×

Hombrechtiker Schule und Eltern sind geknickt

Gestoppter Panzerausflug

Hombrechtiker Schule und Eltern sind geknickt

In Hombrechtikon hätte in einer 5.Klasse ein Ausflug mit vier Panzern stattgefunden. Der Anlass wurde jedoch abgesagt. Schule und Eltern sind enttäuscht.

Redaktion
Züriost
Freitag, 06. Dezember 2019, 09:30 Uhr Gestoppter Panzerausflug
Panzertruppenübung im Zürcher Oberland
Weil der Ausflug mit den Panzern nicht stattfand, sind Eltern und Schule enttäuscht.
Symbolbild: Imre Mesterházy

Es hätte ein ganz besonderer Morgen werden sollen: Am Donnerstag um neun Uhr wären vier Panzer der Schweizer Armee in Hombrechtikon vorgefahren. Der Kommandant der «Mechanisierten Brigade Stabsbataillon 11» hätte einer 5. Klasse im Schulhaus Dörfli einen Besuch abgestattet, sie über das Schweizer Wehrsystem informiert und anschliessend eine Panzerfahrt mit ihnen unternommen.

Das Vorhaben war in Zusammenarbeit mit der Schule geplant worden. Der Kommandant hat ein Kind in der betreffenden Klasse. In einem Infoschreiben waren die Eltern über den Anlass informiert und angewiesen worden, ihren Kindern warme Kleidung und einen Velohelm für die Fahrt im Armeefahrzeug mitzugeben.

Ausbildung höher priorisiert 

Doch dazu ist es nicht gekommen: Der Ausflug wurde am Vortag gestoppt – möglicherweise aufgrund von Recherchen der Gratiszeitung «20 Minuten». Diese fragte gemäss einem Artikel vom 5. Dezember am Mittwoch bei der Schweizer Armee und der Schule Hombrechtikon nach dem Zweck des Ausflugs, seinen Kosten und der Absicht dahinter. Noch am gleichen Tag entschied der Kommandant, den Abstecher in die Primarschule abzusagen, heisst es im Artikel.

Als Grund nannte Armeesprecher Stefan Hofer unter anderem, dass der Ausbildung der WK-Soldaten am betreffenden Tag mehr Priorität beigemessen worden sei, als der «ebenfalls wünschenswerten Präsentation der Armee in der Öffentlichkeit». Einen Zusammenhang mit dem Bericht in «20 Minuten» dementiert er.

Dieser löste indessen grosses Echo aus: Bis die Kommentarfunktion am Donnerstagmittag beendet wurde, waren bereits über 500 Kommentare eingegangen. Während einige Leser die Präsentation des Militärs an einer Schule als «Gehirnwäsche» bezeichnen, äussert die Mehrheit der Leserschaft ihr Unverständnis darüber, dass der Termin abgesagt wurde.

Schule wollte Anlass

Rolf Huber (FDP) ist Schulpräsident der Einheitsgemeinde. Er sei vor einiger Zeit an einer Geschäftsleitungssitzung über den geplanten Anlass informiert worden, sagt er auf Anfrage. «Solche Projekte planen unsere Schuleinheiten grundsätzlich selber.» Bis am Mittwoch habe das Thema keine Kontroversen ausgelöst. Er habe deshalb auch keine Ahnung, wer die Gratiszeitung auf den geplanten Anlass aufmerksam gemacht haben könnte.

«Die Fünftklässler hätten sicher den Plausch gehabt.»

Rainer Odermatt (FDP), Gemeindepräsident

Huber betont, dass der Entscheid zur Absage des Besuchs von Seiten des Militärs gefällt wurde. Unter anderem hätten die Verantwortlichen technische Ausfälle geltend gemacht. «Von unserer Seite her bestand kein Grund, den Anlass abzusagen.» Beim Ausflug hätte es sich laut dem Schulpräsidenten nicht um eine Militärdemonstration, sondern um «einen sorgfältig abgestimmten und pädagogisch begleiteten Einblick in die Lebenswelt Schweiz gehandelt, zu der auch die Schweizer Armee gehöre». So steht es auch in einer Medienmitteilung, welche die Gemeinde heute auf Website aufschaltete.

Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP) hat laut eigenen Angaben via Presse vom abgesagten Anlass erfahren. Er bedauere es ausserordentlich, dass der Ausflug nicht stattgefunden hat, sagt er auf Anfrage. «Die Fünftklässler hätten sicher den Plausch gehabt.» Zudem hätten sie einiges lernen können. «Etwa, dass die Panzer ohne Lenkrad und nur mit Bremse und Gaspedal gesteuert werden.» Odermatt bezeichnet sich als Befürworter der Armee. «Sie schützt im Notfall unsere Familien.» Er sieht denn auch nichts Negatives daran, wenn Schüler militärische Einrichtungen näher kennen lernen.

Keine Militarisierung

Auch eine Mutter, deren Kind die betreffende Klasse besucht, hat sich nicht am Vorhaben der Schulklasse gestört. Die Hombrechtikerin, die anonym bleiben möchte, findet nichts Schlechtes dabei, «wenn ein Vater den Schülern seinen Beruf vorstellt». Schliesslich würden Kinder am Zukunftstag auch Einblick in die unterschiedlichsten Berufe erhalten.

«Ich gehe davon aus, dass die Lehrperson dies bei der Planung berücksichtigt hätte.»

Eine Mutter auf die Frage, ob die sie die Situation anders beurteilen würde, wenn kriegstraumatisierte Flüchtlingskinder in der Klasse wären

Der Vater habe es nur gut gemeint, und die anderen Eltern seien früh genug über die Pläne informiert worden. «Wenn jemand ein Problem damit gehabt hätte, hätte er sich melden können.» Sie persönlich habe nicht den Eindruck, dass Kinder durch den Anblick eines Panzers militarisiert oder zu Gewalt angestachelt würden. «Bei unserer Armee geht es ja vor allem um Schutz und Verteidigung.» Auf die Frage, ob sie die Situation anders beurteilen würde, wenn kriegstraumatisierte Flüchtlingskinder in der Klasse wären, sagt die Mutter: «Ich gehe davon aus, dass die Lehrperson dies bei der Planung berücksichtigt hätte.»

Kompetenz bei Schulgemeinden

Wie das Volksschulamt des Kantons Zürich auf Anfrage mitteilt, liege es in der Kompetenz der Schulgemeinden, über Anlässe wie den geplanten Besuch der Armee in Hombrechtikon zu entscheiden. «Die Schulpflegen üben die allgemeine Aufsicht über die Schulen und die Tätigkeit der Lehrpersonen und Schulleitungen aus», sagt Amtschefin Marion Völger.

Der unterrichtsergänzende Einsatz Dritter, wie er in Hombrechtikon geplant war, könne vor dem Hintergrund der allgemeinen Bildungs- und Erziehungsaufgaben der Schule durchaus sinnvoll sein. Etwa, um die Schulkinder mit politischen und gesellschaftlichen Fragen und Auseinandersetzungen vertraut zu machen. Kontroverse Themen oder religiöse Fragen seien nicht aus dem Unterricht auszuklammern, sagt Völger. «Die Lehrkräfte sind jedoch verpflichtet, unparteiisch zu bleiben und für eine ausgewogene Darstellung und Diskussion zu sorgen.» Mirjam Bättig-Schnorf

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Nächstens werden zu laute Töfflis auch verboten, könnte ja an traumatisierende Kriegsgeräusche erinnern.
Jetzt habe ich doch glatt vergessen meinen Kommentar zu überprüfen, ob er dem Antirassismusgesetz entspricht oder genderneutral ist. Sorry.

Alle Kommentare anzeigen