×

Rassismusvorwürfe an Mayhem: Jetzt spricht das Management

Konzert in Wetzikon findet statt

Rassismusvorwürfe an Mayhem: Jetzt spricht das Management

Die Juso Zürcher Oberland fordert die Absage des Konzerts der norwegischen Black-Metal-Band Mayhem in Wetzikon. Das Management wehrt sich jetzt gegen den Vorwurf der rechtsradikalen Gesinnung.

David
Kilchör
Samstag, 09. November 2019, 11:55 Uhr Konzert in Wetzikon findet statt
Die Band Mayhem mit Schlagzeuger Hellhammer (links).
PD

Es soll ein Festival der düstersten musikalischen Ergüsse Norwegens sein. Die Black-Metal-Szene Skandinaviens in den 90er Jahren war blutig, gewalttätig, rassistisch und homophob. Und zwei Vertreter jener Ära werden am Mittwoch, 20. November, in Wetzikons Hall of Fame auf der Bühne stehen.

Eine davon ist Mayhem. Deren Drummer Hellhammer äusserte sich in der Vergangenheit ebenfalls scharf rassistisch, sagte, Rassen unterschieden sich wie Tierarten. Es gebe intelligentere und weniger intelligente. Zudem applaudierte er dem Mörder eines Homosexuellen, der ebenfalls in einer Black-Metal-Band Schlagzeug spielte.

Offener Brief gegen Hellhammers Statements

Grund genug für die Juso Zürcher Oberland, die Absage des Konzerts zu fordern. In einem offenen Brief an die Veranstalter kritisierte die Partei das Engagement der Band scharf und wies auf die Aussagen Hellhammers hin (wir berichteten).

«Keine der Shows wurde bis anhin abgesagt.»
Meh Suff, Veranstaltergruppe

Die Veranstalter und das Management wehren sich nun in einer Stellungnahme gegen die Vorwürfe und die Forderung der Konzertabsage. Veranstalter ist eine Gruppe namens Meh Suff.

Sie teilt mit, dass eine Person (Name der Redaktion bekannt) die gesamte Europatour von Mayhem zu verhindern versuche. Er spüre in jedem Land Personen oder Gruppierungen auf, die seine Überzeugungen teilten. Doch: «Keine der Shows wurde bis anhin abgesagt. Ganz im Gegenteil: Etliche davon sind ausverkauft.» Die Aussage der Kritiker: «Keine Bühne den Rechtsradikalen» sei entschieden zurückzuweisen, da sie nicht zutreffe.

Mayhem proklamiert Respekt für alle Fans

Diesbezüglich äussert sich das Management der Band konkreter. «Mayhem ist eine nicht-politische Band mit Tausenden von Fans weltweit, die alle Arten von Hintergründen und Glaubensrichtungen, Ideen und Präferenzen mitbringen. Jeder Fan wird mit demselben Respekt behandelt.»

Weder die Band, noch irgendeines ihrer Mitglieder billigten Rassismus, Homophobie oder andere «Hass-Kriminalität», so das Management. «Kontroverse individuelle Statements von Mitgliedern kursierten zwar in der Vergangenheit. Doch das liegt weit zurück und es handelte sich dabei auch nie um offizielle Statements der Band.»

Was die Band indes wirklich offiziell mitteilt, ist dies: «Jede Form von Urteil, die allein auf dem Hintergrund einer Person, auf ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Ausrichtung oder sonstwas basiert, worüber sie keine Kontrolle haben, ist ein Akt der Schwachheit und wird von der Band abgelehnt.»

Hellhammer schwächt Statement ab

Schlagzeuger Jan Axel, der unter dem Pseudonym Hellhammer auftritt, habe seinen Kommentar zum Mord an einem Homosexuellen längst in einen klaren Kontext gestellt. Der Homosexuelle hatte den Schlagzeuger einer anderen Black-Metal-Band sexuell belästigt, bevor er niedergestochen wurde. Hellhammer sei nun der Ansicht, der Mörder habe in Selbstverteidigung gehandelt. Die Gewalt, obgleich verstörend exzessiv, habe er angewendet, um sich selber zu schützen. «Die sexuelle Orientierung des Opfers ist komplett irrelevant.»

«Weltliche Konstrukte und gesellschaftliche Probleme sind der Freiheit des Geistens untergeordnet.»
Management von Mayhem

«Um die Absurdität der Vorwürfe zu unterstreichen», so das Management, mache man auf den Umstand aufmerksam, dass die Band gerade vier Monate lang gemeinsam mit Gaahl's Wyrd toure. Leadsänger Gaahl sei «sehr offen» schwul. Und diese Band als Begleitung habe Mayhem wohlgemerkt eigenhändig ausgewählt. «Dabei handelt es sich um diese Tour, die Herr Pitzmann zu stoppen versucht.»

Jeder Fan von Mayhem sei willkommen am Konzert, egal mit welchem Hintergrund, Glauben oder welcher Orientierung man komme - so lange man die anderen nicht damit ärgere. «Bei Mayhem gehts darum, sein eigenes Potenzial zu maximieren und seinen Geist von bedrückenden Gedanken und Ideen zu befreien.» Wer immer die Individualität der Menschen bekämpft, sei ein wahrer Feind der Band. «Weltliche Konstrukte und gesellschaftliche Probleme sind der Freiheit des Geistens untergeordnet.»

Kommentar schreiben

Kommentar senden