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Aktion in Wernetshausen

«Make Trump small again» versinkt im Nebel

Hebi Dobler wollte Donald Trump eine Botschaft in seinen Helikopter übermitteln. Doch die aufwändige Aktion des Wernetshauser Sägers kam ins Straucheln - nicht nur wegen des Nebels.

David
Kilchör
Mittwoch, 22. Januar 2020, 14:39 Uhr Aktion in Wernetshausen

Dichte Nebelschwaden ziehen kurz nach Mittag über Wernetshausen. Hebi Döbeli steht auf seiner Wiese hinter seiner Sägerei, auf der er in Riesenlettern einen Schriftzug angebracht hat. «Make Trump small again», heisst es da. Auf ihn gerichtet ist eine Kamera eines Fernsehteams von SRF.

Die Aktion, die er von Sonntag bis Montag umsetzte und die am Dienstag auf dem ZO-Newsportal züriost.ch öffentlich gemacht wurde, ist plötzlich in aller Munde. Fast alle Deutschschweizer Medien sind auf Dobler und seinen Schriftzug aufmerksam geworden und wollen nun wissen, ob die Botschaft tatsächlich bei US-Präsident Donald Trump ankommt.

Nebel verhindert den Blick auf den Schriftzug am Mittwochmittag. (Foto: David Kilchör)

Doch der Nebel ist ein grosses Problem. Denn eigentlich sollte Trump in knapp einer Stunde mit seiner Helikopterflotte nach seinem Besuch am WEF in Davos über diese Wiese in Richtung Kloten fliegen. Doch angesichts der grauweissen Brühe dürfte er von den Grossbuchstaben herzlich wenig sehen.

«Höhere Gewalt», sagt Dobler wieder. Dieselben Worte nutzte er schon am Vortag, als Trump frühmorgens am Bachtel vorbei nach Davos flog – und der Schriftzug ebenfalls vom Nebel verdeckt war.

«Die Aktion und die Botschaft an sich standen für mich im Vordergrund.»
Hebi Dobler, Säger

Traurig sei er nicht, wenn der Präsident von der aufwendigen Aktion nichts mitbekommt, sagt Dobler. «Die Aktion und die Botschaft an sich standen für mich im Vordergrund.» Und durch den Medienrummel sei die Botschaft zumindest bei den Schweizern angekommen.

Dass es überhaupt zum Medienrummel kam, überrascht den Wernetshauser Säger. «Es geht wirklich grad ab wie die Post. Damit hätte ich nicht gerechnet.» Ein bisschen ‚gschmuuch‘ sei ihm schon dabei.

Polizei fand alles gut

Denn aufgrund der Medienberichte machte sich kurz zuvor auch die Polizei auf den Weg nach Wernetshausen. Ein Check sei das gewesen, sagt Doblers Frau. Die Polizistin habe dann aber gesagt, es herrsche ja freie Meinungsäusserung, zudem sei das die Wiese der Doblers – also alles gut. Die Polizei bestätigt den Überprüfungseinsatz auf Anfrage.

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So sieht der Schriftzug bei schönem Wetter aus. (Foto: F. Ulrich)

Während Hebi Dobler für eine Aufnahme langsam über die Wiese der Kamera entgegen geht, kommt auf einer App die Push-Neuigkeit herein, dass Trump gar nicht fliegt, sondern mit dem Auto nach Kloten fährt. «Ach, was solls», sagt Dobler.

«Ich würde wieder sowas machen.»
Hebi Dobler

Für ihn sei die Aktion so oder so gelungen. «Ich würde wieder sowas machen, ich hatte Spass dabei.» Im Zusammenhang mit dem WEF oder Trumps Schweizer Besuch hingegen sei das eine einmalige Aktion gewesen, sagt Dobler.

Damit bleibt ihm nun nur noch, zu warten, bis der Schriftzug wieder verschwindet. Regen und Wind sollen in erster Linie dafür besorgt sein. Allenfalls werde er die Wiese noch etwas mähen, sagt er. «Wir halten hier ja Tiere.»

Für den Moment wird der Schriftzug aber so bleiben wie er ist – für jedermann sichtbar, sofern man sich in der Luft befindet oder auf dem Spazierweg unter Doblers Sägerei durchgeht.

Trumps Weg von Davos nach Zürich

Wegen des Nebels in bis zu 900 Metern Höhe verzichtet Trump auf eine Rückreise im Helikopter. Stattdessen fährt er mit einem Auto-Konvoi mit über 30 Autos zum Flughafen Zürich, wo sein Flugzeug bereits auf ihn wartet. Drei Routen stehen ihm dabei zur Auswahl, eine führt durch das Zürcher Oberland. Schlussendlich wählt der Konvoi den Weg über die A13 durch St. Gallen, an Kemptthal und Illnau-Effretikon vorbei übers Brüttiseller Kreuz. Die Polizei kommuniziert, dass es zu kurzzeitigen Sperrungen von Brücken, Einfahrten und Raststätten kommen könnte. (fbe)

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