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«Saudumme Aktion» an der Ampel kommt Lenker teuer zu stehen

Vorfall in Wetzikon

«Saudumme Aktion» an der Ampel kommt Lenker teuer zu stehen

Das Obergericht des Kantons Zürich hat ein Urteil gegen einen Lenker bestätigt, der in Wetzikon ein irrwitziges Manöver an einer Ampel durchgezogen hat.

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 06. November 2019, 14:51 Uhr Vorfall in Wetzikon
Grüne Ampel, aber Stau davor - ein Lenker liess sich deshalb in Wetzikon zu einem dummen Manöver hinreissen.
Symbolfoto: Seraina Boner

Die Nacht ist dunkel, die Ampel steht auf grün und der Vordermann wie auch die gesamte Schlange macht keinen Wank. Das Ärgernis ist einem 37-jährigen Lenker an einem Abend im Mai 2018 zum Verhängnis geworden, als er in Wetzikon unterwegs war.

Er wählte einen kreativen, allerdings illegalen Weg, um das Problem zu lösen. Er scherte laut einem Bericht der NZZ nach links über die ausgezogene Sicherheitslinie aus, fuhr an den wartenden Autos vorbei und passierte die Schutzinsel des Fussgängerstreifens auf der verbotenen Seite. Dann setzte er seine Fahrt auf der korrekten Spur fort.

Polizei auf der Abbiegespur

Doch der Mann hatte Pech. Denn auf der Abbiegespur, die er ebenfalls hinter sich liess, stand ein ziviles Polizeiauto - und das war auch noch verantwortlich dafür, dass das vorderste Auto trotz grüner Ampel nicht fuhr. Die Polizeibesatzung hatte die Lenkerin jenes Fahrzeuges darauf aufmerksam gemacht, dass mit ihrem Rücklicht etwas nicht in Ordnung war. Der fehlbare Lenker konnte dies allerdings nicht sehen, weil vor ihm ein Minivan die Sicht versperrte.

Die Polizei reagierte natürlich auf das waghalsige Manöver des Lenkers und schickte ihm einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland ins Haus. Er wurde der fahrlässigen groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen und mit einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 140 Franken bei einer zweijährigen Probezeit belegt.

«Freundlich gehupt»

Der Verkehrssünder erhob Einsprache gegen den Strafbefehl, das Bezirksgericht Hinwil bestätigte das Urteil, am Montag stand er nun gar vor dem Zürcher Obergericht mit der Absicht, zu belegen, dass durch sein Manöver keine erhöhte abstrakte Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer resultiert habe. Daher sei er vom Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung freizusprechen.

Er habe zunächst kurz gewartet und «freundlich gehupt», ehe er sein Manöver durchgezogen habe - dies übrigens im Schritttempo. Die Sicht sei auch gut gewesen und dank des Scheinwerferlichts allfälliger entgegenkommender Autos hätte er diese auch frühzeitig bemerkt und reagieren können.

Keine Chance vor Obergericht

Doch lief er mit seiner Argumentationslinie beim Obergericht auf. Es kam zum selben Urteil wie die Vorinstanz. Allerdings senkten die Richter die Höhe des Tagessatzes von 140 auf 90 Franken. Der Alleinernäher einer dreiköpfigen Familie, habe inzwischen eine Weiterbildung begonnen und sein Arbeitspensum stark reduziert, so die Argumentation.

Er habe zudem zwar nicht eventualvorsätzlich, aber doch grob fahrlässig gehandelt. Ein Freispruch sei deshalb nicht möglich. Der 37-jährige Lenker sagte zum Schluss: «Rückblickend ist das eine saudumme Aktion. Mehr Geduld wäre angebracht gewesen.»

Die Aktion beschert ihm nebst der Busse Verfahrens- und Gerichtskosten von 5600 Franken sowie das Honorar seines Verteidigers. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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