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Zu verkaufen: Dali, Grass – und lokale Kunst

Kunstbörse in Dübendorf

Zu verkaufen: Dali, Grass – und lokale Kunst

In Dübendorf findet die erste Kunstbörse statt. Zu entdecken gibt es Alltagskunst, aber auch einige Schätze. Der Veranstalter erwartet bis zu tausend Besucher.

Redaktion
Züriost
Freitag, 29. November 2019, 17:06 Uhr Kunstbörse in Dübendorf

Die Türen sind noch nicht lange geöffnet, doch die im Kulturzentrum Obere Mühle aufgehängten Kunstwerke werden bereits von potentiellen Käufern begutachtet. Zu sehen gibt es viel an der Kunstbörse: Schliesslich stehen über 220 Gemälde zum Verkauf. An einer Wand hängen abstrakte Motive, an einer anderen Blumen und Stillleben. Hier und dort stehen die Besucher in kleinen Gruppen zusammen und diskutieren über die Bilder.

«Ich bin eigentlich direkt auf das Gemälde zugelaufen, dass ich nun kaufen werde», erzählt einer. Ein anderer lässt sich das Prunkstück der Börse zeigen  eine Kunstmappe von Salvador Dali. Die 6000 Franken teure Mappe darf nur mit Handschuhen angefasst werden. «Aber was will ich damit?», sagt der Besucher, «die kann ich ja nicht aufhängen.»

Das erste Mal in Dübendorf

Organisator der Kunstbörse ist Claude Schnadt. Bis 2017 hatte er die Börse in Kloten durchgeführt, dieses Jahr nun zum ersten Mal in Dübendorf. «In Kloten kriegte ich zu wenig Unterstützung», begründet Schnadt den Ortswechsel.

«Man sollte ein Bild auswechseln, wenn es keine Emotionen mehr auslöst.»

Claude Schnadt, Veranstalter

Die Obere Mühle scheint als neuer Austragungsort der Börse aber gut anzukommen. Viele Personen, die an der Eröffnung am Mittwoch anwesend sind, sind Klotener, die bei Schnadts früheren Börsen bereits fündig wurden. «Die hellen Wände und die Belichtung lassen die Bilder gut zur Geltung kommen», findet ein Besucher.

Kunst zum Mitnehmen

Der 67-jährige Schnadt betreibt die Börse als Hobby. «Ich verdiene dabei nicht», sagt er. Er sei froh, wenn er 50 Gemälde verkaufen könne. Die nicht verkauften lagert er bei sich zu Hause – bis zur nächsten Börse. Manchmal werde ein Bild nach ein paar Jahren dann plötzlich doch noch gekauft.

Einige der zum Verkauf stehenden Bilder stammen gar aus Schnadts eigener Sammlung. «Man sollte ein Bild auswechseln, wenn es keine Emotionen mehr auslöst», findet er. Die meisten Malereien würden viel zu lange an einem Ort hängen. «Aber vielleicht können sie bei jemand anderem wieder etwas auslösen.»

Darf nur mit Handschuhen berührt werden: die Kunstmappe von Salvador Dali. (Foto: Christian Merz)

Schnadts Ziel ist es, Bilder «fixfertig» zu verkaufen. «Ich will, dass Interessierte ein Bild kaufen und gleich bei sich zu Hause aufhängen können.» Deswegen seien alle präsentierten Kunstwerke bereits gerahmt.

Auch ein Tinguely ist zu haben

Zu kaufen gibt es eine bunte Mischung von signierten Originalen lokaler wie auch berühmter Kunstschaffender. Eine winzige Zeichnung zweier Murmeltiere von Toni Nigg ist bereits für 80 Franken zu haben. Aber auch Namen wie Rosina Wachtmeister, Jean Tinguely oder Günther Grass sind auf den Info-Schildern zu finden.

«Die Dali-Mappe werde ich wohl kaum verkaufen können.»

Claude Schnadt, Veranstalter

Diese Selektion kommt bei den Besuchern gut an. «Wir hatten keine Ahnung, was uns erwarten würde», erzählt einer. Er sei nur gekommen, weil auch zwei Bilder eines befreundeten Künstlers mit dabei seien. «Nun bin ich positiv überrascht, dass keine Wald-und-Wiesen-Künstler zu sehen sind.» Er habe gestaunt, als er sogar ein paar Werke von Celestino Piatti gefunden habe, der früher für den Deutschen Taschenbuchverlag illustrierte. «Und das zu einem relativ günstigen Preis», findet er.

Kein Bazar

An diesem Mittwochabend hat Schnadt bereits acht Bilder verkaufen können. Manche Kunstliebhaber sicherten sich gleich mehrere Werke. «Wenn man etwas Bestimmtes kaufen will, muss man am ersten Tag kommen», erklärt Schnadt. Die Dali-Mappe werde er wohl kaum verkaufen können. «Das macht aber nichts», findet er. Schliesslich sei die Kunstbörse kein Bazar: Qualität anzubieten sei ihm wichtig.

Wie ihn Kloten erwartet Schnadt auch für die verbliebenen Tage – die Kunstbörse dauert noch bis am 8. Dezember  rund 1000 Besucher. Er sei sich aber auch bewusst, dass sich die Börse erst in Dübendorf etablieren müsse.

(Noemi Ehrat)

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