Dörfer

«Diese Bahnanlage ist ein wichtiger und noch intakter Zeuge der Industrie- und Bahnkultur in der Gemeinde Bubikon des 20. Jahrhunderts und soll in ihrer Gesamtheit erhalten bleiben. Wird es durch Wegfall einzelner Teile unterbrochen, so ist dieses wertvolle Kulturgut für immer zerstört.»

Das Stammgleis gehöre zur Gemeinde und verbinde die Dorfteile als «Leitfaden» miteinander, schreibt die IG in der Petition weiter. Die Chilbifahrten seien etablierte Volkskultur seit bald 40 Jahren, die es weiterhin zu pflegen gelte. «Der Dorfteil Wolfhausen verdankt dem Stammgleis einen grossen Anteil seiner Entwicklung, diesem Umstand soll Rechnung getragen werden.»

«Für den Produktionsprozess der Schulthess Maschinen sind die alten Gleise äusserst ungeeignet.»

Thomas Marder, CEO von Schulthess Maschinen

Wer die Petition unterschreibt, fordert abgesehen von den erwähnten Zielen, eine einvernehmliche Lösung mit der Schulthess Maschinen AG zur Durchfahrt auf deren Areal. Hier dürfte die IG auf Granit beissen: Ein Gleiserhalt auf ihrem Gelände kommt für die Firma nicht infrage.

«Für den Produktionsprozess der Schulthess Maschinen sind die alten Gleise äusserst ungeeignet», sagt CEO Thomas Marder. Produktion und Montage würden dadurch getrennt, was gerade bei schlechter Witterung den Logistikprozess erheblich erschwere. Dieser habe unmittelbar negative Auswirkungen auf die Herstellungskosten und verteuere die Produkte unnötig. 

Diese fünf Parzellen sollen zum Verkauf freigegeben werden. Eine davon betrifft die Firma Schulthess (Grafik: Damaris Huser)

Schulthess sei grundsätzlich gerne bereit für einen Landabtausch mit der Gemeinde Bubikon, damit Nostalgiefahrten nach wie vor möglich seien. «Sie sollen allerdings nicht mehr durch das Industriegelände der Schulthess führen.» Wie ein solcher Landabtausch aussehen würde und ob dadurch der Erhalt des Gleises in seiner gesamten Länge überhaupt noch möglich wäre, konnte am Montag weder der Bubiker Gemeindeschreiber Mettler noch CEO Marder beantworten.

Mettler sagt lediglich: Die Firma Schulthess habe bereits vor einigen Jahren ihr Kaufinteresse an einem Teilstück des ehemaligen Stammgleises gezeigt und in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit eines Landabtausches für eine Bushaltestelle in Wolfhausen erwähnt. Bisher seien jedoch weder ein Kaufangebot eingegangen, noch Verhandlungen geführt worden. Die angekündigte Petition der IG Stammgleis fördere die Verhandlungsaufnahme aber nicht.  

Mögliche Verkürzung der Strecke

Wer genau hinter der IG Stammgleis steckt, ist nirgends offiziell aufgeführt. Auf der Webseite sind keine Namen zu finden, unter «Kontakt» poppt statt einer Mailadresse lediglich ein Formular zum Ausfüllen einer Nachricht auf. Die Bitte der Redaktion um einen Rückruf hat die IG Stammgleis bisher ignoriert. Sie äussere sich derzeit nur schriftlich und anonym, teilt die Gruppe mit. 

«Der Gemeinderat wünscht sich, dass Unterschriftensammlungen von namentlich bekannten Personen verantwortet werden.»

Andrea Keller (parteilos), Bubiker Gemeindepräsidentin

Gemeindepräsidentin Andrea Keller (parteilos) sagt, der Gemeinderat habe Verständnis für die Sorge um das kulturelle Erbe der Gemeinde. «Wir haben jedoch alle Interessen der Gemeinde und der gesamten Bevölkerung wahrzunehmen und gegeneinander abzuwägen.» Dazu seien unter Umständen auch Kompromisse nötig. Im Falle des Stammgleises könnte dies laut Keller eine Verkürzung der für den Weiterbetrieb der «Wolfhuuser Bahn» zur Verfügung stehenden Strecke bedeuten.

Keine Verkäufe und kein Rekurs

Das Recht der Bevölkerung, mit Petitionen Wünsche an den Gemeinderat zu richten, sei unbestritten, so Keller weiter. Der Gemeinderat freue sich über das grosse Interesse der Bürgerinnen und Bürger am politischen Geschehen. Nur so sei es dem Gemeinderat möglich, bürgernah zu handeln. «Allerdings wünscht sich der Gemeinderat, dass Unterschriftensammlungen nicht von anonymen Komitees durchgeführt, sondern von namentlich bekannten Personen verantwortet werden, mit denen eine offene Diskussion möglich ist.» 

Weiter wolle der Gemeinderat klarstellen, dass er weder in Verhandlung mit einzelnen Interessenten stehe, noch Verkäufe getätigt worden seien. Keller: «Diese Mutmassungen weisst der Gemeinderat mit aller Entschiedenheit zurück.»

Rekurs gegen den Beschluss hat beim Bezirksrat Hinwil bisher niemand eingereicht, wie Sprecherin Jacqueline Hayek bestätigt. Die Rechtsmittelfrist läuft aber erst am Sonntag ab. 

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